Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Klassensplitter: Warum die Croatia für Trainer Goran Barisic Herzenssache ist

Goran Barisic
Goran Barisic

Der Trainer des Fußball-B-Klassisten hat in der kommenden Saison mit seiner Auswahl so einiges vor.

Ein Gespräch mit Goran Barisic, dem Trainer des FC Croatia Ludwigshafen (Fußball-B-Klasse Rhein-Pfalz Süd), ist kurzweilig und geprägt von seiner Liebe zum Fußball. Die Sätze sprudeln geradezu aus dem Mund des 62-jährige Kroaten, der immer wieder mal eine Geschichte zum Schmunzeln einstreut. Etwa die, dass er am vorigen Sonntag vor der Partie der Kroaten beim ASV Birkenheide am Aufwärmen teilgenommen hat. „Dabei habe ich eine Flanke volley genommen und den Ball unter die Latte geschossen“, berichtet der Coach und lacht herzlich. Seine Spieler hätten erstaunt geschaut und die Aktion mit einem „Trainer, wow“ kommentiert.

Die meisten von ihnen dürften noch nicht geboren gewesen sein, als der Name Goran Barisic über Ludwigshafen hinaus einen guten Klang besaß. Zu Beginn der 1990er-Jahre war der gebürtige Bosnier, der bereits lange die kroatische Staatsangehörigkeit besitzt, ein brandgefährlicher Stürmer und gefürchteter Torjäger beim damaligen Fußball-Oberligisten SV Südwest Ludwigshafen war, der zu dieser Zeit drittklassig spielte. „Das war eine schöne Zeit, aber ich bin etwas traurig, dass der Klub mich danach nie gefragt hat, ob ich Trainer werden will“, sagt Kumpeltyp und Menschenfänger Barisic, der seit über 35 Jahren in Ludwigshafen lebt.

Herzenssache Croatia

Aktuell trainiert er den FC Croatia, was für ihn auch ein bisschen eine Herzensangelegenheit ist. Den souveränen 5:1-Sieg am Sonntag will er nicht überbewerten, „weil wir dominiert haben, der Gegner aber nicht besonders stark war“. Das war eine Woche zuvor gegen den FSV Oggersheim in einer gutklassigen, attraktiven Begegnung noch anders gewesen. Da hatten die Kroaten mit einem wahren Kraftakt einen 1:2-Pausenrückstand binnen sieben Minuten in eine 3:2-Führung gedreht, am Ende aber nach einem Doppelschlag der Oggersheimer 3:4 verloren. Eine Frage der Kondition angesichts dünner Trainingsbeteiligung?

„Nein, aber es stimmt, über Winter waren es immer nur wenige Spieler, die da waren. Ich kam mir vor wie ein Individualcoach für fünf, sechs Leute und nicht wie der Trainer einer Mannschaft“, blickt Barisic zurück. Deshalb hat der FC Croatia auch kein Testspiel ausgetragen und eine dürftige Vorbereitung auf die Rückserie hinter sich gebracht. Mit den steigenden Temperaturen stieg die Teilnahme an den Übungseinheiten. Kürzlich seien zwölf Akteure da gewesen. „Spaßeshalber habe ich ihnen gesagt, dass ich gar nicht mehr wüsste, wie man für so viele Spieler ein Training durchführt“, erzählt der 62-Jährige.

Runde gut beenden

Und als am Sonntag die Partie in der Birkenheide anstand, hatte der Coach gar die Qual der Wahl. „Ich konnte bei 17 Akteuren aus dem Vollen schöpfen, und nicht alle kamen zum Einsatz“, sagt Barisic. Das ist sehr ungewöhnlich. Er habe bei Kräfteverschleiß wechseln und neue Impulse von der Bank bringen können. Gekrönt wurde der Tag mit einem Abendessen für das Team im Restaurant beim BASF TC, das der Vorstand spendiert habe. Zwischen Hauptgericht und Nachspeise wurde auch über die Runde gesprochen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Saison gut zu Ende zu bringen. Derzeit sind wir Siebter und können vielleicht noch ein, zwei Plätze klettern“, kalkuliert Barisic.

Wichtig wäre, wenn es für den 21-köpfigen Kader noch einen Betreuer gäbe, der sich um administrative Dinge kümmert oder auch ein Physiotherapeut für den Spieltag. Liegt ein Spieler verletzt am Boden, ist oft guter Rat teuer. Eine Ladung Eisspray, meist vom Trainer selbst verabreicht, und ansonsten gut zureden, mehr ist meist nicht möglich. Kein Einzelfall in den unteren Ligen. Das soll sich ändern. „In der nächsten Saison wird der Verein 30 Jahre alt. Da wäre es schön, wenn alles etwas professioneller abläuft und wir zudem um den Aufstieg mitspielen könnten“, blickt der Übungsleiter nach vorne.

Gegenseitiger Respekt

Der Lager- und Fuhrparkleiter in einer Großhandelsfirma ist dreifacher Großvater. „Ich nutzte jede freie Minute, um sie mit meinen Enkelinnen zu verbringen“, versichert der stolze Opa mit Blick auf die drei Mädchen seiner Tochter. Schwiegersohn Emir Kadric, ein Bosnier, spielt für den FC Croatia und ist ein torgefährlicher Stürmer, der auch am Sonntag traf. „80 Prozent unseres Teams sind Kroaten, aber wir haben auch Bosnier, Serben und Deutsche im Kader. Das ist völlig problemlos, weil der Mensch zählt und wir uns gegenseitig respektieren“, betont Barisic.

Sein 29-jähriger Sohn Marc wird in der nächsten Runde übrigens beim SV Ruchheim spielen, der von Barisics Bruder Zdravko trainiert wird. „Für ihn geht ein Traum in Erfüllung, seinen Neffen zu trainieren. Und Marc freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit seinem Onkel“, erläutert Goran. Und mit Vorfreude und Stolz in der Stimme fügt er an, dass Marc nach Beendigung seiner Laufbahn wie Vater und Onkel Trainer werden will. Und wer weiß, vielleicht trainiert er irgendwann einmal den SV Südwest. Papa Goran würde es freuen.

x