Ludwigshafen Literatur als Event

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Mit „Der Schwarm“ hat Frank Schätzing vor zehn Jahren einen Weltbestseller geschrieben. Sein neuester, in diesem Jahr erschienener Thriller heißt „Breaking News“. Im Rosengarten hat Frank Schätzing für ihn die Werbetrommel gerührt. Mit einer Lesung, die als „multimediales Ereignis“ angekündigt war.

Der klassischen Autorenlesung läutet das Totenglöcklein, die Zukunft gehört der „Event-Lesung“. Das ist eine Veranstaltung, bei der ein Prominenter den Werbeauftritt für sein Buch mit viel Brimborium garniert. Frank Schätzing heißt dieser prominente Bestseller-Autor, der schon während der LitCologne in seiner Heimatstadt Köln sechs ausverkaufte Spektakel dieser Art vorzuweisen hatte und jetzt auf Deutschland-Tournee ist. Dass ausgerechnet der smarte Endfünfziger die Speerspitze der Event-Kultur im deutschen Buchgeschäft bildet, dürfte kaum ein Zufall sein. Der Schriftsteller ist ausgewiesener Werbefachmann, hat Kommunikationswissenschaften studiert und eine eigene Werbeagentur betrieben. Und wenn es einen Vorteil verspricht, zieht er sogar sich selbst bis auf die Unterhose aus. Jetzt gilt es, 500.000 Exemplare der Erstauflage von „Breaking News“ an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Die Startauflage ist stattlich, aber bei Millionen verkaufter Exemplare von „Der Schwarm“, dem Wissenschafts-Thriller über eine Bedrohung aus der Tiefsee, schienen solche Verlagserwartungen angebracht. „Breaking News“, die Story eines Kriegsberichterstatters vor dem Hintergrund von Afghanistan-Krieg und Nahost-Konflikt, stürmte auch nach Erscheinen auf Platz eins der Bestsellerlisten. Dann aber verschwand der mehr als 1000 Seiten dicke Wälzer in der Versenkung. Als „Lesung der anderen Art“, als „neue Dimension“ einer Lesung gar war die Buchpräsentation angekündigt. Als solle der wahre Charakter, nämlich der einer Werbeaktion gegen Eintrittsgeld, enthüllt werden, wird vor Beginn der Lesung der Werbetrailer eines Autoherstellers auf eine Leinwand projiziert. Das ist wie im Kino. Und am Film, diesem Hör- und Sehsinn gleichermaßen ansprechenden Medium, ist die Lesung auch orientiert, wie das Buch selbst an einer Verfilmung. In völliges Dunkel gehüllt, nur das Gesicht vom Licht seines iPads von unten angestrahlt, liest Schätzing die staccatohaften Sätze seines Buches. Auf den hinteren Plätzen wirkt die Szenerie gruselig wie ein Halloween-Kürbis. Alles ist auf Effekt getrimmt. Aus Lautsprechern prasselt während der Lesung das Geräusch von Hubschrauberrotoren, Straßen-, Kriegs- und anderer Lärm auf die Zuhörer im nahezu ausverkauften Musensaal ein. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der eine oder andere nach der Veranstaltung unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litte. Zwischendurch plaudert der Autor, kumpelhaft eine Hand in der Hosentasche, salopp über seine Recherchereise durch Israel und Palästina. Er erzählt Witze und Belanglosigkeiten mit dem Tenor: Alles liebe Menschen dort, wenn nur die Extremisten nicht wären. Das Bühnengeschehen wird noch mal groß auf die Leinwand projiziert. Überhaupt wirkt alles aufgebläht, selbst die Handlung des Romans. Zwischendurch singt die israelische Sängerin Ofrin Schlager, immerhin nicht Playback. Am Ende verabschieden sich Autor und Sängerin Arm in Arm. „Es hat Superspaß gemacht bei euch!“ Jetzt müssen die Leute nur noch das Buch kaufen.

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