Ludwigshafen Kraftpaket vom Nil
«MUTTERSTADT.»So richtig freuen über sein Ergebnis konnte sich der Mann aus Kairo, der zu Hause von seiner Wohnung auf die Pyramiden von Gizeh blicken kann, nicht. Seine neue Staffel reiste als ungeschlagener Tabellenführer zu Germania Obrigheim, musste am Ende aber eine 888:894,4 (0:3)-Niederlage hinnehmen. Das hatten sich die Heber sowie die mitgereisten AC-Fans ganz anders vorgestellt. Mindestens ein Punkt war das erklärte Ziel für den anvisierten Finaleinzug. Das hatte man verpasst. Am Freitag landete der 29-Jährige in Frankfurt. Valentin Serafimov, der Mann für Sonderaufgaben beim AC Mutterstadt, holte den neuen Heber am Flughafen ab. Mit der Verpflichtung des Afrikameisters ließen die Mutterstader in der Gewichtheberszene aufhorchen. „ Als klar war, dass der Italiener Antonino Pizzolato wegen eines Wettkampfs in China gegen Obrigheim nicht zur Verfügung stehen wird, haben wir nach Verstärkung Ausschau gehalten. Da passte Mohamed gut in unser Profil. Ich habe ihn über Instagram angeschrieben und gefragt, ob er Interesse an einem Engagement hat“, berichtet Trainer Dennis Eichner. Der Ausnahmeheber, der bei der WM im vergangenen Jahr 173 Kilogramm gerissen hat, zögerte nicht lange. „Das hat sich gut angehört und in meine Trainingsplanung gepasst. Nach Rücksprache mit meinem Trainer und den Sponsoren habe ich zugesagt“, klärte Ehap auf. Außerdem kennt er Max Lang, der ebenfalls in der 81-Kilo-Klasse bei internationalen Wettkämpfen startet. In Obrigheim traf er auf seinen internationalen Kontrahenten Nico Müller, den aktuell besten deutschen Gewichtheber. Beide lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Einzelwertung. 160 Kilogramm hatte der zweite ägyptische Athlet im Dress des ACM – der Superschwergewichtler Maged Salama hob Ende der 80er Jahre für den Traditionsclub – vorgelegt. Diese Last reichte allerdings noch nicht für den anvisierten Punkt in der ersten Teildisziplin. Mutterstadt lag vor den beiden Schlussversuchen mit 0,6 Punkten im Rückstand. Ehap hätte noch eine Schippe drauf legen müssen. Das passierte zur Überraschung der Obrigheimer Zuschauer nicht. Beim zweiten Versuch küsste der Weltmeister vor Freude noch den Boden auf der Bühne. Danach verzichtete er. Die Obrigheimer jubelten. Die Mutterstadter wunderten sich. Im abschließenden Stoßen verlor das AC-Sextett weiter an Boden. Lisa Marie Schweizer, Nina Schroth, Phi-lipp Forster, Michael Varlamov und Mohamed Ehap mit 195 Kilogramm patzten jeweils einmal. Mutterstadt stand am Ende mit leeren Händen da. Weltmeister Ehap konnte die erste Saisonniederlage nicht abwenden. Die Stimmung danach war verständlicherweise bei allen Beteiligten getrübt. „Ich hätte mit dem Team gerne gewonnen. Aber ich muss auch meine persönliche Situation beachten. Ich bin nicht zum dritten Versuch im Reißen angetreten, weil ich nicht zu viel riskieren wollte. Die 160 Kilogramm waren für diesen Wettkampf mein absolutes Limit. Im Stoßen konnte ich den dritten Versuch gehen“, warb Ehap um Verständnis. Sein Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dort will der Bronzemedaillengewinner von Rio ganz oben auf dem Podest stehen. Dem ordnet Ehap alles unter. Einwurf