Ludwigshafen „Ludwigshafen ist keine Stadt des Spitzensports“
Nein. Wir sind da einer Meinung. Die Oberbürgermeisterin sieht es naturgemäß immer etwas anders. Wir sehen ja, was wir derzeit an großen Sportlern haben. Bei den Mannschaften haben wir die Zweitliga-Handballer der TSG Friesenheim, bei den Einzelsportlern Stabhochspringerin Lisa Ryzih vom ABC Ludwigshafen. Ansonsten haben wir doch nicht viel Großartiges. Warum ist Ludwigshafen keine Stadt des Spitzensports? Es ist ganz klar ein Problem des Geldes. Was auch fehlt, ist eine Universität wie beispielsweise in Mainz. Dort gibt es einen Universitätssportclub, der den Sportlern viele Möglichkeiten bietet. Will man überhaupt an den entscheidenden Stellen, dass Spitzensport in Ludwigshafen betrieben wird? Wie Sie ja schon sagten, das kostet Geld, viel Geld sogar. Man will es schon, weiß aber nicht, wie man es finanzieren soll. Die Stadt tut ja ihr Möglichstes. Sie hat die freiwilligen Zuschüsse nicht gekürzt, aber das reicht einfach nicht. Schauen Sie sich doch nur einmal die Energiekosten der Vereine an, die eine eigene Sportanlage betreiben. Diese können durch die geringen Zuschüsse die Kosten bei Weitem nicht decken. Ist Ludwigshafen denn überhaupt eine Stadt des Sports? Wenn man die Vielfalt sieht und die Anzahl der Sportvereine (142, Anmerkung, die Redaktion), dann würde ich sagen: schon. Aber das hängt natürlich auch vom Blickwinkel ab. Wir haben etwa 34.000 Mitglieder in Sportvereinen. Somit ist fast jeder vierte Einwohner Mitglied in einem Sportverein. Ich würde sagen, Ludwigshafen ist eine Stadt, die etwas für den Sport tut und in der viel Sport getrieben wird. Also ist Ludwigshafen eine sportliche Stadt. Ja, das kann man sagen. Ich frage deshalb, weil im Sommer die VTV Mundenheim einen Teil ihrer Vorbereitung in der Pfalzhalle in Haßloch absolvieren mussten, da das Schulzentrum in den Sommerferien zu war. In der Trainingshalle der Zweitliga-Handballer der TSG Friesenheim, der Heinrich-Ries-Halle, war der Boden lange Zeit kaputt und die Heizung ausgefallen. Die Stadt erwog sogar vor Jahren, dass die TSG für die Hallennutzung zahlen müsse, was bei anderen Zweitligisten nicht der Fall ist. Die Leichtathletikhalle ist eine Flickschusterei. Das klingt nicht gerade nach Stadt des Sports… Dreh- und Angelpunkt ist das Geld. Natürlich ist einiges marode und müsste modernisiert werden, aber wo kommt das Geld her? Wenn man viel Geld bekommen würde – wie Ingelheim von Boehringer– , dann würde das anders aussehen. Aber die BASF ist nicht bereit, etwas für den Spitzensport zu tun. Sie unterstützt den Breitensport. In der BASF sind eher die Bestrebungen da, das Geld in die Kultur zu investieren. In der RHEINPFALZ stand zuletzt, dass Ludwigshafen eine Proletarierstadt sei. Da stellt man sich als Außenstehender die Frage, ob man so viel Geld für Kulturveranstaltungen ausgeben muss, die nur ein kleiner Kreis nutzt. Der Sport übernimmt viele soziale Aufgaben. Gerade jetzt, in Zeiten der Flüchtlinge, kann das wichtig sein. Wäre ein goldener Plan, wie es vor Jahren in Frankenthal umgesetzt wurde, eine Lösung für Ludwigshafen? Dort verkaufte die Stadt städtische Grundstücke und investierte das Geld in den Bau neuer Sportanlagen. Das kann ich nicht sagen. Das Problem in Ludwigshafen ist, dass es eine große Vielfalt an Sportarten gibt. Wir haben alleine 27 Fußballvereine, aber keiner ist so richtig gut. Gibt es also zu