Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nationaltheater: Barbara Markovic wird Hausautorin

„Klug, verspielt, überraschend und im besten Sinne verstörend“ nennt Schauspielintendant Christian Holtzhauer die Texte von Barb
»Klug, verspielt, überraschend und im besten Sinne verstörend« nennt Schauspielintendant Christian Holtzhauer die Texte von Barbara »Barbi« Markovic.

Eine der „originellsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur“ wird in der Spielzeit 2026/27 Hausautorin in Mannheim: die Wienerin Barbara „Barbi“ Markovic.

Eine der „originellsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur“ wird in der Spielzeit 2026/27 Hausautorin am Nationaltheater Mannheim: die Wienerin Barbara „Barbi“ Markovic.Für das Videointerview hat Barbara Markovic nur eine halbe Stunde Zeit. Am nächsten Tag wird sie für eine Lesung in Dornbirn im Bundesland Vorarlberg eine achtstündige Zugreise auf sich nehmen, am Tag darauf steht die Uraufführung ihres Romans „Piksi-Buch“ in Wien auf dem Programm, Anfang April wird sie in Paris erwartet, sie muss einen Text für eine Zeitschrift fertigschreiben und eine Rede für eine Eröffnung. „Die Menschen scheinen Gefallen zu haben an dem, was ich mache“, sagt sie, „und das ist schön. Aber eigentlich bin ich ständig überbucht und übe mich jeden Tag im Neinsagen.“

Auf den Spuren Schillers

Ja gesagt hat Barbara Markovic zum Angebot, die nächste Hausautorin des Mannheimer Nationaltheaters zu werden: „Es klang interessant, und ich bin gespannt, was das ist und sein wird.“ Was das ist? Die Hausautorenschaft ist ein Stipendium, das ein Honorar in Höhe von 16.000 Euro und die Übernahme von Reisekosten beinhaltet. Zudem wird eine Wohnung in Mannheim zur Verfügung gestellt, und das Theater finanziert einen Stückauftrag. Barbara Markovic tritt in große Fußstapfen: Der erste Hausautor des Nationaltheaters war in der Saison 1783/84 Friedrich Schiller; zur Spielzeit 1996/97 wurde die Hausautorenschaft wiederbelebt. Damals kam Albert Ostermaier nach Mannheim, gefolgt von teilweise sehr prominenten Vertretern der Gegenwartsdramatik und -literatur, etwa Feridun Zaimoglu, Theresia Walser oder Necati Öziri. In der aktuellen Spielzeit ist der Autor und Regisseur Emre Akal Mannheimer Hausautor.

Wie präsent der jeweilige Hausautor oder die jeweilige Hausautorin in der Stadt ist und wie viele und welche Veranstaltungen er oder sie bestreitet: Das ist höchst unterschiedlich. Und das weiß auch Barbara Markovic selbst noch nicht genau. Fest steht bisher, dass es einen Theaterabend geben soll, für den sie gerade den Text schreibt. Die Premiere ist für Ende November geplant, Regie wird Ruth Mensah führen. Das Stück mit dem Titel „was übrig bleibt haha“ soll, wie das Nationaltheater ankündigt, „Elemente des Kriminalgenres mit Phänomenen der Popkultur“ verbinden, „von ,Candy Crush’ über True Crime bis zu grellen Farben und Plastikwelten“. „Ich bin eine große Trash-Konsumentin, und es wird viele spaßige und bunte Elemente geben“, sagt Markovic und blendet als Hintergrundbild eine Eiskarte von „Pekabela“ ein, der jugoslawischen Eismarke aus den 1980er-Jahren.

„Unnachahmlicher Humor“

Zu Beginn dieses Jahrzehnts, 1980, ist Markovic in Belgrad geboren. Sie studierte Germanistik in Belgrad und Wien, arbeitete zunächst als Lektorin und ist seit 2006 in Wien zu Hause. Mit dem Thomas-Bernhard-Remix-Roman „Ausgehen“ machte sie 2009 zum ersten Mal von sich reden, spätestens mit dem Roman „Superheldinnen“ von 2016 wurde sie einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Sie war Stadtschreiberin von Graz und bekam viele Literaturpreise, etwa den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Zuletzt sind 2024 „Piksi-Buch“ und 2025 „Stehlen, Schimpfen, Spielen“ erschienen.

„Dank ihrer feinen Ironie, ihres unnachahmlichen Humors und ihrer pointierten, zupackenden Erzählweise entstehen Texte, die zugleich klug, verspielt, überraschend und im besten Sinne verstörend sind“, sagt Christian Holtzhauer, Schauspielintendant des Nationaltheaters. Tatsächlich sprengt Barbi Markovic in ihren Texten gerne Genregrenzen. „Meine Sätze sind lang und beinhalten viele Ansprachen an Leser:innen“, schreibt sie in „Piksi-Buch“. Und nimmt schon im Buch die Zielgruppe der professionell Lesenden in den Blick, „die sich nur aus beruflichen Gründen kurz das PDF anschauen“.

Die Form – sie hat bei Markovic mindestens den gleichen Stellenwert wie der Inhalt. „Mir ist es wichtig, dass die Texte, die ich unterschreibe, gut sind“, sagt sie. „Das ist ein ehrlicher Wunsch, den ich mir seit der Kindheit erfülle. Mögliche Angriffspunkte habe ich vorher schon durchdacht.“ Welche Form der Text für das Mannheimer Trash-Theaterstück haben werde, Drama oder Prosa? Das weiß sie selbst noch nicht. Aber den größten Unterschied zum sonstigen Romanschreiben hat sie schon ausgemacht: „Sonst fragen mich nicht so viele Leute, an welchem Punkt ich gerade bin.“

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