Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Mozartschule: Kopfschütteln über Kosten für Container

Wegen steigender Schülerzahlen in Rheingönheim muss die Mozartschule dringend erweitert werden.
Wegen steigender Schülerzahlen in Rheingönheim muss die Mozartschule dringend erweitert werden.

In Rheingönheim herrscht große Unzufriedenheit mit der Situation an der Mozartschule. Denn die Grundschule platzt schon seit Langem aus allen Nähten. Mietcontainer sollen die Engpässe für einige Jahre entschärfen. Die Kosten für das Provisorium sorgen in dem südlichen Stadtteil für große Skepsis.

Immer wieder hat die Mozartschule in der Hilgundstraße in den vergangenen Jahren den Ortsbeirat Rheingönheim beschäftigt. Denn die Bürgervertreter wünschen sich für die vielen Familien mit Kindern in ihrem Stadtteil eine moderne, gut ausgestattete Grundschule, die den Bedürfnissen von Eltern und Schülern gerecht wird – so wie es Politiker in Bund und Land seit vielen Jahren auch versprechen. Aber davon kann an der Mozartschule keine Rede sein. Daher hatte zuletzt die Fraktionsgemeinschaft von CDU und Grünen im Ortsbeirat einmal mehr eine Anfrage an die Verwaltung zum Dauerthema Mozartschule formuliert.

„Unserer Meinung nach ist der ganze Prozess zu wenig transparent, und da wir hier von nicht unerheblichen Kosten und schlussendlich Steuergeldern sprechen, erwarten wir von der Stadtverwaltung eine detailliertere und nachvollziehbare Erörterung von Planungs- und Entscheidungsprozessen“, forderten Christdemokraten und Grüne und stellten insgesamt sieben Fragen. Zum Beispiel zu den Planungs- und Ingenieurkosten, Ausschreibungen und langfristigen Kosten für die Miete der Container.

60.000 Euro für Architekten

Die Antworten der Verwaltung sorgten bei allen Fraktionen im Ortsbeirat für ungläubiges Staunen und Kopfschütteln. Die Planungs- und Ingenieurkosten belaufen sich nach Angaben aus dem Rathaus auf 60.000 Euro für Architektenleistungen und 30.000 Euro für die Fachingenieure. Die Container sollen der Verwaltung zufolge für fünf Jahre angemietet werden. Der Kauf der mobilen Räume wäre demnach doppelt so teuer wie die Miete. „Hier wurden Anfragen an diverse Anbieter durchgeführt“, sagt die Verwaltung.

Die Fraktionsgemeinschaft erkundigte sich auch nach einem Kostenplan für die kommenden zehn Jahre im Vergleich zu einem Schulneubau an einem anderen Standort. Denn die Container werden nur befristet gemietet. Auf diese Frage gab es jedoch gar keine Antwort aus dem Rathaus.

2,1 Millionen Euro für fünf Jahre

Zur Erinnerung: Im September hat sich der Bauausschuss mit dem Thema befasst. Knapp 2,1 Millionen Euro soll der für fünf Jahre gemietete Pavillon laut Stadt kosten.

Weil die Anzahl der Schüler zunimmt, braucht die Grundschule in der Hilgundstraße zum Schuljahr 2022/2023 vier zusätzliche Klassenräume. Eine dauerhafte und langfristige Lösung gibt es für den zusätzlichen Raumbedarf nicht. Zunächst war laut Stadt mit der Aufsichtsdirektion ADD eine vierzügige Grundschule abgestimmt worden. Da aber nach dem Veto des Ortsbeirates noch unklar ist, ob weitere Neubaugebiete in Rheingönheim entstehen werden und wie groß die Grundschule dann letztendlich sein muss, könne noch keine Planung und Realisierung einer dauerhaften Erweiterung der Grundschule erfolgen, hatte die Verwaltung vor einigen Wochen erläutert. Der Ortsbeirat hatte weiteren Neubaugebieten auch eine Absage erteilt, weil die Infrastruktur in dem Dorf mit rund 8200 Einwohnern dafür nicht ausgelegt ist.

Gerätehaus muss weichen

Der Pavillon an der Mozartschule soll zweigeschossig und in Modulbauweise errichtet werden. Er soll einen Klassenraum, eine Bibliothek, zwei Räume für die Betreuende Grundschule und ein Lehrerzimmer bieten. Errichtet werden soll der Bau auf dem Schulhof zwischen dem alten Schulgebäude und dem Erweiterungsbau an der Schulhof-Ecke. Dazu muss ein Gerätehaus abgerissen werden.

Der Bau ist für die Zeit zwischen März und August 2022 geplant, die Inbetriebnahme für September 2022. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen außerdem am schon bestehenden Erweiterungsbau der Mozartschule für 600.000 Euro neue Fenster und ein Sonnenschutz eingebaut werden.

Kommentar: Was kommt in fünf Jahren?

Rheingönheim ist ein bei Familien beliebter Stadtteil. Die ÖPNV-Anbindung ist gut, es gibt viele Einfamilienhäuser und jede Menge Grün. Ein schönes Dorf am Rand der Großstadt. Ein perfekter Standort für junge Leute mit Kindern. Die Stadtverwaltung würde hier gerne weitere Neubaugebiete ausweisen, weil die Nachfrage so groß ist und Flächen vorhanden sind. Daher ist es in Rheingönheim auch nicht zu erwarten, dass es dort schon in wenigen Jahren deutlich weniger Kinder im Kita- und Grundschulalter geben wird. Im Gegenteil. Warum die Verwaltung sich bei der dringend nötigen Erweiterung der Mozartschule für eine zeitlich befristete Variante mit kostspieligen Mietcontainern entschieden hat, ist daher rätselhaft. Was kommt in fünf Jahren?

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