Ludwigshafen
Moin Moin Eddie! So kehrt der vermisste Kater von Ludwigshafen nach Hamburg zurück
In Hamburg wartete Hermann Friedemann am Dienstag bereits sehnsüchtig auf einen alten Bekannten: seinen Kater Eddie. 18 Monate lang hatte er nichts mehr von dem schwarz-weißen Mäusefänger gesehen oder gehört – so lange, dass Friedemann längst nicht mehr an ein Wiedersehen glaubte. „Wir haben nicht mehr damit gerechnet, noch einmal von ihm zu hören“, sagt der Hafenmeister und Werftchef des Yachthafen-Harburg. Denn Eddie ist kein Jungspund mehr. Der 15 Jahre alte Kater war vor 18 Monaten verschwunden – und am Freitag wieder aufgetaucht. 500 Kilometer von zuhause entfernt in der Pfalz.
Genauer gesagt am Goerdeler Platz im Ludwigshafener Hemshof. Da wurde der Kater von der Feuerwehr aufgegriffen, die ihn zu Tierarzt Rainer Metz brachte. Eine Fundkatze ist für den Veterinärmediziner nichts Besonderes. Ein Gast, der so eine lange Strecke hinter sich gebracht hat dagegen umso mehr. Denn beim Auslesen des Chips stellte sich heraus: das Tier war eigentlich ein Nordlicht.
Topfit, trotz Alter und Abenteuer
Noch etwas stellte Metz bei der Untersuchung mit Erstaunen fest: der weit gereiste Kater war erstaunlich fit. Auch eine große Blutuntersuchung ergab keine größeren Beschwerden. Aber Hunger hatte der Kater. „Er hat erst einmal ganz viel gefressen“, sagt Metz. Ansonsten sei der auf sich allein gestellte Kater aber wohl gut über die Runden gekommen. Metz überbrachte dem überraschten Besitzer also die gute Nachricht. Und plötzlich stand die nächste Frage im Raum: Wie kommt Eddie zurück nach Hamburg?
Zu Hilfe kam ihnen der Zufall. „Meine Tochter lebt in Hamburg“, erzählt Metz. An diesem Wochenende war sie auf Heimatbesuch in der Pfalz. Am Dienstag wollte sie wieder nach Hause fahren. Und kurzerhand schloss sich Metz’ Frau Edith an. Gemeinsam nahmen sie Eddie in einer schwarzen Transportbox mit in den Zug. „Sie waren schon besorgt, wie der Kater die lange Fahrt übersteht“, sagt Metz. Doch das habe sich als unbegründet erwiesen: „Der kleine Kater verhielt sich vorbildlich.“
Reiseroute bleibt ein Rätsel
Aber wie ist er eigentlich in der Pfalz gelandet? Das bleibt wohl ein Rätsel. Ein GPS-Tracker habe bei seinem Verschwinden noch gezeigt, dass Eddie auf ein Schiff gelangt war und in den Hamburger Hafen fuhr, teilt der Ludwigshafener Tierschutzverein mit. Vielleicht steckt also auch in ihm ein Seemann, wie in seinem Besitzer. Im Hafen verlor sich die Spur. Was danach passiert ist, ob er die Strecke zu Fuß hinter sich gebracht und sich durch die Wildnis gekämpft hat, ob ihn jemand mitgenommen hat – man kann nur raten.
Die Rückfahrt dagegen war genau geplant – und vermutlich deutlich kürzer: Nach mehrstündiger Zugfahrt gelangten Eddie und seine Entourage nach Hamburg, wo sie von Hafenmeister Friedemann in Empfang genommen wurden. „Er ist noch ganz derselbe, als wäre er gestern erst verschwunden“, sagt Friedemann. Natürlich sei der Kater nach der langen Fahrt erst einmal zurückhaltend und ruhig gewesen, habe sich in seiner Box versteckt. Doch inzwischen lebe er sich wieder ein – und sobald jemand seinen Raum betritt, miaut er glücklich.
Im Hafen gehört Eddie zum Personal
Vor seinem Verschwinden war Eddie der Kammerjäger im Yachthafen Hamburg-Harburg und hielt das Gelände von Mäusen frei. Darauf weist die Webseite des Hafens hin. Zusammen mit Wachpersonal Jack – einem weißen Schweizer Schäferhund – bildete er ein „klasse Team“. Als er weg war, hätten sie sich natürlich überlegt, eine neue Katze anzuschaffen, sagt Friedemann. „Aber in der Nachbarschaft gibt es einige Katzen. Es war also nicht unsere größte Priorität.“ Deswegen sei er bisher auch nicht ersetzt worden.
Friedemann bedankt sich ausdrücklich bei dem Tierarzt und dessen Familie für ihren Einsatz. „So viel auf sich zu nehmen, ist einmalig.“ Und er betont: Ohne das Melderegister wäre Eddie wohl nie wieder aufgetaucht. Auch der Tierschutzverein Ludwigshafen betont die Bedeutung des Chippens und Registrierens von Haustieren. In Ludwigshafen ist dies für freilaufende Katzen ohnehin vorgeschrieben. Für Eddie jedenfalls ist das Abenteuer vorbei. Nach 18 Monaten ist der alte Mäusefänger wieder zu Hause.