Interview
Landrat: Nach einem halben Jahr im Amt kann Volker Knörr noch lachen
Herr Knörr, wie geht es Ihnen?
Super. Es könnte nicht besser sein.
Sehr schön. Das freut mich. Warum?
Weil ich gerade im Urlaub war. (lacht) Aber Sie wollen hören, dass ich meinen Job so gerne mache und dass es mir deshalb so gut geht, oder? Auch das ist der Grund.
Keineswegs. Die Art der Antwort liegt ja ganz bei Ihnen.
Mal im Ernst. Die Leute schauen mich oft mit so einem mitleidigen Gesicht an und fragen dann: Echt, Du machst Deinen Job gerne? Furchtbar. Ich sage dann immer: Ja klar, warum denn nicht? Deshalb macht man seine Arbeit doch. Es wäre ja blöd, wenn ich sagen würde: Puh, das ist so viel Arbeit, das überfordert mich total.
Wie sieht denn Ihr Fazit nach einem halben Jahr als Landrat aus?
Es macht riesig Spaß. Die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt so viele tolle Erlebnisse. Auch negative Erlebnisse. Aber im Vergleich zu meinem Schulleiterjob vorher, ist der des Landrats erfüllender, weil ich mehr steuern und die Menschen mehr mitnehmen kann.
Können Sie es in Prozent ausdrücken?
80:20. Und die negativen Sachen sind auch nicht so, dass es mich total am Boden zerstört. Es ist oft berechtigte Kritik bei einigen Dingen.
Nämlich?
Die Zulassungsstelle ist ein Dauerthema. Da ist vor Kurzem eine neue Software aufgespielt worden. Und die Leute, die am ersten Tag gekommen sind, haben das zu spüren bekommen. Der Wartebereich war voll. Ein Mann hat mich angesprochen: Na, Herr Knörr, vielleicht ein bisschen weniger Insta und ein bisschen mehr die Basics? Ich habe ihm erklärt, dass wir aufgrund der Umstellungen noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hatten. Aber wir mussten die Weichen im Hinblick auf die interkommunale Zusammenarbeit mit Frankenthal stellen. Dadurch soll Schifferstadt ja auch entlastet werden. Man muss zu den Problemen stehen und versuchen, besser zu werden.
Welche Schulnote geben Sie dem Kreis denn aktuell?
Der Kreis ist ein Konstrukt, das über den Gemeinden steht. Wir sind das Bindeglied zum Land. Als Region gebe ich uns ganz klar eine Eins. Wir sind von der Lage und der Infrastruktur her wirklich gut aufgestellt. Das Zusammenspiel der Zweckgemeinschaft läuft in der Regel gut. Das heißt, es gibt mit Sicherheit noch Verbesserungsbedarf. Es wäre schlecht, wenn wir sagen würden, wir sind in allen Bereichen perfekt. Da liegen wir irgendwo zwischen gut und befriedigend.
Gab es schon Tage, an denen Sie es bereut haben, für das Amt des Landrats kandidiert zu haben?
Nein!
Auch nicht jetzt mit dem neuen Kreishaus?
Nein. Klar, das ist ein Thema, das mich fast täglich umtreibt. Ich freue mich darauf, dass wir in guten Gesprächen über den Verkauf des ehemaligen Geländes der Bereitschaftspolizei sind und dass wir diese zeitnah zu einem Ende bringen wollen. Ich hoffe, dass wir in einem halben Jahr so weit sind. Die Gespräche entwickeln sich gut.
Sie wollen einen Teil des Sondervermögens, das der Kreis von Bund und Land bekommt, für das neue Kreishaus verwenden.
Ja. Aber die Rechtsverordnung fehlt. Wir könnten schon viel weiter sein. Aber momentan gibt es nur mündliche Zusagen, dass es möglich ist, eine Finanzierung über das Sondervermögen zu machen. Aber wir brauchen es schriftlich. Es weiß auch noch keiner, wie der Antragsprozess abläuft.
Gehört das zu den Dingen, bei denen Sie sagen, dass es schneller gehen könnte?
