Ludwigshafen Kein Mist!

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Einen richtig langsamen Slow Blues zusammenzuhalten ist eine hohe Kunst. Der Kölner Bluesmusiker Richard Bargel kann das ausgezeichnet. Mit seiner Band Dead Slow Stampede gastierte er im Kulturzentrum Das Haus und stellte sein aktuelles Album vor. Es hat den vielsagenden Titel „It′s Crap!“

Man sagt: In der Ruhe liegt die Kraft, und das scheint auf Richard Bargel zuzutreffen. Kaum hat der hünenhafte Mann in Schwarz die Bühne betreten, spürt man eine Aura von Gelassenheit. Er setzt sich hin, greift eine seiner Gitarren und beginnt zu singen und zu spielen. Die Band ist ganz auf ihn ausgerichtet und verstärkt die Stimmung seiner Songs. Und Bargel knurrt und brummt und singt mit seiner tiefen Stimme, und seine Slide-Gitarre seufzt dazu. „It′s Crap“ heißt zu Deutsch: „Es ist Mist“. Bargels Musik ist alles andere als Mist. Der Titel kommt von einem Stück, in dem der Kölner über Resterampen und Schnäppchenjäger singt. Er gesteht auch freimütig, dass auch er am einen oder anderen Sonderangebot nicht vorbeikommt. Als Albumtitel ist der Song natürlich ein Witz. Aber wer seine Band als „tödlich langsame Herdenpanik“ benennt, hat offenbar den nötigen schrägen Humor. Bargel und Band haben einen sehr akustisch geprägten Sound. Jo Didderen spielt Kontrabass, Geert Roloeffs ein kleines Schlagzeug, Fabio Nettekoven spielt Leadgitarre oder greift auch mal zur Mandoline. Bargel ist es gelungen, den Blues zu seiner persönlichen Ausdrucksform zu machen. Zwar spielt er an diesem Abend auch zwei amerikanische Bluesklassiker, aber ansonsten sind es ausschließlich seine eigenen Stücke. Er hält auch nicht stur am Bluesschema fest, sondern erweitert den klassischen Blues. Meist erzählt er vorher eine kleine Geschichte. Die alleine sind schon hörenswert. „Slow Moving Women“ handelt von seiner Frau. Von der sagen manche, sie sei faul. Aber während sie scheinbar nichts tut, überlegt sie schon, wie sie die Arbeit möglichst schnell und effektiv erledigen wird. Und das klappt dann auch. Das findet Bargel ziemlich cool und spinnt die Idee in seinem Song weiter. Bargel gründete mit Klaus „Major“ Heuser in Köln die Men in Blues. Der 64-Jährige begann in den 70er Jahren als Folksänger, lebte in der Kölner Kommune Tabernakel und machte nicht nur Musik. Er betrieb ein Puppentheater, schrieb und zeichnete. Als er den Blues und das Bottleneck-Spiel auf der Gitarre entdeckte, hatte er seine Ausdrucksform gefunden. Früher muss er da ziemlich wild gewesen sein und sich auf der Bühne laut und aggressiv gebärdet haben. Inzwischen ist er ruhiger geworden. „Ich könnt′ den ganzen Abend Slow Blues spielen“ sagte er im Haus, gab aber auch zu, dass das fürs Publikum ein bisschen viel wäre. So gibt es also auch flottere Sachen und, weil es dazu gehört, auch mal kernigen Rock. Aber den stärksten Eindruck macht Bargel doch mit langsamem Blues.

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