Ludwigshafen Museumsreif

Sind Briefmarken bald nur noch Museumsstücke? Das fragt sich auch Joachim Bartsch von der Mutterstadter BSG.
Sind Briefmarken bald nur noch Museumsstücke? Das fragt sich auch Joachim Bartsch von der Mutterstadter BSG.

«Mutterstadt.» Damals hatten sie den Ruf, Frauen beeindrucken zu wollen, heute sind sie eine aussterbende Art: Briefmarkensammler. Sie finden keinen Nachwuchs und haben mit dem digitalen Wandel zu kämpfen. Dennoch trifft sich eine kleine Gruppe der Briefmarken-Sammler-Gemeinschaft (BSG) Mutterstadt regelmäßig zum Tauschen und Bewerten von Marken und Sammlungen. Ein Besuch.

Es ist etwas für Nostalgiker. Marken mit verschiedenen Motiven stecken in den Alben. Joachim Bartsch vom Verein hat mit 13 Jahren mit dem Sammeln begonnen. Der Rödersheim-Gronauer weiß noch, wie er die Marken am Anfang vorsichtig von den Briefen gelöst hat. Heute wird nur noch getauscht, denn die französischen Marken, die er sammelt, sind schon lange nicht mehr im Umlauf. Es fehlen meist die geringen Werte, also die Pfennig- und Cent-Wertmarken, die aber kaum zu bekommen sind. Gesammelt wird nach Themen wie Blumen, Gebäuden, bekannten Persönlichkeiten und nach den Markenwerten. Was früher wenige Pfennige kostete, ist heute kaum unter einem Euro zu haben, erklärt Bartsch. Das mache den Sammeleinstieg teuer. Die Kataloge, in denen die Marken abgebildet sind, und die Sammelalben haben ihren Preis. Diese Ausgaben, bevor überhaupt die erste Marke ins Album gesteckt werden kann, schreckten ab, sagt Bartsch. Daher lege der Verein zusammen, hat mehrere Kataloge, in denen die Mitglieder stöbern können. Doch die Jugend hat andere Interessen, erklärt der Sammler. Heute werde ja fast nur noch über E-Mail kommuniziert, Postkarten und Briefe kaum noch geschrieben. Außerdem bekommt man auf der Post kaum noch „sammelwürdige“ Briefmarken. Die meisten sind selbstklebend oder kommen gleich aus dem Automaten. Auch immer weniger Sammler finden den Weg zu den Tauschbörsen. „Man findet einfach nichts mehr“, sagt Joachim Bartsch. Kleine Überraschungen gibt es hin und wieder bei Flohmarktkäufen. In den für wenige Euro erstandenen Alben mit Massenware finden sich manchmal noch für die persönliche Sammlung fehlende Briefmarken. Doch als Wertanlage eigneten sie sich nicht mehr. „Das geht nur noch mit echten Raritäten, und die sind unbezahlbar“, sagt Wolfgang Orth aus Mannheim, auch BSG-Mitglied. Die Sammelgesellschaft sei einfach zu überaltert – die Altersspanne beim Mutterstadter Verein liegt zwischen 50 und 91 Jahren. Dabei hatten die Mutterstadter vor Jahren sogar eine Jugendgruppe, von der leider niemand geblieben sei, erzählt Orth. Briefmarkensammlungen eignen sich heutzutage auch nicht mehr, um die Mädchen aufs Zimmer zu locken. Aber auch damals hat der Spruch wohl nicht immer beeindruckt. „Meine Frau lacht heute noch darüber“, sagt Wolfgang Orth. 1958 gründete sich die Briefmarken-Sammler-Gemeinschaft und hat ein recht großes Einzugsgebiet: Ludwigshafen, Mannheim, Rödersheim, Bad Dürkheim, Feuchtwangen und Ansbach stehen in der Mitgliederliste. Einer kommt ein- bis zweimal im Jahr extra aus Frankfurt angefahren. Die meisten des von einst 200 auf 50 Mitglieder geschrumpften Vereins sind aber eher selten auf den regelmäßigen Tauschtreffen zu sehen. Trotz ihres Engagements vermuten die Herren, dass es in 20 Jahren keine Marken mehr gibt. Und mit ihnen werden auch die Sammler aussterben. In einer rein digitalen Welt hat der Briefmarkensammler von heute dann vielleicht nur noch Museumsreifes im Album. Der ideelle Wert bleibt aber. Noch Fragen? Vorsitzender der Briefmarken-Sammler-Gemeinschaft Mutterstadt ist Lothar Rudolph, Telefon 06234/7647. Das nächste Tauschtreffen ist am 25. März, 9.30 Uhr, im Mutterstadter Haus der Vereine , Saal 9, Schulstraße 8.

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