Ludwigshafen Kabarett und Gesang im Wechselspiel

Hat ihre Band „wegrationalisiert“: Anna Krämer bei ihrem Konzert in Mutterstadt.
Hat ihre Band »wegrationalisiert«: Anna Krämer bei ihrem Konzert in Mutterstadt.

«Mutterstadt.» Zur Muttertagsmatinee im historischen Rathaus in Mutterstadt hatten die Ortsgemeinde und die Volkshochschule des Rhein-Pfalz-Kreises die Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin Anna Krämer eingeladen. Ihr Soloprogramm „Crème de la Krämer“ passte wie maßgeschneidert auf den Anlass des unterhaltsamen Vormittags, das Haus war ausverkauft.

Der Einmarsch der stimmgewaltigen Powerfrau ist eine Liebeserklärung an ihr Publikum: „Ihr seid die Crème de la Crème – die Hautevolee vun Mudderstadt“, sang die charismatische Künstlerin. Gerne fällt die Mannheimerin in den breiten heimischen Dialekt. Dann wünscht sie sich, „die fliegend Hitz bei eisch zu seh, is jo a wirklisch schee“. Solche Komplimente von Frau zu Frau, von Mutter zu Mutter – und das auch noch in Mutterstadt. Wenn nicht hier, wo denn sonst, muss man sich doch fragen, schwärmt Anna Krämer. Die Künstlerin gehört den „Schönen Mannheim“ und den „Twotones“ an und gastierte schon öfters hier. Erfreut war die Sängerin auch, Männer im Publikum zu sehen. Sie sagt „so viele“, doch sie sind unter den rund 100 Zuhörern nur knapp im einstelligen Bereich. Dann fasst sie einen ins Auge und argwöhnt: „Wohl einer, der mitgeschleppt wurde“. Und dann weiter zum Thema Männer: „Die Techniker sind noch vom Vatertag gezeichnet“, die Band habe sie wegrationalisiert. „Nie de Anzug gereinischt, nie die Schuh gebutzt“, so beschreibt sie die Unarten der Musikerkollegen. Und der Pianist, der habe immer die erste Reihe ins Visier genommen und in die Dekolletés geguckt. Sie winkt mit einer CD, dort habe sie ihre Musiker eingedampft, eingedost. So schade es auch ist, dass die Musik aus der Retorte kommt, dem Genuss tut es doch keinen Abbruch. Anna Krämer ist eine stimmgewaltige Sängerin und schlüpft in viele Rollen, die sie genüsslich karikiert, ihr Wechsel von der Gesangsdarbietung zum kabarettistischen Vortrag sorgt für Abwechslung und bietet für jeden Geschmack das passende „Crèmetörtchen.“ In dieser Programmfolge natürlich für die Frauen und Mütter, aber auch für die verständnisvollen Männer im Saal. Köstlich sind ihre kabarettistischen Einlagen wie der Besuch „Beim Dokder“ oder ihre Versuche, der Jugendsprache und damit ihrem Filius näher zu kommen, wie auch in der Rolle des Vorsitzenden des Hasenzüchtervereins, der ihr wegen eines Engagements auf den Anrufbeantworter spricht. Dem Volk aufs Maul schauen sei eine ihrer liebsten Übungen. Wo das am besten gehe – ja beispielsweise in der Straßenbahn oder eben „beim Dokder“. Im Wartezimmer werde fachgesimpelt und jedes noch so banale Symptom kann letztendlich dazu führen, dass „ferdisch is“. Als Sängerin macht sie großen Eindruck mit der Interpretation von Chansons der großen Edith Piaf, die sie in der Hauptrolle des gleichnamigen Musicals spielte. Ihr „La vie en rose“ singt Anna Krämer hingebungsvoll, von Energie und Temperament sprühend. „Ich fand das einfach toll, die Frau Krämer ist einmalig“,hat sich Wiltrud Englert aus Mutterstadt nach dem Gastspiel gezeigt. Mit ihrer Meinung war sie offensichtlich nicht allein, musste die Künstlerin doch mehrere Zugabe-Wünsche erfüllen.

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