Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Volkmer: Preis und Ausstellung für Künstler

Kunstobjekte aus Wohlstandsmüll: Michael Volkmer in seiner jüngsten Ausstellung in Mannheim.
Kunstobjekte aus Wohlstandsmüll: Michael Volkmer in seiner jüngsten Ausstellung in Mannheim.

Der Ludwigshafener Künstler Michael Volkmer bekommt den ersten „Mannheimer Midcareer Award für Bildende Kunst“. Die Galerie Port 25 widmet ihm eine wunderbare Ausstellung.

Jahrzehntelang waren Taxis in der Bundesrepublik Deutschland in der Farbe Hellelfenbein lackiert, RAL 1015 heißt der Farbton offiziell. In Zukunft wird man sich an rote, blaue, grüne und wahrscheinlich viele schwarze Taxis gewöhnen müssen. Denn immer mehr Bundesländer geben den Taxiunternehmen Freiheit in der Farbwahl – auch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.

In Michael Volkmers Kunst kann man dem Farbton weiter begegnen, RAL 1015 ist seine „signature colour“, neutral, unemotional, wertfrei. Die Farbe zieht keine Aufmerksamkeit auf sich, die Form dominiert. Wie bei einer überdimensional großen Arbeit, die eine Wand im Port 25 – Raum für Gegenwartskunst ziert. Es ist eine sakral anmutende, von innen beleuchtete Rosette aus verschiedenen ornamentalen Mustern. Wer näher kommt und genauer hinschaut, erkennt, dass es sich beim Ausgangsmaterial um Radkappen handelt, korrekt: um Radzierblenden von Autos, lange zusammengesammelt in Volkmers Atelier in Winnweiler.

Pfalzpreis für Bildende Kunst 2024

1966 in Ludwigshafen geboren, hat Michael Volkmer viele Jahre im benachbarten Neuhofen gelebt und gearbeitet. Nach einem verheerenden Atelierbrand 2007 fand er für ein Jahrzehnt im Alten Rathaus des Ortes ein Zuhause. Inzwischen leben und arbeiten seine Frau, die Künstlerin Stefanie Buffy Werner, und er schon lange im Donnersbergkreis.

Michael Volkmer ist mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt 2024 mit dem Pfalzpreis für Bildende Kunst. Der mit 10.000 Euro dotierte Mannheimer Midcareer Award soll eine Unterstützung und Wertschätzung für Künstlerinnen und Künstler ausdrücken, „die kontinuierlich in der Region arbeiten und sich weiterentwickeln“, sagt die Leiterin des städtischen Kulturamts, Ewa Wojciechowska. Von der Kunst zu leben, sei ohnehin schwierig. „Und ab einem gewissen Alter will man sein Atelier auch heizen können“, ergänzt Volkmer mit verschmitztem Lächeln.

Viele Spuren hinterlassen

Mit seinen Arbeiten hat er in Mannheim, Ludwigshafen und darüber hinaus viele Spuren hinterlassen. Da ist sein Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisation im Nationalsozialismus, das an immer wieder anderen Orten aufgestellt wird. Da waren, zum Beispiel, 2002 die Daily-Soap „Krankenhausreif: Klinikum Lu-Mitte, die Soap zur Kunst“ und 2002 und 2024 die „Lutopia“-Filme.

Videoarbeiten sind in der aktuellen Ausstellung nicht zu sehen, die entstehen nur im Kollektiv superart.tv mit Eric Carstensen. Die Schau im Port 25 zeigt in einer sehr ruhigen, unaufgeregten Stimmung große skulpturale Arbeiten,

Wie die Pyramide „The spirits I summoned“, gebaut aus leeren Spirituosen-Flaschen, die wieder in RAL 1015 lackiert worden sind. Volkmer arbeitet sehr gerne mit Fundstücken. Der Müll der Überflussgesellschaft bekommt bei ihm noch einmal eine neue Funktion. Eine Bodenskulptur besteht aus mit Gips eingegossenen und – diesmal schwarz – bemalten Plastikverpackungen. Die Besucher der Eröffnung sind eingeladen, darüber zu laufen und die weiße Farbe zum Vorschein kommen zu lassen. So fragil ist das alles und so immer wieder anders.

Die Ausstellung

Bis Sonntag, 9. November, im Port 25 – Raum für Gegenwartskunst, Hafenstraße 25-27, Mannheim. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11-18 Uhr.

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