Ludwigshafen Knigge zeitgemäß
58 junge Männer und Frauen haben gestern an der Volkshochschule (VHS) im Bürgerhof ihr Zertifikat „Das 1x1 der guten Kommunikation in Schule und Beruf“ erfolgreich bestanden. Das Kursformat wird von drei Pädagogen geleitet, die als Sozialarbeiter an weiterführenden Schulen arbeiten und wissen, was Abiturienten in Sachen Kommunikationstraining brauchen können.
„Die Generation Google und Wikipedia braucht keine theoretischen Grundlagen“, ist Birgit Neuner-Schewior, Schulsozialarbeiterin an der IGS Gartenstadt, überzeugt: Recherchieren und Fakten beschaffen können die jungen Menschen, weiß Neuner-Schewior. Sie haben aber ein großes Bedürfnis nach praktischen Übungen, Rollenspielen und Körpertraining, denn sie wollen wissen, wie sie wirken und was sie tun können, um selbstbewusster aufzutreten. „Als Schulsozialarbeiter arbeiten wir meist in den Mittel- und Unterstufen mit konkreten Schülern, die einen gezielten Bedarf haben“, fasst Neuner-Schewior ihren Berufsalltag zusammen. Auch Lehrerfortbildungen für Pädagogen gehören dazu. Aber um die Abiturienten kümmert sich die Sozialpädagogin nur in Ausnahmefällen. Lehrer und Eltern, sowie einzelne Abiturienten trugen im Vorjahr den Wunsch an sie und ihre Kollegen Elena Müller und Marcus Wildner vom Heinrich-Böll- und Geschwister-Scholl-Gymnasium heran, sich gezielt um die Schulabgänger zu kümmern. Die Schulsozialarbeiter dieser drei weiterführenden Schulen entwickelten gemeinsam ein Konzept, dass jungen Menschen die Grundlagen der Körpersprache näher bringt und sie durch gezielte Kritik und Videoaufzeichnungen des eigenen Verhaltens in die Lage versetzt, ihre eigene Außenwirkung einzuschätzen und zu beeinflussen. Methodisch stehen das Erlernen systemischer Fragetechniken genauso mit im Programm wie Rollenspiele, Bewerbertraining, Beobachtung und Selbstreflektion wie auch das öffentliche Vortragen vor großen Gruppen mit angemessenen Körperhaltungen. An der VHS bieten die Dozenten ihren Kurs für Abiturienten in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal an. „Es kostet Mut, vor 58 gleichalterigen etwas vorzutragen“, sagt die Kursleiterin, denn die Schüler der unterschiedlichen Schulen kennen sich anfangs nicht alle. Umso begeisterter ist die Pädagogin, wie schnell alle Teilnehmer bereit sind, konstruktiv und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. „Der Bedarf ist so groß, dass wir auch im nächsten Jahr das Angebot in unser Programm aufnehmen“, freut sich VHS-Leiterin Stefanie Indefrey. „Was in Ludwigshafen dreimal stattgefunden hat, zählt man hier bereits zur langjährigen Tradition“, scherzt sie bei der Vergabe der Zertifikate. Mit diesen können die jungen Menschen ihrem Lebenslauf einen interessanten Baustein hinzufügen. (css)