Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Können Leben retten“: Stiftung ruft zur Darmkrebsvorsorge auf

Ein begehbares Modell veranschaulicht Veränderungen im Darm.
Ein begehbares Modell veranschaulicht Veränderungen im Darm.

Anlässlich der jährlichen Aktion „Darmkrebsmonat März“ ruft die in Ludwigshafen beheimatete Stiftung Lebensblicke dazu auf, das Thema Darmkrebsvorsorge nicht zu vernachlässigen. Denn noch immer erkrankten in Deutschland jährlich rund 55.000 Menschen an Darmkrebs, und 26.000 Betroffene sterben an der Krankheit.

Solche Zahlen müssten nicht sein, betonte Stiftungsvorsitzender Jürgen Riemann. Denn Darmkrebs lasse sich bei frühzeitiger Erkennung oft vollständig heilen. Daher sei die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen so wichtig. „Noch immer steht Darmkrebs bei Frauen an zweiter, bei Männern an dritter Stelle in der Reihenfolge der häufigsten Todesursachen“, verdeutlichte Riemann.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 hat es sich die gemeinnützige Stiftung zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Bedeutung der Darmkrebsvorsorge zu stärken. Daher ruft sie in ihrer Aktion „Darmkrebsmonat März“ alle Erwachsenen ab 50 Jahren zur möglicherweise lebensrettenden Vorsorgeuntersuchung auf. Das Erkrankungsrisiko steigt ab diesem Alter deutlich an. Anders als andere Erkrankungen bereite Darmkrebs erst dann Schmerzen, wenn die Heilungschancen schon sehr schlecht stehen, warnte Riemann. Umgekehrt gelte: Anders als andere Krebsarten ist Darmkrebs bei rechtzeitiger Erkennung fast immer heilbar.

Sorgen wegen Corona

Problematisch sei die Entwicklung in der Corona-Krise. „Die Pandemie hat zu einem erheblichen Rückgang in der Bereitschaft geführt, eine Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung machen zu lassen“, stellte Riemann fest, der vor seinem Ruhestand Chefarzt am Klinikum war. Erst langsam steige die Vorsorgebereitschaft wieder an. Sein Appell sei, trotz Corona zur Vorsorge zu gehen. Man könne mit der Vorsorgeuntersuchung Leben retten, betonte der Mediziner.

Als niederschwellige Möglichkeit empfiehlt Riemann, zumindest den jährlichen immunologischen Stuhltest zu machen, der sehr gute Ergebnisse liefere. Da Darmkrebs sich fast immer aus Wucherungen der Darmschleimhaut (Polypen) entwickelt, sei Blut im Stuhl ein erster Hinweis auf einen möglichen Krebs. Völlige Klarheit verschaffe eine Darmspiegelung.

OB überzeugte Unterstützerin

Dass sie eine überzeugte Unterstützerin der Stiftung und der Darmkrebsvorsorge ist, machte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) beim Pressegespräch zum Start in den Aktionsmonat deutlich. So habe sie eine Aktion für Mitarbeiter der Stadtverwaltung ab 45 Jahren initiiert, sich anonym an einer Vorsorgeuntersuchung zu beteiligen. „2018 haben hier 556 Mitarbeiter teilgenommen, 17 positive Befunde wurden entdeckt und damit Leben gerettet.“

Chancen durch Digitalisierung

Welche Fortschritte bei der Erkennung von Darmkrebsen durch die Digitalisierung möglich sind, hat Christoph Eisenbach, Chefarzt der GRN-Klinik in Weinheim, erläutert. So können endoskopische Aufnahmen des Darms mithilfe selbstlernender Computerprogramme ausgewertet werden. Die Trefferquote sei erstaunlich, so Eisenbach. Auch die Menschen könnten mithelfen. Wer die fünf Faktoren Übergewicht, Rauchen, wenig Bewegung, zu viel Alkohol und unausgewogene Ernährung vermeide, leiste einen wichtigen Beitrag.

Im Netz

Weitere Informationen zur Stiftung und zur Darmkrebsvorsorge unter www.lebensblicke.de.
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