Ludwigshafen Mit Ehrgeiz und einem festen Willen

Mit dem Offenen Kanal (OK) Ludwigshafen und dem ZDF haben sich ein ganz Kleiner und einer der ganz Großen zusammengetan, um die inklusive Ausbildung von Laura Popic voranzutreiben. Die 21-Jährige will Mediengestalterin Bild/Ton werden und war mutig genug, für ein Praktikum beim ZDF anzuklopfen. Das hat sich für sie gelohnt.

Die Kooperation der Sender kam zustande, nachdem Popic, eine hörgeschädigte Auszubildende des OK, sich beim ZDF beworben hatte. Sie ist im zweiten Lehrjahr zur Mediengestalterin Bild/Ton. Die Berufswahl ist mit einer Hörschädigung eine besondere Herausforderung. Beim ZDF stieß Popic bei Magnus Schmitt, Ausbildungsmeister der produktionstechnischen Berufe, dennoch auf offene Ohren. „Eigentlich sind bei uns volle Seh- und Hörfähigkeit Einstellungsvoraussetzungen, aber wir sahen eine Chance darin, Erfahrungen mit Hörschädigung im Bereich Mediengestaltung zu machen“, erzählt er. Es bewerben sich jedes Jahr mehr als 100.000 Praktikanten beim ZDF. Laura hat einen Platz ergattert – und nicht nur das: Sie durfte auch an einem dreiwöchigen Kompaktlehrgang zum Thema Kamera teilnehmen. „Das war alles sehr interessant für mich, und ich habe wahnsinnig viel gelernt“, berichtet die 21-Jährige. Bei den regelmäßig während der Ausbildung stattfindenden Workshops hatten Popic und ihre Kollegen einen großen kreativen Spielraum. So entstand in der Zeit ein kleiner Film. Vom Exposé über die Darstellersuche, das Storyboard, den Drehplan, die Ausleuchtung, die Kameraführung bis zum Schnitt haben sich die Auszubildenden die Aufgaben aufgeteilt und sie allein bewältigt. „Dabei haben sie es sich nicht leicht gemacht“, berichtet Schmitt. Die Gruppe um Popic habe nämlich keine HD-Kamera gewählt, sondern eine anspruchsvolle digitale Spiegelreflexkamera, die eine besondere Tiefenwirkung erzielt. Ihre Teamkollegen kannte Popic schon vorher, denn alle Mediengestalter in Rheinland-Pfalz gehen in die gleiche Berufsschule in Mainz. „Das selbstständige Arbeiten hat mir viel Spaß gemacht, ich war zuständig für die Filmklappe, die Schnittliste, die Lichteinstellungen und habe die Kamerapositionen gecheckt“, erzählt die 21-Jährige. Der Kurzfilm mit dem Titel „Spätprogramm“, an dem sie beteiligt war, läuft auf dem OK immer wieder – etwa heute um 17.35 Uhr. „Es hat uns allen Freude bereitet zu erleben, wie wohl sich Laura bei uns fühlt“, hebt der Ausbildungsmeister des ZDF hervor. Auch ihr Chef Wolfgang Ressmann, Leiter des OK, ist von der Zusammenarbeit und dem Ergebnis angetan. „Werden bei uns die Auszubildenden schon zu Beginn ins kalte Wasser geworfen, so ist die Herangehensweise eines großen Senders natürlich anders. Laura hat davon profitieren können“, meint er. Die selbstbewusste junge Frau hat ihre Zeit beim ZDF gut genutzt und ihr Berufswunsch hat sich dadurch gefestigt. „Ich hatte schon immer den Ehrgeiz und den Willen, etwas zu schaffen, was mir andere vielleicht nicht zutrauen“, erzählt sie. Dass das funktionieren kann, beweist sie bei ihrer Ausbildung seit zwei Jahren. „Da ich die Nebengeräusche nicht so gut hören kann, konzentriere ich mich bei meiner Arbeit mehr auf das Bild“, erklärt sie. Diese visuelle Herangehensweise faszinierte Magnus Schmitt vom ZDF. Er könnte sich durchaus vorstellen, auch andere Menschen mit Beeinträchtigungen in die Workshops zu integrieren. „Wer, wenn nicht wir als öffentlich–rechtlicher Sender, hat die Aufgabe, Inklusion mit Leben zu füllen?“ Und was kommt für Popic als Nächstes? „Zuerst darf ich noch mal zum ZDF in den Workshop zum Thema Bildmischer, dann will ich die Zwischenprüfung bestehen und im Sommer in die Sendung Fernsehgarten gehen, um mal zu schauen, wie dort die Kameras positioniert sind“, erzählt sie lächelnd.

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