Ludwigshafen Kleines Geheimnis bringt Nähe
«Mutterstadt.» Im Seniorenheim „Sonnenuntergang“ ist was los. Wenn bei der Anmeldung aus Versehen aus einem August eine Auguste wird, kann das bei der Zimmerbelegung zu erheblichen Turbulenzen führen. Die Theatergruppe Sapperlott hat diese Herausforderung mit ihrem heiteren Theaterstück „August(e) stürmt das Altenheim“ bravourös gemeistert. An zwei Abenden war der kleine Saal der „Neuen Pforte“ in Mutterstadt voll besetzt.
Das Bühnenbild: ein gemütlich anmutendes Zweibettzimmer mit Panoramafenster, das Domizil von Heimbewohner Otto Schaaf. Und weil dessen ehemaliger Zimmergenosse Rudi in die Abteilung für „Dehemente“ verlegt wurde, ist das andere Bett ab sofort zu haben. Durch einen Schreibfehler in der Verwaltung des Hauses stellt sich heraus, dass Opa Otto sein Zimmer mit einer Frau teilen soll. Und zwar nicht mit August sondern mit Auguste Prödel. Dieser Umstand ist für den eigenbrötlerischen alten Herrn nur schwer zu verdauen. Daher müssen Schwester Monika und Arzt Dr. Helmut Schmalstich zunächst versuchen, dem aufgeregten Otto den Neuzugang schmackhaft zu machen und erfinden kurzerhand ein „neues innovatives Seniorenprogramm des Bundesgesundheitsministers: Zusammenleben von Mann und Frau im Alter“. Das Programm soll nun im Heim zur Probe laufen. Da bietet sich für die eifersüchtige Mitbewohnerin Helga Krawuttke eine gute Gelegenheit zu intrigieren und die Fäden zu spinnen, denn sie meint, die älteren Rechte an dem rüstigen Senior zu haben. Doch Helga ist für Opa Otto ein rotes Tuch. Wenn er sich vorstellt, dass er unter Umständen sein Zimmer mit solch’ einem Exemplar wie dieser Krawallschachtel teilen muss, bekommt er Angst: „Wenn ich an die Krawuttke denke, stellen sich mir regelrecht die Nackenhaare“, klagt er. Nachdem Auguste von Tochter Bärbel in das Seniorenheim begleitet wurde und in das Zimmer von Otto eingezogen ist, scheinen für diesen die schönen Zeiten vorbei zu sein. „Ich habe in meinem Zimmer das Sagen. Ich wohne schließlich schon länger hier“, versucht Otto sogleich seiner neuen Mitbewohnerin Grenzen zu setzen. Um wenigstens den beiden Streithähnen ein Mindestmaß an Privatsphäre zu ermöglichen, hat die gute Seele des Heims, Putzfrau Ayse, vorsorglich sogar schon mal eine Trennwand zwischen die Betten gestellt. Doch die Rangeleien um das Zimmer gehen weiter, und feste Zeiten für das Benutzen des Bads müssen schließlich auch vereinbart werden. Doch wider Erwarten nähern sich die ungleichen Zeitgenossen an. Was niemand weiß, Ottos kleines Geheimnis ist ein geheimes Versteck im Zimmer mit einem Vorrat an Schnapsflaschen. Und als Auguste Ottos kleine Schwäche aufdeckt, wird er ihr regelrecht sympathisch. Denn so ein Schnäpschen als Beruhigungstrunk am Abend hat schließlich noch niemandem geschadet, findet sie. Auguste und Otto schwelgen in Erinnerungen. Und die offenbaren am Ende Unglaubliches. Einen großen Spaß erlebte das Publikum am Abend und kam bei all den Irrungen und Wirrungen im Altenheim aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Den Applaus wahrlich verdient hat sich die Theatergruppe bestehend aus Petra Wolf, Heike Schäfer, Petra Matz, Barbara Mächtle, Anne-Kathrin Osburg, Anke Holzwarth und Thomas Neu.