MannheimNach Brand ohne Bleibe: Hilfsaktion für chinesisches Paar in Mannheim
Ein Feuer in einem Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Mannheim-Luzenberg hat im Dezember einen Großeinsatz ausgelöst.
Es war ein Schock kurz vor Weihnachten: Der Dachstuhl eines Hauses geht in Flammen auf. Für zwei junge Leute beginnt eine harte Zeit. Doch sie können auf Hilfe zählen.
Weil der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses in Mannheim-Luzenberg am frühen Morgen des 18. Dezember in Flammen aufging, mussten 29 Menschen evakuiert werden, zwei von ihnen wurden leicht verletzt. Alle standen plötzlich ohne Bleibe da. Betroffen war auch ein junges chinesisches Paar. Sie, Studentin an der Universität, er, Doktorand am Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Ihr ganzes Hab und Gut haben sie verloren: Pässe, Laptop, alles weg. Hilfe für die beiden kam nun vom ZI. Peter Kirsch, Abteilungsleiter der Klinischen Psychologie am ZI und Doktorvater des jungen Mannes, hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen.
Die beiden Chinesen wohnten im vierten Stock des Hauses direkt unter dem Dach. „Sie mussten das Gebäude fluchtartig verlassen und durften erst einmal nicht mehr in ihre Wohnung“, erzählt Kirsch. Die Mannheimer Feuerwehr rückte in dieser Nacht gegen 3.30 Uhr mit insgesamt 75 Einsatzkräften an. Trotz des Großeinsatzes stürzte der Dachstuhl ein. Es dauerte viele Stunden, bis letzte Glutnester unter dem eingestürzten Dachstuhl gelöscht waren. Der Rauch war weithin sichtbar. Am Mittag des 18. Dezember waren noch immer Hilfskräfte und Feuerwehrleute im Einsatz. Die Polizei beschlagnahmte und versiegelte das Gebäude damals, um Spuren zu sichern. Der Sachschaden wurde zunächst auf mehrere 100.000 Euro geschätzt. Mittlerweile geht die Polizei von einem Schaden im Millionen-Bereich aus. Eine Ursache für das Feuer stehe noch immer nicht fest, so ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen laufen weiter. „Das Gebäude ist gänzlich unbewohnbar, die Anwohner haben alle eine anderweitige Unterkunft gefunden“, heißt es weiter.
Rechnung für Räumung der Wohnung
Setzten sich für das chinesische Paar ein: Ellen Schmucker und Peter Kirsch.
Zunächst sei das Paar bei einer befreundeten Bekannten aus China in einem Mannheimer Wohnheim untergekommen, sagt Kirsch. Alle anderen betroffenen Bewohner des Hauses fanden damals ebenfalls übergangsweise eine Bleibe – bei Verwandten, Bekannten oder in einem Hotel. Doch jetzt braucht das Paar eine neue Wohnung. Darüber hinaus mussten sie für die Räumung der alten Wohnung und die Entsorgung des unbrauchbar gewordenen Hausrats die Kosten in Höhe von 1500 Euro selbst tragen. Kirsch startete auf Anregung von Kollegen eine Spendenaktion bei „GoFundMe“, damit die beiden zumindest diese Kosten nicht selbst tragen müssen. Etwas mehr als 2100 Euro seien schon zusammengekommen – Ziel laut Kirsch erreicht. Darüber hinaus hätten ZI-Mitarbeiter mit Sachspenden geholfen – darunter seien eine ganze Küchenausstattung und ein Fernseher. „Als bei uns intern eine Rundmail rausgegangen ist, hat es keine Stunde gedauert, bis die ersten Angebote gekommen sind“, sagt Kirsch.
Zurzeit ist das Paar auf Heimaturlaub in China, am 18. März will es nach Deutschland zurückkommen. „Weil die Pässe in der Wohnung waren, haben wir geholfen, bei der chinesischen Botschaft neue Dokumente zu beantragen“, erzählt Kirsch. Seinem Doktoranden sei es nicht leicht gefallen, überhaupt Hilfe anzunehmen. „Er selbst will auch nicht in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten. Das wäre ihm unangenehm.“ Kirschs Sekretärin bestätigt das. „Anfang Februar durften die beiden dann doch noch mal in ihre zerstörte Wohnung im Luzenberg. Ich habe sie gefahren“, berichtet Ellen Schmucker. Mit in die Wohnung sei sie aber nicht. „Unter Aufsicht einer Spezialfirma sind die beiden rein – mit Ganzkörperanzügen und Masken.“