Ludwigshafen / Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Mr. Hochstraße“ zu Baustellen und Umleitungen: „Der Mai ist schwierig“ (mit Bildergalerie)

Gesamtleiter bei der Bauprojektgesellschaft (BPG) für das Hochstraßensystem: Eberhard Küssner. Er ist in Ludwigshafen geboren un
Gesamtleiter bei der Bauprojektgesellschaft (BPG) für das Hochstraßensystem: Eberhard Küssner. Er ist in Ludwigshafen geboren und lebt in Bad Dürkheim.

Chefingenieur Eberhard Küssner über die anstehenden Arbeiten am Nordkopf der Kurt-Schumacher-Brücke in Ludwigshafen und die Auswirkungen auf den Verkehr in der Region.

Herr Küssner, jetzt wird’s ernst am Nordbrückenkopf. Die „OP am offenen Herzen“, von der Sie im Vorfeld sprachen, beginnt. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die Operation gelingt?
Ab Mai beginnen tatsächlich die sehr intensiven Vorbereitungen. Dazu gehört vor allem, die große Verkehrsführung vorzubereiten, die ab August gilt. Es sind viele kleinere Arbeiten nötig, die wir eng geplant und mit den Baufirmen abgestimmt haben. Teilweise läuft das bereits. Natürlich kann bei alten Bauwerken immer etwas Unerwartetes auftauchen – wir müssen Bauwerke öffnen und an die neue Verkehrsführung anpassen. Aber die Planung ist solide, deshalb bin ich zuversichtlich.

Zentral ist zunächst der Bau der sogenannten Spange – eine Art Bypass um die künftige Megabaustelle. Wo liegen die Herausforderungen?
Die Spange ist die Auffahrt von Oppau/Hemshof auf die B44, also die Hochstraße Nord. Sie ist bisher einspurig. Während der Sperrung des Nordbrückenkopfs wollen wir sie in beide Richtungen befahren – allerdings nur für Pkw, weil Breite und Tragfähigkeit der Brücke das nur so zulassen. Dafür müssen wir die Brückenkappen anpassen sowie alles so vorbereiten, dass wir im August umschalten können.

Umschalten ist ein gutes Stichwort: Die Sanierung ist komplex, alles hängt mit allem zusammen. Wie schaffen Sie Transparenz, damit am Ende wirklich alle den Überblick behalten?
Gute und berechtigte Frage. Das zu koordinieren, ist nämlich schon für uns als Projektleiter, die im Thema drin sind, sehr anspruchsvoll. Für Außenstehende, Autofahrer, Pendler sowie Anwohner ist es erst recht schwierig, den Überblick zu behalten. Weil uns das bewusst ist, haben wir verschiedene Maßnahmen ergriffen. Auf der städtischen Homepage unter

ludwigshafen-diskutiert-karten.de zeigen wir beispielsweise monatsgenau alle Baustellen mit detaillierten Beschreibungen und grafischen Darstellungen. Man sieht, welche Fahrbeziehungen in welchem Monat gesperrt sind und wo Umleitungen nötig werden. Zudem gibt es monatliche Medienbriefings und kurze Erklärvideos zu Baustelleninfos, die wir rechtzeitig vor Sperrungen auf Social Media veröffentlichen. Wir tun also alles für maximale Transparenz, bitten aber auch alle Betroffenen, sich über die genannten Kanäle aktuell zu informieren. Das hilft garantiert.

