Limburgerhof
Malschule: Gelungene Premiere der Reihe „fünfmal“
Der Bahnhof von Limburgerhof ist längst mehr als ein Verkehrsknotenpunkt. Mit der Malschule und dem Ausstellungsraum ist er inzwischen eine Schnittstelle zwischen Alltag und Innehalten geworden, ein Ort, den man auch „en passant“ einfach mal besuchen kann. „Das ist auch unser Konzept: Wir möchten Menschen ansprechen, die selten klassische Galerien besuchen. Durch die direkte Lage am Bahnhof ist unsere Räumlichkeit eine leuchtende Vitrine im öffentlichen Raum“, erklärt Sabine Amelung. Daher trägt die neue Ausstellungsreihe auch den Untertitel „Dialog im Vorbeigehen“.
Ein weiterer Anspruch ist die Vernetzung von Kunstschaffenden der Metropolregion: „Wir stärken den Austausch professioneller Künstlerinnen und Künstler und machen Limburgerhof zu einem relevanten Akteur im regionalen Kulturnetzwerk“, ergänzt Michaela Jäkel. Das ist ihnen zum Auftakt ihrer neuen Ausstellungsreihe „fünfmal“ gelungen: Etliche Kulturinteressierte und Künstlerkollegen fanden sich am Wochenende im Kulturbahnhof ein und diskutierten miteinander Fragen des Lebens, des Kunstschaffens, aber auch des Alltags.
„Wir wollen unsere Künstlerinnen und Künstler bewusst mit nur jeweils einem Werk zu einem einzigen Thema zusammenbringen, um nicht mit vielen Eindrücken zu fluten, sondern vielmehr um zu inspirieren und eine Gelegenheit für das Entstehen von Neuem zu schaffen“, begründet Sabine Amelung. So standen dieses Wochenende Arbeiten zum Thema „Linie“ im Fokus. Das Ausstellungskonzept besticht nicht nur durch das Zusammentreffen fünf unterschiedlicher Persönlichkeiten und derer ebenso verschiedener Interpretationen des Themas. Weiterer Bestandteil ist das Gespräch, zu dem die Kunstschaffenden jeweils eine Frage mitbringen, die sie sich gegenseitig beantworten. Das Publikum darf selbstverständlich mitreden.
Fünf unterschiedliche Positionen zur Linie
Anna Siebert aus Mannheim zeigte zarte rote Tintenschreiber-Zeichnungen mit dem wiederkehrenden Motiv der langen Leitern. Sie nennt es „Red Refuge“. „Es geht um Zufluchtsorte, um Zuhause. Jeder braucht es, aber nicht jeder hat es“, erklärte die Künstlerin. Wie einladend und sicher diese Orte sind, ob die Leitern hinaufführen oder den Weg nach draußen weisen – das festzulegen, bleibt den Betrachtenden überlassen. Ein Blickfang im Raum war die Installation von Andrea Nießen aus Speyer: Hunderte miteinander verbundene Kabelbinder symbolisierten Verknüpfungen, Verbindungen, Links – digitale Herausforderungen im Netz, aber auch im täglichen Leben. „Die zunehmende Vergesslichkeit meines Vaters hatte mich hierzu inspiriert: Neuronale Verknüpfungen im Gehirn lösen sich und können sich neu, aber auch ungewohnt wieder zusammenfügen“, sagte Andrea Nießen und nannte ihr Werk folgerichtig „Hirngespinst“. Der Mannheimer Künstler Rainer Negrelli indessen zeichnet Musik: Den fünfstrophigen Rückblick auf das Leben nach Franz Schuberts Monolog „Abschied von der Erde“ hat er zwischen Notenlinien mit Tusche auf Papier geschrieben.
Werner Degreif, ebenfalls aus Mannheim, ist Zeichner, Maler und Trompetenperformer. Er präsentierte sein Werk an der Außenwand des Bahnhofsgebäudes – eine an industrielles Design angelegte großformatige Zeichnung von Flaschen. Die quadratischen Tuschearbeiten des Speyerer Künstlers Klaus Fresenius mit dem Titel „Reihungen, Netze, Spiralen“ sind bereits 2014 in den ehemaligen Räumen der Malschule in Limburgerhof entstanden. Zum Schluss des Gesprächs trug er ein von Schubert vertontes Lied des österreichischen Dichters Adolf Pratobevera vor und widmete die Darbietung dem Schubert-Freund Rainer Negrelli – ganz im Sinne der Veranstalterinnen, neue Ideen und Verbindungen untereinander entstehen zu lassen.
Termine
Die Ausstellungsreihe „fünfmal“ bringt jeweils fünf Künstlerinnen und Künstler aus der Rhein-Neckar-Region mit jeweils einem Werk und einer Frage in den Bahnhof Limburgerhof. Sechs Termine in diesem und im nächsten Jahr sind geplant, von denen diese bereits feststehen: 18./19. September 2026 zum Thema „Konzept“; 16./17. Januar 2027 zum Thema „Licht“.