Ludwigshafen
Maudach: Zoff wegen Kerwe
„Die Lukom hat sich scheinbar vollständig aus der Organisation zurückgezogen“, bemängelte Jürgen Schreiweis (CDU) als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (Arge) die Marketinggesellschaft der Stadt. Das Ergebnis sei eine Ungleichbehandlung traditioneller und professioneller Anbieter. Warum die katholische Jugend in ihrem Hof zwar alkoholische Getränke verkaufen, diese aber nicht außerhalb der Umzäunung auf dem Kerwegelände verzehrt werden durfte, sorgte am Dienstagabend für Unverständnis.
„Die Aussage ist schizophren“
Der Groll wurde durch die Antwort der Verwaltung nicht geringer. Im Gegenteil. „Die Aussage ist schizophren“, schimpfte CDU-Sprecher Bernhard Kinzinger. Die Verwaltung begründete die Vorlage schließlich mit Paragraf zwölf des Gaststättengesetzes. Das erlaube zwar „aus besonderem Anlass“ einen Gaststättenbetrieb, diesem können jedoch jederzeit Auflagen erteilt werden. Und genau solche Auflagen seien notwendig geworden, nachdem es im Jahr 2016 auf der Kerwe zu Ausschreitungen gekommen sei, die erst durch den Einsatz von Polizei und Kommunalem Vollzugsdienst beruhigt werden konnten. Gemäß Erfahrung der Ordnungshüter seien solche Schlägereien „des Öfteren“ von Personen ausgegangen, die zuvor das Kerwezelt der katholischen Jugend besucht hatten.
Alkoholausschank außerhalb untersagt
Deshalb wurde der Alkoholausschank außerhalb des umzäunten Geländes seit 2017 untersagt, denn: „Ohne die Auflage des Verbots der Mitnahme von alkoholischen Getränken durch Gäste in den Außenbereich wäre das Verbot des Ausschanks im Außenbereich wirkungslos.“ Der Erfolg sei überwältigend, so die Verwaltung in ihrer Vorlage: „Da es in den letzten Jahren zu keinen Auseinandersetzungen oder Körperverletzungen kam, zeigt, dass die angeordneten Auflagen verhältnismäßig und auch wirksam waren.“
„Geballte Unkenntnis“
Der Ortsbeirat sah hingegen in der Auflage viel mehr eine Ungleichbehandlung, warf dem Bereich Sicherheit Schizophrenie vor und schimpfte über geballte Unkenntnis: „Es gibt schon seit vielen Jahren kein Kerwezelt mehr“, bemerkte etwa Michael Keßler (Grüne). Jürgen Schreiweis (CDU) verwies auf die professionellen Verkäufer auch hochprozentiger alkoholischer Getränke unmittelbar außerhalb des Geländes der katholischen Jugend. Er unterstellte daher viel mehr, dass durch die nunmehr vornehmlich durch Schausteller Ralph Göbel organisierte Kerwe gewachsene Strukturen zerstört werden sollen, um das Feld für professionelle Gastronomen noch weiter zu öffnen, so der Arge-Vorsitzende. Schreiweis beklagte außerdem die Auswahl der Verkaufsanbieter. „Auffällig war ein drittklassiger Stand mit Billigstklamotten, der bei vielen Kerwebesuchern trauriges und verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst hat.“
Bleiben Auflagen bestehen?
Zumindest für die katholische Jugend deutete die Verwaltung so etwas wie Bewegung an. Positiv müsse dies allerdings nicht sein: „Ob die im Einzelfall angeordneten Auflagen für die Zukunft aufgehoben werden, kann zum derzeitigen Zeitpunkt nicht in Aussicht gestellt werden.“ Immerhin müsse der Sachverhalt zunächst aufwendig geprüft und intern abgestimmt werden. „Für die Zukunft wird eine Prüfung im Rahmen der nächsten Sitzungen des ,Koordinierungsgremiums Veranstaltungen’ erfolgen“, heißt es in der Antwort.