Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Kaputte Toiletten, bröckelnde Treppen: Diesterwegschule sieht sich alleingelassen

An der Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Oggersheim liegt einiges im Argen.
An der Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Oggersheim liegt einiges im Argen.

An der Realschule plus in Oggersheim liegt einiges im Argen. Die Schule bat die Stadt um Hilfe – doch bis jetzt sei nichts passiert, sagt die Schulleitung.

Von außen ist in der Diesterwegschule eigentlich alles in Ordnung. Drinnen aber wissen sich Lehrer, Schüler und Schulleitung nicht mehr zu helfen. Das Problem: viele bauliche Mängel. Vor allem bei den Toiletten drückt der Schuh. Denn die Anlagen sind unter anderem alt, funktionieren häufig nicht und stinken bis in den Flur.

Alt, rostig und vor allem unangenehm riechend: die Toiletten.
Alt, rostig und vor allem unangenehm riechend: die Toiletten.

„Es ist schon sehr eklig dort. Viele gehen in der Schule dann gar nicht mehr aufs Klo, manche bekommen Bauchschmerzen“ sagt Erion Haziri (15), einer der Schülersprecher. Schülersprecherin Judy Ziehl (16) bestätigt das – auch bei den Damentoiletten sei es nicht besser. Man müsse lange Schlange stehen. „Die Toiletten sind bei den Schülerversammlungen immer das erste Thema“, ergänzt Haziri.

Schülersprecher Erion Haziri (15) und Judy Ziehl (16). Die Toiletten seien in jeder Versammlung Thema, sagen beide.
Schülersprecher Erion Haziri (15) und Judy Ziehl (16). Die Toiletten seien in jeder Versammlung Thema, sagen beide.

Schule möchte Förderung für Sanierung

Auf dem Mädchenklo gibt es noch ein weiteres Problem. Nämlich liegt die Lehrertoilette im selben Raum, und ist nach innen nur mit den normalen Trennwänden von den Schülerinnen abgegrenzt. „Das ist einfach nicht zeitgemäß“, sagt Konrektor Steffen Grobs.

Links der Eingang zur Lehrertoilette, rechts der für Schülerinnen. Den Raum teilen sie sich.
Links der Eingang zur Lehrertoilette, rechts der für Schülerinnen. Den Raum teilen sie sich.

Dazu kommen permanent gesperrte Abteile, Lichtschalter ohne Abdeckung, kaputte Handtuchspender und Klopapier, dass man sich zentral am Eingang holen muss. Er und seine Kolleginnen Jennifer Krebs und Kerstin Scholl, mit denen er die Schule nach dem Abgang von Vorgänger Volker Knörr leitet, wollen diese Situation ändern. Seit Langem, sagen sie. Mit dem Startchancen-Programm der Landesregierung hatte man auf Verbesserungen gehofft. Denn eigentlich, so erklärt Scholl, stehe der Schule damit garantiert Geld zu, auch um die Lernumgebung zu verbessern. Um knapp 1,1 Millionen Euro bis zum Jahr 2034 soll es gehen. „Als wir uns damit an die Verwaltung gewandt haben, wurde uns nur gesagt, dass die Stadt das prüft. Seitdem kam aber nichts. Es scheint sich niemand zuständig zu fühlen“, sagt Scholl. „Das Problem war immer das Geld, jetzt ist es da, und es wird Verantwortungs-Ping-Pong gespielt.“

So sieht ein Lichtschalter in einer Toilette aus.
So sieht ein Lichtschalter in einer Toilette aus.

Kaputte Treppen, zu viele Schüler

Dass sich die Schulleitung von der Stadt alleingelassen fühlt, wird noch an anderen Stellen deutlich. Zum Beispiel habe man mit Hilfe von Förderungen neue Tischtennis-Platten gekauft, um den Schülern zumindest in den Pausen etwas mehr Ablenkung zu ermöglichen. Doch als es um den Einbau um den Hof ging, habe die Stadt das nicht rechtzeitig ermöglichen können. Nur durch private Kontakte habe es sich ergeben, dass eine Baufirma die Platten mit dem Azubijahrgang schließlich freiwillig einbaute, erklärt Scholl. Auch in anderen Fällen sei man mit Anliegen bei der Stadt zurückgewiesen worden. So sei auf die Bitte, zwei Türen zum Amokschutz mit einer Abschließmöglichkeit zu versehen, die Ausarbeitung eines „Schließkonzepts“ von der Schule verlangt worden. Fenster von Containern mit Sichtschutzfolien zu bekleben, sei ebenfalls nicht möglich, da die Container nur angemietet seien, habe die Stadt der Schule mitgeteilt. Auch wenn an manchen Fenstern bereits Folien angebracht sind.

