Mannheim
Kindermusical: Premiere von „Pinocchio“ im Palazzo
Die Abenteuer von Pinocchio haben Generationen in ihren Bann gezogen. Darin geht es um Mut, Ehrlichkeit und den Glauben an sich selbst, den der kleine Held aber erst noch finden muss. Werte, die das Mannheimer Kindertheater, das am Sonntag seine eigene Adaption des Klassikers von Carlo Collodi uraufgeführt hat, feiern will. Mit ihrer dritten Produktion seit der Gründung des Mannheimer Kindermusicals wollen die Verantwortlichen das Genre am Standort „groß machen“, wie im Rahmen der Begrüßung am Sonntag verlautbart wurde. Regie bei den Vorstellungen, die noch bis zum 6. Januar im Palazzo stattfinden, führt Melanie Herzig, die auch schon die Vorgänger „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und „Das Dschungelbuch“ geleitet hat.
Die berührende Atmosphäre der märchenhaften Geschichte schwebt auch auf einem Klangteppich mit poetischen Stücken von Konstantin Wecker über dem Geschehen. Der bekannte Liedermacher schrieb die Musik vor der Kontroverse um dessen Beziehung mit einer Jugendlichen, die er laut einem kürzlich erschienenen Medienbericht vor zehn Jahren gehabt haben soll.
Wertvolle Lektionen
Das Mannheimer Kindermusical möchte mit seiner aktuellen Produktion an den bisherigen Erfolg anknüpfen. Als sich am Sonntag der Vorhang hob, war der Klang der Stille förmlich zu hören. So sehr lag eine knisternde Spannung in der Luft, da Kinder und Erwachsene den ersten Gehversuchen der wohl berühmtesten Holzpuppe der Welt entgegenfieberten.
Nicht weniger berühmt ist die lange Nase der hölzernen Heldenfigur, die auf eine gewisse Weise an den Lügenbaron Münchhausen erinnert. Denn Lügen soll man bekanntlich nicht. Auch das gehört zu den Lektionen, die der kleine Pinocchio, der von der aus Ludwigshafen stammenden Schauspielerin Sonja Grenz mit großem Herzen dargestellt wird, auf der Jagd nach seinem Traum lernt.
Die Holzpuppe wünscht sich nämlich nichts sehnlicher als ein richtiger Junge zu sein, der seinen Erzeuger, den kinderlosen Holzschnitzer Gepetto (Bas Timmers), Papa nennen will. Auf dem Weg dahin möchte ihm die Fee Antonella (Lena Schuler) helfen, die ihn zum Leben erweckt, doch auch ermahnt, dass der Weg zur Menschlichkeit alles andere als leicht sein wird. „Manche Menschen benötigen dafür ihr ganzes Leben“, verrät das zauberhafte Wesen.
Mitten im Geschehen
Doch was wäre ein echtes Abenteuer ohne die Herausforderungen, mit denen es gepflastert ist? Eben nicht besonders abenteuerlich. Die kleinen Besucher im Palazzo fanden sich vom ersten Vorhang an inmitten des Geschehens wieder, das sich überall um sie herum abspielte. Das ganze Spiegelzelt wurde nämlich zu einer prächtig illuminierten Theaterbühne. Man fühlte sich wie in einem Wohnzimmer. Also auf Tuchfühlung mit all dem Spaß, Tanz und Gesang.
Dabei trugen die Kinder ihre Verbundenheit, die sie zu dem Helden empfanden, lautstark auf der Zunge und wurden so zu seinen Weggefährten. Freundschaft und Zusammenhalt gehören gleichermaßen zu den menschlichen Werten, die von den Machern des Kindermusicals vermittelt werden möchten. In der Folge hofften, bangten und freuten sich die Kids mit Pinocchio, der quirlig von einem Fettnapf in den nächsten trat. In diesem hölzernen Gesellen schlug zwar Dank der guten Fee ein Herz, doch um ein richtiger Junge zu werden, musste er lernen, Verantwortung zu übernehmen, mutig und ehrlich zu sein.
Einige Herausforderungen, denen sich Pinocchio stellte, hatten Namen. Vor allem der durchtriebene Fuchs Amadeo, gespielt von dem aus Berlin stammenden Schauspieler Denis Bode, der in Mannheim auf wichtigen Theaterbühnen präsent ist, und sein tollpatschiger Kollege, der Kater Cerubino (Corinna Kurth), machten es dem Suchenden schwer. Das Duo versuchte ihn unter anderem an den diabolischen Puppenspieler Burratini (Bas Timmers in einer Doppelrolle), zu verkaufen und ihn des Goldes seines Vaters Gepetto zu berauben.
„Nimm dich in Acht vor falschen Freunden“, ist ein Rat, den Pinocchio mit auf den Weg bekommt. Die wichtigste Lektion sollte er jedoch im Bauch eines Wals lernen. Ausgerechnet in dieser Lage fand er seinen Vater wieder, der auf der Suche nach dem verschollenen Kind dort gestrandet war: „Man darf die Hoffnung nie aufgeben!“ An das Treibgut des Herzens geklammert, landeten Vater und Sohn schließlich doch wieder Zuhause und am Ende im Familienglück.