Gegenüber der Rathausbaustelle wird aktuell die temporäre Rettungstrasse über das ehemalige Rathaus-Center-Gelände vorbeireitet.
Gegenüber der Rathausbaustelle wird aktuell die temporäre Rettungstrasse über das ehemalige Rathaus-Center-Gelände vorbeireitet.
Der Nordbrückenkopf wird ab August für vier Jahre zur Großbaustelle.
Der Nordbrückenkopf wird ab August für vier Jahre zur Großbaustelle.
Als der Rathausturm noch stand. Eberhard Küssner mit der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali.
Als der Rathausturm noch stand. Eberhard Küssner mit der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali.
Haben einen guten Draht zueinander: "Mr. Rathaus", Klaus Möller, zuständig für den Rückbau des Rathaus-Centers, und "Mr. Hochstr
Haben einen guten Draht zueinander: „Mr. Rathaus“, Klaus Möller, zuständig für den Rückbau des Rathaus-Centers, und „Mr. Hochstraße“, Eberhard Küssner.
Eberhard Küssner beim Hochstraßenforum in der Rhein-Galerie.
Eberhard Küssner beim Hochstraßenforum in der Rhein-Galerie.
Eberhard Küssner bei einem Ortstermin an der Westbrücke.
Eberhard Küssner bei einem Ortstermin an der Westbrücke.
Die mächtigen Pfeiler für die Westbrücke, im Hintergrund das ehemalige »Leoso«-Hotel am Hauptbahnhof.
Die mächtigen Pfeiler für die Westbrücke, im Hintergrund das ehemalige „Leoso“-Hotel am Hauptbahnhof.
Der Würfelbunker wird bis Jahresende abgerissen.
Der Würfelbunker wird bis Jahresende abgerissen.

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Vor allem Sie als Verantwortlicher sind logischerweise ganz tief im Thema drin. Träumen Sie manchmal von Auf- und Abfahrten der künftigen Helmut-Kohl-Allee und der Hochstraßen?
(lacht) Ja, natürlich. Es sind aber nicht nur Albträume. Das beschäftigt nicht nur mich, sondern das ganze Team. Wir sind jetzt in einer extrem intensiven Phase angekommen. Unsere Aufgabe ist nicht nur, das Projekt umzusetzen, sondern die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten. Was das Ganze erschwert: Anders als auf der sogenannten Grünen Wiese bauen wir mitten in der Stadt. Wir müssen daher die Beeinträchtigungen minimieren, die Menschen mitnehmen, Verständnis schaffen und zugleich im Zeitplan bleiben. Das ist nicht einfach. Aber wir werden das hinkriegen, davon bin ich überzeugt.

Warum ist der Mai ein besonders heikler Monat?
Das große Umleitungskonzept greift ja erst ab August mit der Inbetriebnahme der Spange. Der Mai ist tatsächlich schwierig: Ab Anfang bis Mitte des Monats sperren wir die Auffahrt Yorckstraße auf die Konrad-Adenauer-Brücke, um die neue Straßenbahnkurve, die sogenannte Bleichstraßenkurve, vorzubereiten. Gleichzeitig ist die Auffahrt Saarlandstraße auf die B37 noch nicht geöffnet. Das bedeutet, dass über zwei Wochen kein Auto und kein Laster von Ludwigshafen über die Konrad-Adenauer-Brücke fahren kann. Für Fußgänger und Radfahrer bleibt die Konrad Adenauer Brücke jedoch geöffnet. Ab Mitte Mai wird die Auffahrt Yorckstraße wieder geöffnet, ebenso der erste Teil der neuen Brücke der B37/Hochstraße Süd in Fahrtrichtung Bad Dürkheim, sodass man von Mannheim bis zur Abfahrt Heinigstraße fahren kann. Ende Mai, spätestens Anfang Juni, folgt die Auffahrt Saarlandstraße, sodass der Ersatzbau der Pilzhochstraße wieder für den Verkehr freigegeben wird. Sukzessive wird es besser, bis im Juli die gesamte Hochstraße Süd wieder für den Verkehr bereitsteht.

Wie sicher ist der Juli-Termin für die Öffnung der neuen Hochstraße Süd?
Ich gehe fest davon aus. Vielleicht sind nicht alle Arbeiten zu 100 Prozent abgeschlossen, aber entscheidend ist, dass wir Fahrbeziehungen anbieten: von Mannheim über die B37 nach Bad Dürkheim und umgekehrt. Notfalls zunächst einspurig und mit Restarbeiten nebenan. Wir müssen die B37 im Juli öffnen – und wir werden das schaffen. Dafür arbeiten wir sehr hart.

