Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Medaillen, Kameradschaft und mehrere Umzüge: Schützengesellschaft 1851 feiert 175. Jubiläum

Oberschützenmeister Peter Ries und Schützenmeisterin Silke Moller bilden die Doppelspitze des Vorstands der Schützengesellschaft
Oberschützenmeister Peter Ries und Schützenmeisterin Silke Moller bilden die Doppelspitze des Vorstands der Schützengesellschaft 1851 Ludwigshafen.

Die Schützengesellschaft 1851 Ludwigshafen feiert 175. Jubiläum. Wie an der ehemaligen Fasanerie ein Verein mit Übungsstandort für Jäger und Sportschützen gewachsen ist.

Gefühlt jede Form des Schießens kann auf dem 60.000 Quadratmeter großen Gelände südlich von Oggersheim geübt oder trainiert werden. Bereits morgens treffen sich die ersten Schützen, um ihrem Hobby nachzugehen. In einem fast versteckten Bereich des Geländes findet sich ein Erdwall mit einer Anlage, an der das Rollhasenschießen trainiert wird. Echte Hasen ziehen hier allerdings nicht ihre Bahnen, vielmehr sind es rollende Tonscheiben, die mittels Wurfmaschine einen fliehenden Hasen simulieren. Es ist der Bereich, in dem sowohl Jäger als auch Sportschützen trainieren. 15 Meter weiter sind es rollende Keiler, die auf Scheiben in 50 Metern Entfernung abgebildet das Ziel darstellen.

Eher nostalgisch geht es am Schießstand der sogenannten Vorderlader zu. Vereinsmitglied Klaus Staßen holt eine Winchester 1873 aus dem Transportkoffer, sie wurde ursprünglich für Schwarzpulver-Patronen entwickelt – sicher ein Begriff für Westernliebhaber. „Alles, was nach 1900 kam, ist moderner Kram“, findet Schütze Bernd Bruchmann. „Es hat rund 25 Jahre gedauert, bis sich Waffen mit Patronen aus rauchlosem Pulver durchgesetzt haben“, erklärt er. Markus Lauensbach trainiert für den nächsten Wettbewerb. Er benutzt eine sogenannte Selbstladebüchse. An der Anlage geht es kameradschaftlich zu, man hilft sich gegenseitig, sofern der Gehörschutz abgenommen ist.

2012 Weltrekord im Vorladerschießen

In einer großen Halle findet das Ostereierschießen statt. „Das hat im Verein eine lange Tradition“, blickt der Erste Vorsitzende Peter Ries zurück. 50 Stände, an denen auf zehn Meter Distanz geschossen wird, reihen sich hier aneinander. Einige sind bereits mit elektronischer Trefferanzeige ausgestattet, die Übertragung der Ergebnisse an einen digitalen Rechner ist möglich.

„Nach wie vor sind wir Zentrum beim Vorderladerschießen“, berichtet Ries. Der Verein habe bereits Welt- und Europameister hervorgebracht, dazu etliche Deutsche Meister, resümiert er. Jürgen Dosch holte mehrere Medaillen bei internationalen Meisterschaften in verschiedenen Vorderlader-Disziplinen. Karl L. Hammann kann sogar einen Weltrekord im Jahr 2012 aufweisen, dazu zahlreiche weitere internationale Titel.

„Viele anerkannte Schießsportverbände sind unter diesem Dach vereint“, weiß Ries, der gleichzeitig Oberschützenmeister ist. Die Aufgaben der Vorstandsspitze teilt er sich mit Silke Moller, die damit erste Schützenmeisterin des Vereins ist. Genau wie Ries ist sie dem Sport schon lange verbunden. Beim Rundgang über das Gelände zeigt Ries eine Grillhütte, schließlich soll auch gemeinsam gefeiert werden.

Stark besetzte Jugendabteilung

„Hermann Dietrich, inzwischen verstorben, hatte federführend die Planung der gesamten Schießanlage und des Anbaus an der Geschäftsstelle“, betont Ries. Er war später als Oberschützenmeister mit der Führung des Vereins betraut. Schmerzlich wird auch Fritz Romeis vermisst, auch er verstarb zu früh. Er sei als Geländewart und zu allen Schießzeiten im Büro und auf dem Gelände präsent gewesen.

Vom benachbarten Wirtschaftsweg aus können Radfahrer die Bogenschützen beobachten. Zwischen den Zielscheiben sind Tierfiguren platziert, gezielt wird auf Distanzen von 18 bis 90 Metern. Die Jugend sei stark besetzt, informieren die beiden Vorsitzenden. Das Alter zum Bogenschießen sei nach unten nicht begrenzt, im Gegensatz zu den Luftdruckwaffen. Da dürfe erst ab zwölf Jahren trainiert werden. Aktuell zählt der Verein rund 850 Mitglieder.

1933 ist Schluss mit der Geselligkeit

Ihre Anfänge nahm die Schützengesellschaft in den 1840er-Jahren zur Ausbildung, unter anderem des Militärs. Heinrich Wilhelm Lichtenberger, der damalige erste Bürgermeister, war einer der sieben Gründer. Anständige Männer von gutem Ruf sollten es sein, wie der Vereinschronik zu entnehmen ist.

Zunächst stand ein Schießstand im Vereinslokal der Voisin’schen Wirtschaft auf dem Hemshof. 1856 kaufte der Verein Äcker auf dem Dörrhorst, dem späteren Giulini-Gelände. Aus Platzgründen bauten die Mitglieder im Jahr 1885 an der Mundenheimer Landstraße ein Schießhaus. Drei Jahre später stand erneut ein Umzug an, weil der Luitpoldhafen gebaut werden sollte. Der Verein kaufte daraufhin ein Grundstück an der Maudacher Straße und baute dort eine Anlage. Im Jahr 1933 war Schluss mit dem Zweck der Geselligkeit: Neues Ziel war die Wehrkraft des Volkes. 1935 wurde der Vereinsname auf Schützengesellschaft 1851 Ludwigshafen um das Gründungsjahr ergänzt. Seit 1959 sind die Schützen an der Speyerer Straße 217 beheimatet, anfangs lediglich auf 12.000 Quadratmetern Gelände.

Zum 175-jährigen Jubiläum veranstaltet der Verein am 26. September bei seiner Feier einen Schießwettbewerb. „Er richtet sich an Jäger und Sportschützen“, stellt Silke Moller in Aussicht.

Im Netz

www.sg1851lu.de

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