Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Juniorballett im Pfalzbau: Ein Hauch von Paris

Voller Esprit und Eleganz: das Juniorballett der Pariser Oper.
Voller Esprit und Eleganz: das Juniorballett der Pariser Oper.

Pariser Luft brachte das neue Juniorballett der Pariser Oper nach Ludwigshafen. Auf den Programm standen Meisterwerke von George Balanchine und Maurice Béjart.

Es war nicht nur ein Hauch von Paris. Vielmehr wehten gleich mehrere kräftige Brisen dieses unnachahmlichen Esprits, den insbesondere die Pariser Oper verströmt, am Samstagabend an den Rhein nach Ludwigshafen mitten in den Pfalzbau, wo ein großes Herz für den internationalen Tanz schlägt.

Eingeladen war das neue Juniorballett mit Tänzerinnen und Tänzern zwischen 18 und 24 Jahren. Sie stammen von Compagnien und Ballettschulen aus der ganzen Welt. Sie finden seit zwei Jahren in dem Juniorballett der Pariser Oper, die als die Wiege des Balletts gilt und an der 1713 die älteste existierende Ballettschule gegründet worden war, ein zeitgemäßes Forum für den internationalen Nachwuchs. Das Gastieren auf Bühnen im In- und Ausland mit dem speziellen Repertoire des Balletts der Nationaloper und Neukreationen gehört für die jungen Tänzerinnen und Tänzer dabei ebenso zum Programm wie sich selbst in Technik und Ausdruck zu formen. Was von ihnen an diesem Abend berührt und haften bleibt, ist vor allem das innerlich ungemein berührende, elegante Bekenntnis zur Schönheit des klassischen Tanzes mit seinem Spitzentanz und seinen Linien, seinen Pirouetten und Haltungen sowie seinem souveränen Vermögen, sich stets weiterzuentwickeln.

Start mit „Allegro Brillante“

Und so startete das Gastspiel konsequent mit einem Meister des neoklassischen Balletts, mit dem 1956 in New York uraufgeführten „Allegro Brillante“ von George Balanchine für vier oft symmetrisch angeordnete Paare und eines im Zentrum auf Musik von Piotr Tschaikowsky. Balanchine hatte es seinerzeit für seine Muse Maria Tallchief geschaffen. Es enthalte alles, was er über den klassischen Tanz zu jenem Zeitpunkt wusste, so Balanchine, der, sich vom klassizistischen Ballett in St. Petersburg kommend ab 1924 bei dem grenzensprengenden Ballett Russes in Paris mit Stücken wie „Apollo“ als Chefchoreograf empfohlen hatte und 1933 schließlich in die USA ausgewandert war, um dort das Ballett von den erzählerischen Strukturen des Handlungsballetts zu entrümpeln, zu dynamisieren und als neu zu empfindendes, wie ein Juwel glitzerndes, abstrakt geformtes Stück Kunst zu präsentieren.

Und auch wenn manches heute an „Allegro Brillante“ wiederum altmodisch wirken könnte – die Symmetrien, das Kanonartige, mit dem die Paare sich in den Bewegungen folgen, das Rosa und das Pastellartige in den kurzen fließenden Kleidern, insgesamt das Erhebende und Erhabene im rasant dahinfließenden Bewegungsfluss: Es wird deutlich, wie nährend das Stück für Publikum wie angehende Spitzentänzerinnen und -tänzer ist. Eine Augenweide stellte besonders Nuria Fernandes als Primaballerina dar, die bereits jetzt über das Vielsagende, das Strahlen und das Setzen eigener Akzente verfügte und so zum Zuschauen wahrlich verführte.

Zeichenhafte Formen und Gesten

Einen weiteren Höhepunkt bildete im Anschluss Maurice Béjarts Choreografie auf Johann Sebastians Solokantate für Sopran Nr. 51. Sie stellt einen mitten ins Herz treffenden Jubel und Lobpreis auf die Verkündigung dar, die Béjart in spannungsvoller, komplexer Anlehnung an Balanchines Musenballett „Apollo“ choreografiert hatte. Anstatt sich von dem hymnischen Gesang mitreißen zu lassen, hatte Béjart auf klare, ruhige, teilweise zeichenhafte Formen und Gesten gesetzt, um genau dadurch in der Fantasie der Betrachtenden die Choreografie lesbar zu machen für das bedeutsame spirituelle Geheimnis. Hyuamo Gokan in der vielsagenden Rolle des Engels und Shani Obadia als empfangende Jungfrau meisterten die große Aufgabe bravourös.

Bleiben noch das bildmächtige, sinnliche, assoziationsreiche Gruppenstück „Requiem for a Rose“ mit einer stählernen Solotänzerin im Zentrum von Annabelle Lópes Ochoa, 2009 geschaffen für das Pennsylvania Ballet, sowie das herzerfrischende „Mi Favorita“ von José Martinez, dem Direktor des Pariser Juniorballetts. Martinez schuf mit dem Stück eine so kurzweilige wie amüsante Selbstreflexion auf die Attitüden und Geschichten über das klassische Ballett, dass man ihn hier wieder spürte: den unnachahmlichen Esprit des Weltballetts der Pariser Oper.

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