Ludwigshafen „Melonen hier sind größer“

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Radiostationen geben Staumeldungen schnell durch, damit Autofahrer frühzeitig dem Gedränge auf den Straßen ausweichen können. Es gibt aber auch Leute, die fahren wissentlich in einen Stau. Wie zum Beispiel die Kunden des Dogan Mega-Centers in Ludwigshafen. Das türkische Lebensmittelgeschäft befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Aldi-Filiale in der Industriestraße am Rande Friesenheims. Samstags ist dort der große Parkplatz vor dem Markt dicht, der Verkehr staut sich manchmal bis auf die Industriestraße. So groß ist der Andrang der Kunden. Lutelli Renzi aus Ludwigshafen ist einer von ihnen. Der Italiener sagt: „Heute habe ich nur eine Wassermelone gekauft. Hier gibt es ein paar Artikel, die es sonst nirgends gibt. So große Wassermelonen haben Aldi oder Lidl nicht.“ Auch Hürriyet Kart (41) ist an diesem Samstag mit Frau Yasemin und Tochter Tuana gekommen. Die türkische Familie aus Ludwigshafen hat Hülsenfrüchte, Fleisch und Sachen gekauft, die sie für den Ramadan braucht. Auf die Frage, warum sie gerade dieses Geschäft bevorzugen, antwortet Hürriyet Kart: „Hier ist es sauber, die Preise sind okay. Ich komme immer hierher.“ Ein paar Meter weiter hat der Palästinenser Ihab (29) seinen Wagen geparkt. Er und seine marokkanische Frau Loubna sind mit Sohn Mohammed da. Die Familie gehört zur multikulturellen Stammkundschaft des Supermarkts: „Wir kommen zweimal im Monat her. Der Laden ist gut organisiert, auf deutsche Art und Weise. Das Personal beantwortet alle Fragen, und an der Kasse läuft’s gut.“ Verantwortlich für diese Struktur im Laden und den Andrang ist Hasan Dogan. Er hat das Dogan Mega-Center vor zehn Jahren eröffnet. Davor hatten er und seine Familie ein kleineres Geschäft in der Prinzregentenstraße im Hemshof, das immer noch besteht. Als jedoch 2006 Aldi seine alte Filiale in der Industriestraße aufgab und der Konzern die Immobilie nicht vermieten, sondern verkaufen wollte, entschloss sich Hasan Dogan, die Filiale zu übernehmen. Er investierte in das Gebäude und eröffnete seinen Supermarkt, der neben Obst und Gemüse auch Fleisch verkauft. Die Kundschaft ist international, es kommen aber auch viele Deutsche. Das Geschäft brummt seitdem. Im vorigen Jahr errichtete Dogan einen Anbau mit Bäckerei und einem Bekleidungsgeschäft. Rund eine Million Euro hat Dogan in den Standort investiert. Vor allem die Fleischabteilung zieht viele Kunden an. Es gibt Lamm, Hähnchen oder Rind – alles halal, also für Muslime zum Verzehr geeignet. Der Iraker Mahmud Muhammed (49) ist mit Frau Hüda (41) und Tochter Ruba aus Mannheim zum Einkaufen gekommen: „Das Lammfleisch ist hier halal, dazu noch billig und lecker.“ Für den Kroaten Josip Zecevic (45) spielt die Halal-Frage beim Fleischkauf keine Rolle. Er findet die Qualität und die Preise in Ordnung. Deshalb komme er regelmäßig. Auch Johann Dobner (80) und Maria Dobner (78), Deutschstämmige aus Rumänien, sagen: „Es gibt viele gute Sachen hier. Wir müssen nämlich aufpassen, wie wir unser knappes Geld ausgeben.“ Im Laden fallen große Verpackungen auf. Es gibt Tee oder Reis in Riesenportionen. Großfamilien werden hier fündig. Und man kann auf Vorrat kaufen. Auf den ersten Blick scheint es auch so, als ob es im Vergleich zu anderen Supermärkten weniger Tiefkühlfertigprodukte gibt. Die Obst- und Gemüseabteilung scheint größer. Das weiß auch eine deutsch-polnische Familie zu schätzen: Robert Mrosch (42) schiebt mit Lebensgefährtin Viktoria seinen Einkaufswagen durch den Markt. Er sagt: „Auswahl und Preise sind gut.“ Auch Supermarktchef Hasan Dogan ist von der Fleisch-Abteilung seines Geschäfts überzeugt. Die Zahlen scheinen ihn zu bestätigen. Dogan erzählt stolz: „Wir verkaufen jede Woche Fleisch von 120 Lämmern. Dazu verkaufen wir wöchentlich fünf Tonnen Fleisch anderer Tiere.“ Der 47-Jährige setzt auf regionale Produkte: „Das Fleisch vieler anderer Geschäfte kommt aus Irland. Bis es den Kunden im Laden angeboten wird, können Wochen vergehen. Wir dagegen können Fleisch, das erst gestern geschlachtet wurde, ganz frisch unseren Kunden anbieten.“ Ein weiterer Grund, mit dem der internationale Supermarkt punkten kann: der große Parkplatz. Mehmet Yildiz (44) aus Mannheim, der mit Frau Ümmiye und Sohn Yasin gekommen ist, erzählt: „Ich komme fast jede Woche hierher. Bei vielen Geschäften in Mannheim gibt es Parkprobleme. Hier nicht.“ Landsmann Hürriyet Kart fügt lachend an: „Außer samstags.“ Um dem samstäglichen Andrang in geordnete Bahnen zu lenken, betätigen sich die Mitarbeiter des Dogan Mega-Centers auch mal als Verkehrspolizisten. Sie sorgen dafür, dass Autos auf den Parkplatz ein- und ausfahren können. Möglichst ohne Stau.

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