Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Leute in LU: Olympia-Teilnehmerin Hannah Vester erhält Pierre-de-Coubertin-Medaille

Hannah Vester in ihrem zweiten Zuhause, der Sporthalle: Sie zeigt die kürzlich erhaltene Coubertin-Medaille mit der Urkunde.
Hannah Vester in ihrem zweiten Zuhause, der Sporthalle: Sie zeigt die kürzlich erhaltene Coubertin-Medaille mit der Urkunde.

Hannah Vester aus Ludwigshafen hat den Sprung bis nach Olympia geschafft. Für ihre sportlichen Leistungen und ihr Engagement erhielt die Abiturientin die Coubertin-Medaille.

Um den Abiturpreis Sport, die Pierre-de-Coubertin-Medaille, zu erhalten, müssen Schüler die Werte der olympischen Idee leben und auch im Schulsport vorbildlich vertreten. Auf Hannah Vester trifft das zu. Sie hat die Auszeichnung des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz für ihre herausragende Leistung im Schulsport erhalten. Hannah Vester begeistert sich seit frühester Kindheit für Rhythmische Sportgymnastik. Und die 20-Jährige war im Jahr 2024 Olympiateilnehmerin in Paris.

Bei der Abiturfeier am 10. April in der Integrierten Gesamtschule (IGS) Edigheim erhielt die Ludwigshafenerin die Pierre-de-Coubertin-Medaille als Anerkennung für ihre bisherige sportliche Leistung und ihr ehrenamtliches Engagement als Trainerin. Seit 25 Jahren zeichnet der Landessportbund Schüler aus, die im Schulsport der Oberstufe besondere Impulse geben.

Trainiert seit frühester Kindheit

Seit sie viereinhalb Jahre alt ist, trainiert die junge Frau aus der Pfingstweide Rhythmische Sportgymnastik. In dieser Sportart müssen Anmut, Körperbeherrschung und tänzerisches Talent zusammenspielen. Das wird verbunden mit Seil, Reifen, Ball, Keule und Band – gefordert ist also Vielseitigkeit. Schon früh erkannte ihre Trainerin Sari Öholm das Talent und den Ehrgeiz von Vester. Mit elf Jahren empfahl sie Vester dem Leistungszentrum vom Hessischen Turnverband (HTV) in Frankfurt, um ihre Entwicklung zu beschleunigen. Damals waren ihr Pokale wichtiger als Medaillen. Ihr Interesse für Medaillen „kam erst, als die Wettkämpfe höherklassig und mit ihnen die Medaillen aufwendiger gestaltet waren“, erzählt die Abiturientin.

Drei Jahre lang fuhren die Großeltern sie täglich nach der Schule zum Training in die hessische Hauptstadt. Das harte Training machte sich bald darauf bemerkbar: 2016 erlangte sie bei den Deutschen Meisterschaften Titel im Mehrkampf und mit dem Ball, sowie 2018 im Mehrkampf mit Ball und Band. Dauerhaft waren die Fahrten jedoch nicht zu stemmen – deshalb kehrte Vester zurück nach Oppau. Ihre Trainerin ließ jedoch nicht locker und schickte das inzwischen 14-jährige Mädchen zu Sichtungslehrgängen.

Nur ein Jahr später zog Vester ins Nationalmannschaftszentrum der Rhythmischen Sportgymnastik in Fellbach-Schmiden. Ein neuer Alltag mit acht Stunden Training, „oft bis 22 Uhr“, sagt sie. Obwohl sie die Familie dort vermisst habe, sei die Zeit sehr intensiv gewesen. „Hier ging es um Leistung. Dennoch vermisse ich es“, sagt Vester ein wenig wehmütig. Die Mühen zahlten sich aus: In den Jahren 2022 und 2023 nahm sie an Weltmeisterschaften teil. „Wir holten zweimal Silber im Team“, erzählt sie. Ihr persönlicher sportlicher Höhepunkt ist jedoch die Olympia-Teilnahme im Jahr 2024 in Paris.

Gibt Erfahrung an Jüngere weiter

Im gleichen Jahr wechselte Vester in die Oberstufe der IGS Edigheim, mit Sport als Leistungskurs. Es komme eine Olympiateilnehmerin an die Schule, habe der Oberstufenleiter die Klassen informiert. Für Vester ein Neubeginn: Denn nun konnte sie auch außerhalb des Sports Freundschaften knüpfen.

Mit ihrer Rückkehr zum TB Oppau übernahm sie als Trainerin eine Gruppe mit Sieben- bis Neunjährigen – ein Unterschied zu den Kindern ihrer früheren Gruppe mit zehn- bis zwölfjährigen Sportlern. „Sie müssen noch die Grundlagen lernen“, verdeutlicht sie. Bei diesem Sport gehe es um Perfektion, es sei viel Ehrgeiz notwendig. „Ich vermittele den Kleinen, dass man nicht aufgeben sollte, wenn es nicht klappt. Erst wenn es schwer wird, verbessert sich ein Sportler.“

Ein großer Einschnitt im Leben von Vester war ein Schulsportunfall, an den sie sich noch deutlich erinnert. Er geschah am 25. August 2025. Eine falsche Diagnose beendete ihre sportliche Karriere jäh. Eigentlich hätte die Verletzung im Fuß innerhalb einer Woche operiert werden müssen – das ist nicht passiert, mit fatalen Folgen. Auf dem gewohnten Niveau kann sie ihren Sport seitdem nicht mehr ausüben. Tapfer tröstet sich die 20-Jährige damit, wenigstens das eine Mal bei Olympia dabei gewesen zu sein.

Dafür ist jetzt mehr Zeit für ein anderes Hobby. Denn ans heimische Klavier setzt sie sich immer noch sehr gerne. „Es entspannt“, sagt die Sportlerin. Sie habe sogar im Fellbacher Ballettraum abends gespielt, während der Wartezeit auf die Physiotherapie, erklärt sie. Und schließlich soll auch noch ein wenig Zeit für Freunde außerhalb des Sports bleiben.

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