Ich hatte gerade ein Mitarbeitergespräch und habe dabei auch gefragt, wie die Zusammenarbeit mit mir empfunden wird. Mir wurde gesagt: Du bist immer so ungeduldig. (lacht) Aber zur Frage: Ja, das sind Dinge, die einfach schneller gehen müssen. Wir hatten eine Videokonferenz zum Sondervermögen. Zehn hoch bezahlte Menschen. Und unser Ergebnis war: Wir müssen noch auf die Rechtsverordnung warten. Da denke ich: Mensch, mach doch jetzt weiter. Das Gesetz ist da ... Wir wollen ja auch, dass das Geld in Umlauf kommt. Es soll ja eine Soforthilfe für die deutsche Wirtschaft sein.
Was dauert Ihnen noch zu lange? Und sagen Sie bitte nicht „alles“ ...
(lacht) Verwaltungsprozesse sind für mich schon eine Geduldsprobe. Wir haben extra eine Stelle geschaffen, bei der Prozesse analysiert werden. Wir müssen einige Abläufe wirklich verschlanken. Ich verspreche mir etwas davon, dass wir die Digitalisierung vorantreiben. Und wir müssen mehr miteinander reden. Nicht immer nur E-Mail schreiben, sondern über den Gang laufen und das Gespräch suchen. Als jemand, der nicht aus der Verwaltung kommt, ist es schwierig, wenn man sich darauf zurückzieht, dass jemand das und das geschrieben hat. Das sage ich auch den Bürgern. Ich bekomme ab und an E-Mails mit Beschwerden. Ich nehme dann den Telefonhörer in die Hand und rufe die Leute an.
Kommen wir zu den Großprojekten, die noch auf den Kreis zukommen. Wie sieht es zum Beispiel beim ehemaligen Caritas-Altenheim St. Bonifatius in Limburgerhof aus?
Auch hier sind wir in Gesprächen. Wir versuchen, eine Lösung hinzubekommen, bei der wir bald sagen können, dass es an diesem Standort weitergeht. Es geht in die richtige Richtung, die hoffentlich sowohl die Gemeinde als auch die Kirchengemeinde mittragen könnten.
Sie waren vorher Leiter einer Realschule plus. Wie wollen Sie in die Schullandschaft im Kreis eingreifen? Stehen größere Änderungen ins Haus?
Verändern wollen wir nichts. Wir haben gute Realschulen plus. Wir haben eine gute IGS. Und wir haben gute Gymnasien. Ich denke, das passt alles soweit. Die Baustelle in Bobenheim-Roxheim läuft gut. Wir haben aber auch gesehen, dass wir im Bereich Sanierung von Schulen viele Sachen vor uns herschieben. Das sind Projekte, die wir mit der Manpower, die uns in der Bauabteilung zur Verfügung steht, nicht bewältigen. Da müssen wir auf externe Projektentwickler zurückgreifen. Wir haben dann die Funktion des Bauherren. Frank Pfannebecker, zuständiger Erster Beigeordneter, und Frank Juchem, Leiter der Bauabteilung, sind gerade dabei, das umzustrukturieren. Der ursprüngliche Plan war, zuerst Bobenheim-Roxheim neu zu machen, dann weiter zu Böhl-Iggelheim, dann zu Dudenhofen. Mittlerweile müssen wir in Schifferstadt erweitern, wir müssen eine Berufsbildende Schule bauen, wir müssen die Realschulen in Böhl-Iggelheim und Dudenhofen trotzdem noch sanieren. Das sind alles Sachen, die parallel laufen müssen. Da können wir nicht warten und eins nach dem anderen machen. Schule muss sich schnell anpassen und weiterentwickeln.
Nehmen Sie uns doch mal kurz und knackig mit durch die einzelnen Projekte, die anstehen: der Umzug der Förderschule in Schifferstadt?
Es steht ein interkommunales Treffen an. Das betrifft ja auch viele um den Kreis herum. Dabei wird hoffentlich eine für alle tragbare Lösung erarbeitet.
Die Erweiterung des Paul-von-Denis-Gymnasiums?
