Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kabarett Dusche: Neues Programm über „Monnem“ und „LU“

Die Mannheimerin Josefin Lössl und der Ludwigshafener Hans Georg Sütsch verkörpern die beiden Schwesterstädte.
Die Mannheimerin Josefin Lössl und der Ludwigshafener Hans Georg Sütsch verkörpern die beiden Schwesterstädte.

Das Wahrzeichen Mannheims liegt knapp außerhalb der Quadrate. „Wasserturm auf D6“, fast wie im Schachspiel, fordert das Kabarett Dusche in seinem neuen Programm.

„Aber der Wasserturm bleibt, wo er ist – vorerst!“ lautete noch vor wenigen Jahren der Standpunkt des Ensembles, als es satirisch die Frage verhandelte, ob Mannheims Wahrzeichen sich nicht vielleicht dafür eigne, das Bauloch auf dem Berliner Platz zu schließen. Jetzt hat man offenbar umgedacht und wünscht sich den Wasserturm als direkten Nachbarn der Kleinkunstbühne Klapsmühl’ in D6, 3.

Wolfgang Schmitter, normalerweise der Dritte im Bunde, bleibt als zugezogener Südbadener außen vor, während Josefin Lössl und Hans Georg Sütsch diesmal zu zweit duschen. „Kompakt-Kabarett“, nennen sie das, und das genügt völlig, denn die Mannheimerin und der Ludwigshafener vertreten, ja, verkörpern, eng verbunden mit dem jeweiligen Dialekt, ihre Heimatstädte und die Kurpfalz im Ganzen. Zurück in den Grenzen von 1777, wünscht Lössl als eifernde Demonstrantin sie sich und damit wiedervereinigt mit der hiesigen Pfalz. Nicht mehr der ungeliebte Wurmfortsatz der schwäbischen Spießer solle sie sein und befreit werden vom Joch der Kehrwoche, genauso wie die linksrheinische Pfalz vom Mainzer Narhallamarsch. Ein unlösbares Problem bleibe allein, die Fans des SV Waldhof mit den rivalisierenden FCK-Anhängern zu versöhnen. Die Verbindung über den Rhein zumutbar aufrechtzuerhalten, gestalte sich derzeit allerdings ebenfalls schwierig. „Jeden Morgen steh ich vier Stunde frieher uff, un des longt mer net mol!“, schimpft der Autofahrer, der von Mannheim nach Ludwigshafen pendelt oder umgekehrt.

Ludwigshafen, die verwunschene Stadt

„Der Wasserturm müsste doch eigentlich in die Quadrate“, findet selbst der Ludwigshafener Hans Georg Sütsch. „Der hat doch da draußen überhaupt nichts zu suchen.“ Wenn nun noch Eichbaum sein Wasser direkt aus dem Turm beziehe, könnte man das Bier gleich in die Fontänen dahinter einspeisen. Mit dem Stadtplan in der Hand, fällt ihm jedoch auf: „Die Quadrate sind eigentlich gar keine. Das sind überwiegend Rechtecke, Rauten und Trapeze“, merkt er kritisch an. Lössl fordert mehr Sicherheitsabstand von Ludwigshafen, muss aber zugeben: „Das ist die verwunschene Stadt, die kein Mannheimer je betreten hat.“

Von Beginn an konzentriert sich das neue Programm, das seine Premiere in der ausverkauften Klapsmühl’ am Rathaus – nicht am Wasserturm – feierte, ganz auf Mannheim, Ludwigshafen und die Region. In allen Teilen komplett neu ist es nicht. Auch ältere Nummern, die thematisch passen, wurden wieder aufgenommen. Aber es ergibt sich ein stimmiges Bild, eine flotte, sehr unterhaltsame kabarettistisch-musikalische Show für alle Pfälzer und Kurpfälzer.

„Ein Arsch und eine Seele“

„Mannheim, du sollst doch nicht um deinen Jungbusch weinen“, frei nach Heintje, singt Lössl im Zeichen der Gentrifizierung, wohingegen Sütsch klagt, es sei eine Schande, wie immer alle auf Ludwigshafen herumhackten. Die Chemiestadt sei nicht „Deutschlands hässlichste“, sondern eben nur etwas für Fortgeschrittene. Von Einwohnern wie Verehrern werde sie „mit allen ihren Sehensunwürdigkeiten bedingungslos geliebt“, behauptet er und stellt den „entseelten Hauptbahnhof“ heraus oder den Knödelbrunnen im Bürgerhof, der aussehe, „als hätte ein Alien bei seiner überstürzten Flucht aus der Stadt seine fünf Hoden vergessen“.

„Monnem un’ LU“, nach „Mama Loo“ von den Les Humphries Singers, besingt das Duo die friedliche Koexistenz der Nachbarstädte. Ohnehin wachse zusammen, was zusammengehöre, und im Leid seien die zwei Industriestandorte sowieso längst vereint: „Ob BASF, ob Schokinag, es stinkt de gonze Dag.“ Das angesehenere Mannheim sei ohne das weniger attraktive Ludwigshafen „wie ein Fahrrad ohne Luftpumpe, nämlich platt“. So hätten „Monnem un’ LU“ einander schlichtweg verdient. Letztendlich seien die Schwesterstädte „ein Arsch und eine Seele“, meint der Ludwigshafener versöhnlich, und die Mannheimerin kontert: „Wir sind uns nur nicht immer einig, wer dabei was ist.“

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