viele Vereine in Ludwigshafen? Im Fußball aus meiner Sicht schon. Wenn ich sehe, welche Ansprüche die Vereine stellen. Jeder will einen Kunstrasenplatz haben. Das ist doch Blödsinn. Ich sage den Vereinsverantwortlichen immer wieder, dass es mit dem Nachwuchs in Zukunft schwieriger werden wird und nicht jeder kleine Klub einen Kunstrasenplatz braucht. Viele wollen auch nicht zusammengehen. Wie kann man es schaffen, dass manche Vereine sich zusammenschließen? Es ist sehr schwierig. Wir im Rudern haben es geschafft, gewisse Dinge zu koordinieren. In Mannheim gibt es fünf Ruderklubs, dazu noch wir in Ludwigshafen. Wir haben das nun gebündelt und sprechen uns ab, wen wir auf welche Regatta schicken. Man muss sich aber schon die Frage stellen, ob man zwei Fußball-Vereine aus Oppau oder Edigheim braucht. Aber es ist schwierig, denn keiner will seine Identität, seine Geschichte aufgeben. Dann gibt es im Klub auch noch viele Widerstände. Sind denn aktuell Vereine in ihrer Existenz bedroht? Nein, meines Wissens nicht. Es gibt viele Vereine, die haben nur eine Mannschaft. Andere werden von Idealisten geführt. Die Vereine haben es auch nicht leicht, denn es gibt immer mehr Trendsportarten. In Rheinland-Pfalz gibt es das Sportfördergesetz. Demnach dürfen Vereine kostenlos die Sportstätten der öffentlichen Hand nutzen. Das ist einzigartig. Ist das aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß? Wie soll man es sonst machen? Dass die Klubs eine Nutzungsgebühr zahlen, wie im Fitnessstudio auch oder wenn man ins Schwimmbad geht. Das reißt es auch nicht raus. Wie wollen Sie das regeln? Ein kleiner Verein mit sechs bis sieben Mitgliedern kann so etwas nicht stemmen. Im Umkehrschluss würden sich die Vereine beklagen, Ludwigshafen sei keine Stadt des Sports. Das sowieso. Jeder, der denkt, er kommt zu kurz, der schreit ohnehin. Das ist ein Hauen und Stechen. Ich will jetzt nicht sagen, dass Vereine sich gegenseitig schaden wollen, aber die Klubs beäugen sich schon. Kurzum: Es ist ein Teufelskreis ohne Ausfahrt. Ja, es ist schwierig. Ich habe mich mit dem Stadtsportamt sehr oft unterhalten, wie es weitergeht. Die Ausgaben für den Sport von der Stadt werden ja von der Aufsichtsbehörde in Neustadt kritisch beäugt. Die sagt, dass man solche freiwilligen Zuschüsse einsparen könnte. Das aber kann es nicht sein. Ich sehe es als Aufgabe des Staates, des Landes an, dass der Sport unterstützt wird. Denn wenn man im Sport spart, muss man im sozialen Sektor ein Vielfaches ausgeben. Oder schauen Sie sich an, wie der Landessportbund Geld verprasst hat. So etwas könnte man doch sinnvoll und strategisch investieren. Unter Werner Ludwig und Wolfgang Schulte war das Amt des Sportdezernenten immer beim Oberbürgermeister angegliedert. Unter Frau Lohse ist das nicht mehr der Fall. Sie hat die Aufgabe an den Bürgermeister weitergegeben. Sollte man das Amt des Sportdezernenten nach den Oberbürgermeister-Wahlen im September wieder dem Oberbürgermeister zuordnen? Ich habe Frau Lohse damals gesagt, dass ich ihre Entscheidung nicht verstehe. Denn aus meiner Sicht war der Sport zu diesem Zeitpunkt das Einzige, womit man sich noch etwas brüsten könnte. Er ist bei Wolfgang van Vliet aber sehr gut aufgehoben. Ich würde es allerdings gut finden, wenn es beim OB wäre. Es ist auch eine Zeitfrage. Wann kann Frau Lohse denn schon einmal bei einer Sportveranstaltung sein? Das wird wohl auch künftig so sein.