Da sind wir an der konkreten Umsetzung des Erweiterungsbaus. Ich hoffe, dass wir im Winter den ersten Spatenstich machen können. Das ist eins der letzten Projekte, das wir noch selbst entwickeln.
Die Berufsbildende Schule in Böhl-Iggelheim?
Das wird ein Thema für den Projektentwickler. Die Machbarkeitsstudie ist auf dem Weg. Wenn der Platz feststeht, wo der Bau ganz konkret hinkommt, geht es an die genaue Umsetzung.
Die Realschule in Bobenheim-Roxheim?
Der Keller ist draußen, das sieht gut aus.
Dann gibt es noch Schwimmbäder, Straßen, Radwege, Katastrophenschutzzentrum und, und, und. Wäre es da nicht langsam Zeit für einen hauptamtlichen Ersten Beigeordneten, der sich mit dem Thema Bauen befasst?
Letztendlich macht eine Person keinen Sommer. Momentan haben wir uns hierzu noch keine Gedanken gemacht.
Wie oft hat Ihre Frau schon mit Ihnen geschimpft, weil Sie abends zu spät nach Hause kommen?
(lacht) Gar nicht. Wir haben einen gemeinsamen Kalender. Das passt ganz gut. Bei vielen Abendterminen mit gesellschaftlichem oder kulturellem Hintergrund gehen wir zusammen hin. Das Abendprogramm ist nicht immer, aber oft mit ihr.
Sie lachen gerne und viel. In welchen Situationen ist Ihnen im ersten Halbjahr als Landrat das Lachen vergangen?
Hmmmm, tatsächlich gab’s so ein, zwei Momente, als Leute an Weihnachten fast ihren Lohn nicht bekommen hätten. Nicht bei uns, aber bei einem Zweckverband, bei dem wir Mitglied sind. Das hat mich schon die eine oder andere schlaflose Nacht gekostet.
Erfreulicher ist da der Sommerempfang. Der findet im Schlossgarten zu Fußgönheim statt. Wie kam’s?
Da habe ich mein zweites Arbeitszimmer. Wussten Sie das?
Nein. Echt?
Der Landrat hat, solange der Kreis besteht, ein Arbeitszimmer im Schloss Fußgönheim. Da war noch nie jemand drin gesessen, aber ist so. Mir wurde erzählt, dass es darauf zurückzuführen ist, dass der Kreis bei der Sanierung des Schlosses mitgeholfen hat. Daher bekam der Landrat dort ein Arbeitszimmer. Ich wusste es auch lange nicht.
Wer hat es Ihnen zugetragen?
Mein Vorgänger.
Ach guck. Aber er war da auch nie drin, oder?
Nein.
Was erwartet die Menschen beim Sommerempfang?
Es gibt tolle Musik. Der GMV Lambsheim tritt auf. Dann haben wir noch einen zweiten Showact. Aber der ist noch geheim. Das wird der Gewinner des Mundartpreises sein. Ehrenamtspreise werden verliehen. Die Weinpaten werden geehrt. Ich will das bewusst alles bei einer Veranstaltung haben, weil es ein würdiger Rahmen ist. Maximal zwei Stunden. Danach noch gemütlich beisammensitzen und den Abend ausklingen lassen. Der Cäcilienverein bewirtet und bekommt dadurch die Einnahmen. Das ist übrigens auch eine Botschaft, die ich nach außen tragen will: Die Zeiten, in denen alles umsonst war, sind vorbei. Aber ich glaube, jeder ist in der Lage, seine Schorle oder den Aperol zu bezahlen.
Sie machen einige Dinge anders als ihr Vorgänger. Welches Feedback bekommen Sie?
Die Leute verstehen nach und nach, wofür der Kreis eigentlich da ist. Instagram, Facebook – das gehört heute dazu. Wir versuchen, alle Medien zu bespielen, auch und vor allem die jungen Menschen mitzunehmen. Wir sehen ja, wie andere Parteien das schaffen – mit einfachen Mitteln. Das versuche ich auch, hinzubekommen. Interesse wecken für kommunale Geschichten.