Leiten die Schule: Kerstin Scholl, Steffen Grobs und Jennifer Krebs.
Leiten die Schule: Kerstin Scholl, Steffen Grobs und Jennifer Krebs.

Auch ganz simple Mängel gibt es an der Schule. Eine Treppe vor dem Eingang ist voller Risse, Stücke drohen herauszufallen. Zwei Container können nicht gleichzeitig heizen. Die Sporthalle ist seit Jahren aufgrund von Schadstoffbelastung geschlossen – wie es weitergeht, wisse keiner, sagt Grobs. Momentan pendeln Schüler zum Sportunterricht nach Mutterstadt oder nach Friesenheim. „Im Prinzip richtet sich die gesamte Stundenplanung danach, wann Sport stattfinden kann“, sagt Grobs. Eine gesperrte Sporthalle bedeute auch, dass für Abschlussfeiern Räume angemietet werden müssen – was zum Teil die Schüler und Eltern zahlen müssen.

Was alle Probleme verschlimmere, sei die Schülerzahl. Die liege mittlerweile bei mehr als 500 – eigentlich sei die Schule auf etwa 300 Schüler ausgelegt, sagt Scholl. „Wir leiden unter akutem Raummangel. Mittlerweile werden schon Fachräume aufgelöst oder zusammengelegt, damit überhaupt Unterricht stattfinden kann. Die Container sind ein ewiges Provisorium“, sagt Grobs.

Stadt bleibt vage

Die Stadtverwaltung äußert sich auf Nachfrage. Konkret wird es nur an wenigen Stellen. Allerdings stellt die Verwaltung klar, dass eine Sanierung von Toilettenanlagen explizit nicht förderfähig sei. Denn, so ein Sprecher: „Projekte im Rahmen des ,Startchancen-Programms’ müssen zur Verbesserung der pädagogischen Lernumgebung geeignet sein.“ Aus dieser Antwort erschließt sich, dass eine funktionierende Toilette das wohl nicht ist. Der geplante Neubau der Sporthalle könnte allerdings vom Bund gefördert werden. Da allerdings viele Kommunen ihr Interesse an der Bundesförderung angemeldet hätten, würde die Prüfung noch andauern – wohl noch bis Ostern. Ebenso nach Ostern solle eine Machbarkeitsstudie für eine „3-Feldsporthalle mit Tribüne“ abgeschlossen sein. Weiteres zum Zeitplan teilt die Stadt nicht mit.

Schon seit einiger Zeit darf die Sporthalle nicht mehr betreten werden.
Schon seit einiger Zeit darf die Sporthalle nicht mehr betreten werden.

Mängel wie die zerbrochene Treppe sollen behoben werden, so die Stadtverwaltung. Ebenso sollen die Klassen in den Containern nun doch eine Sichtschutzfolie bekommen. Zu einem „Schließkonzept“ äußert sich die Stadt nicht. Den Vorwurf des „Verantwortungs-Ping-Pong“ weist die Stadt allerdings gewissermaßen zurück: Die Zuständigkeiten würden „innerhalb der Verwaltung vom Bereich Gebäudewirtschaft organisiert, zur Schulverwaltung besteht eine Schnittstelle“. Der Schule helfen solche vagen Antworten wenig. Jetzt will man selbst tätig werden: „Das Geld des nächsten Spendenlaufs wollen wir für die Toilettensanierung verwenden“, sagt Grobs. Wenn schon nicht zur Kostendeckung, dann wenigstens, um ein Zeichen zu setzen.

Wie es mit dem Gebäude genau weitergeht, ist unklar.
Wie es mit dem Gebäude genau weitergeht, ist unklar.
„Herzlich Willkommen“ ist als Schriftzug an der Sporthalle heute eher unpassend.
»Herzlich Willkommen« ist als Schriftzug an der Sporthalle heute eher unpassend.
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