Insbesondere Pendler fürchten ab August ein Verkehrschaos. Können Sie Ihnen diese Sorge nehmen?
Seit 2019 ist die B37, also die Hochstraße Süd, gesperrt, der Verkehr nach Mannheim läuft seitdem nur über die Hochstraße Nord (B44) – das sorgt maßgeblich für den morgendlichen Stau. Wenn wir im August den Nordbrückenkopf sperren, haben wir im Prinzip die gleiche Situation – nur gespiegelt. Die B37 ist dann wieder offen, wie vor 2019. Die Kurt-Schumacher-Brücke Richtung Mannheim wird gesperrt, aber wir haben Verkehr, der in die Ludwigshafener Innenstadt oder über die Spange Richtung Oggersheim fährt. Dadurch wird die B37 sogar etwas weniger belastet sein als die B44 derzeit, weil der Verkehr aufgeteilt wird.

Gegenüber der Rathausbaustelle sind bereits Planierarbeiten zu sehen. Entstehen dort schon Elemente der künftigen Helmut-Kohl-Allee?
Nein. Wir bauen dort aktuell die temporäre Rettungstrasse über das ehemalige Rathaus-Center-Gelände – von der Rheinuferstraße bis zur Haveringallee. Diese Trasse wird neu angelegt und asphaltiert. Betoniert wird dort nicht, die Trasse wird aufgeschüttet.

Auch die Westbrücke wächst sichtbar. Mit einer Gesamtlänge von 445 Metern soll sie den Verkehr über das nördliche Gleisfeld des Hauptbahnhofs führen und in der Zukunft die A650 mit der Helmut-Kohl-Allee verbinden. Wie ist der Sachstand?
Die meisten Pfeiler sind fertig. Auf der Seite am Hauptbahnhof sieht man den großen Raupenkran, der bereits beim ersten Bauabschnitt im Einsatz war. Anfang Mai heben wir die nächsten Stahlhohlkästen ein. Damit ist der Überbau über den Gleisen weitgehend aufgelegt. Bis Ende des Jahres wird das östliche Widerlager an der Pasadenaallee fertig und die restlichen Hohlkästen werden montiert. Im kommenden Jahr bauen wir die Fahrbahnplatte auf den Hohlkästen.

Sie brechen für eine kurze Auszeit mit dem Wohnmobil in die Bretagne auf. Mit welchem Gefühl fahren Sie in den Urlaub?
Ich bin absolut urlaubsreif und freue mich sehr darauf. Ein Teil meiner Gedanken bleibt natürlich hier in Ludwigshafen – die nächsten Wochen sind herausfordernd. Aber wir haben alles gut vorbereitet und starke Teams, die das im Griff haben. Das läuft jetzt geschmeidig.

Auf einen Nenner gebracht. Wie würden Sie die aktuelle Lage beschreiben?
Es läuft planmäßig. Wir sind im Zeit- und im Kostenplan. Es gibt immer mal wieder kleinere „Hagelschläge“, die uns unerwartet treffen, aber das gehört zum Tagesgeschäft. Das ist bei einem Milliardenprojekt dieses Ausmaßes sozusagen eingepreist. Wir schließen die vorbereitenden Maßnahmen jetzt ab, damit wir im August mit dem schrittweisen Abriss am Nordbrückenkopf beginnen können. Darauf bin ich stolz.

Vorher müssen noch einige Hürden überwunden, beziehungsweise ganz konkret aus dem Weg geräumt werden: Wann wird der Würfelbunker verschwunden sein?
Bis Ende des Jahres. Danach werden auch die umstehenden Brückenteile abgerissen.

Der Bunker mit dem Stadtwappen steht an prominenter Stelle und ist zu einem Markenzeichen der Stadt geworden. Werden Sie ihn vermissen?
Ich schaue nach vorn. Die neue Trasse ist ein großer Gewinn für Ludwigshafen, wie auch das entlang der Kohl-Allee entstehende Stadtquartier „City West“. Darauf freue ich mich.

Zur Person

Eberhard Küssner ist der Gesamtprojektleiter für das Hochstraßensystem bei der verantwortlichen Bauprojektgesellschaft (BPG). Der 56-Jährige ist in Ludwigshafen geboren und hat in Darmstadt Bauingenieurwesen studiert. Der Diplom-Bauingenieur ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Bad Dürkheim.

Mehr zu den Hochstraßen, der Helmut-Kohl-Allee, Sperrungen sowie Baustellen erfahren Sie in unserem Live-Blog.

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