Bleiben wir noch kurz beim Vorgänger. War es schwierig für Sie, aus dem Schatten von Clemens Körner zu treten?
Clemens hatte einen ganz anderen Stil als ich. Auch wer mir folgt, wird einen anderen Stil haben. Ich wollte nie jemanden imitieren, sondern die Dinge so machen, wie ich es für richtig halte.
Sie hatten vorher schon Verwaltungserfahrung als Kreisbeigeordneter und Schulleiter. Ist Ihnen die Umstellung dadurch leichter gefallen?
Ich halte es für sinnvoll, wenn man, bevor man Landrat wird, schon mal Beigeordneter war oder in irgendeiner anderen Form politische Erfahrung gesammelt hat. Man muss kein Verwaltungsmensch sein. Aber man muss wissen, wie man sich politisch bewegen kann und wie man an Projekte rangeht.
Sie haben als Schulleiter auch Erfahrung in Sachen Personalführung gesammelt. Ebenfalls ein Vorteil?
Vorher war ich für 50, jetzt für rund 700 Leute verantwortlich. Das ist schon eine andere Hausnummer. Ich versuche, nah bei den Menschen zu sein. Sie sollen merken, dass ich nicht hier als Landrat, sondern als Teil des Kreisverwaltungsteams sitze.
Was macht Ihr Plan, von Waldsee nach Ludwigshafen zu radeln?
Ich bin schon ein paar Mal gefahren. Das geht nicht immer. Es gibt Termine, da muss ich mit dem Auto hin. Aber wir haben in der Tiefgarage extra mehr Abstellplätze für Fahrräder geschaffen. Aufgrund der Verkehrssituation in Ludwigshafen kommen immer mehr Mitarbeiter mit dem Fahrrad.
Vielleicht bald mit der Straßenbahn. Erleben Sie es in dieser Amtszeit, dass die Pfalztram Waldsee mit Ludwigshafen verbindet?
Mal sehen, ob sie überhaupt fährt. Warten wir mal ab, wie wirtschaftlich und wie gut das Projekt umgesetzt werden kann. Da sehe ich in Sachen „Finanzierung“ noch Luft nach oben.
Wie gut wird denn der nächste Kreishaushalt?
Puh. Das weiß ich nicht. Ein Blick in die Glaskugel ist schwierig. Vieles hängt von der neuen Landesregierung ab und davon, wie die Kommunen künftig finanziell ausgestattet werden. Ich erwarte mir von der neuen Landesregierung eine wesentlich größere Unterstützung für die Kommunen als vorher. Mal abwarten. Wenn’s so bleibt, wie es jetzt ist, wird er nicht positiv bleiben. Im Sozialbereich laufen die Ausgaben aus dem Ruder. Die Aufgaben werden zu uns herunterdelegiert, aber das Deckungsprinzip ist nicht mehr gegeben. Das muss wieder geradegerückt werden. Ich hoffe, dass die neue Landesregierung das erkennt. Das habe ich auch schon Gordon Schnieder (CDU) gesagt, als ich ihn in Berlin getroffen habe.
Wir haben vorhin schon die Interkommunale Zusammenarbeit angerissen. In welchen Bereichen wäre die aus Ihrer Sicht noch sinnvoll?
Ich glaube, dass wir beim Katastrophenschutzzentrum über Kreisgrenzen hinaus denken müssen. Wir bekommen dafür pro Jahr circa 130.000 Euro. Sie können sich vorstellen, dass das nicht reicht. Da kann man nicht viel mit machen. Wir müssen abklären, was wir vorhalten müssen, was ein anderer Kreis beisteuern kann. Wo können wir einander ergänzen, ohne dass es zu lange dauert, bis das Gerät im anderen Kreis angekommen ist. Da ist großes Potenzial.
Not macht erfinderisch?
In dem Fall tatsächlich. Not im Sinne von Geldmangel, aber auch im Sinne von Rationalität. Wir müssen uns nicht ein Auto anschaffen, das hier dann nur herumsteht.