Ludwigshafen Mannheim: Band Bap im Rosengarten

Spielt gekonnt mit der Nostalgie: Wolfgang Niedecken.
Spielt gekonnt mit der Nostalgie: Wolfgang Niedecken.

„Verdamp lang her“ war es am späten Sonntagabend, dass das Konzert angefangen hatte: Fast dreieinhalb Stunden ohne Pause spielte „Niedeckens Bap“ im Rosengarten mit den Erinnerungen der gut 1800 Zuschauer – um ganz zum Schluss den wohl bekanntesten Song der Kölsch-Rock-Band anzustimmen.

Bap ist Wolfgang Niedecken – aber wer ist Niedecken? Optisch, inhaltlich und musikalisch stellt Bob Dylan für den 1951 geborenen Niedecken einen steten Orientierungspunkt dar. Aber Dylan versteht man mit seinem nasalen Englisch besser als Niedeckens Kölsch. Das soll keine Beleidigung sein; doch schon in den 80er-Jahren waren es die besseren Gitarrenhefte, die zu den Bap-Texten hochdeutsche Übersetzungen boten. War es neben der lyrischen vielleicht gerade diese sprachliche Zusatzcodierung, die den stets gesellschaftskritischen Niedecken noch prophetischer erschienen ließ?

Vom Öko bis zum Rocker

Jedenfalls schaffte es Bap noch weit vor dem Social-Media-Zeitalter, eine bundesweite eingeschworene Fangemeinde zu gewinnen. Vom damaligen „Öko“ bis zum selbsternannten Rocker schien jeder seine Identifikation mit den Kölner Musikern zu finden. Viele der Zuschauer im Rosengarten scheinen von Niedeckens Weisen ein Leben lang begleitet worden zu sein. Das weiß Niedecken natürlich, und gekonnt spielte die Band zwischen vielen neuen Sachen viele Klassiker wie „Do kanns zaubere“, „Waschsalon“ oder „Kristallnaach“. Der Gipfel der Nostalgie erfolgte in der letzten Zugaberunde, als Niedecken für den Song „Jraaduss“ den Schlagzeuger auf die Bühne holte, „mit dem ich ein Vierteljahrhundert lang Musik gemacht habe“: den 71-jährigen Jürgen Zöller, der von 1987 bis 2014 zur Stammbesetzung von Bap gehörte. Aber Niedecken ist kein Relikt der guten alten Zeit, sondern entwickelt sich im Alter weiter, indem er sich zurückbesinnt. „Reinrassije Strooßekööter – Das Familienalbum“ heißt sein jüngstes Solowerk, das Niedecken im Mai 2017 im Esplanade Studio in New Orleans aufnahm. Mit „Tara’s Theme“ aus „Vom Winde verweht“ brachten Bap gleich entsprechenden Südstaatenwind auf die Bühne, deren Kulisse mit Palmen und Plantagen-Villa-Projektion an den Ort der Aufnahme erinnerte. Zum neunköpfigen derzeitigen Bap-Ensemble gehören drei Bläser aus Mannheim, die auf der „Live & Deutlich“-Tour mit Trompete, Saxophon und Posaune auch älteren Stücken einen Hauch New Orleans verleihen.

Es geht oft um Familie

„Familie“ ist für Niedecken, der 1976 mit dem Gitarristen Hans Heres Bap („Papa“) gründete, ein Dauerthema. So hat er auch abgesehen von dem Vater-Sohn-Konflikt in „Verdamp lang her“ im Laufe der Jahre viele Lieder geschrieben, in denen seine nächsten Verwandten eine Rolle spielen. 13 dieser Songs hat er für „Das Familienalbum“ neu aufgenommen und einen „Opener“ für diese Songsammlung geschrieben: „Reinrassije Strooßekööter“ beginnt mit einem alten Pappkarton, in dem alte Fotos mit gewelltem Rand liegen. „Der Song stellt meine Ahnen, meinen Stamm vor“, sagt Niedecken. Niedeckens ließ alte Familienbilder auf die Bühne projizieren und damit persönliche Anekdoten und Erinnerungen vorüberziehen. Dazu gab es Southern Rock („Für ’ne Fründ“), Cajun-Punk („Jebootsdaachspogo“) und Blechgebläse. Vom Kölner Dom geht es zum Severinstor und zum elterlichen Lebensmittelgeschäft. Dazu tauchen Mutter Hubertine und Vater Josef auf, Tante Netta, Onkel Fritz, ein kleiner Junge mit Faconschnitt und Lederhosen – Erinnerungen, wie sie jeder von uns in sich trägt.

Niedecken bleibt politisch

Für das Konzert wurde der Mozartsaal zum lauschigen Wohnzimmer. Mal saß, mal stand Niedecken, plauderte über den nächsten Song und hielt auch mit politischen Statements nicht hinterm Berg. Warum statt eines Synthesizers drei Blechbläser auf der Bühne standen? Ganz klar: „Es ist genug Fake unterwegs heute.“

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