Mannheim / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Interview mit den Nighthawks: „Einfach ein gutes Gefühl“

Kommen in die Region: die Nighthawks.
Kommen in die Region: die Nighthawks.

Die Nighthawks kommen mit ihrem neuen Album „Paris Dakar“ nach Mannheim und Ludwigshafen. Reinhard Franke hat mit Dal Martino gesprochen.

Wie kam es eigentlich zu Ihrem Künstlernamen Dal Martino?
Das war ursprünglich mein Spitzname während meiner sechs Jahre in Los Angeles. Die amerikanischen Kollegen konnten meinen deutschen Namen nicht gut aussprechen. Eines Tages saßen wir in einem Café in Santa Monica, da kam eine Frau mit einem Dalmatiner herein und fragte: „Wie heißt dieser Hund auf Deutsch?“ Dalmatiner. Auf Englisch klang das ein bisschen wie „Dal Martino“ und irgendwie nach einem Las-Vegas-Sänger. Von da an nannten mich meine Freunde immer so. Ich versprach dann, mich bei internationalen Veröffentlichungen so zu nennen.

Die Nighthawks haben Sie 1998 gemeinsam mit Reiner Winterschladen gegründet. Ein Blick zurück auf die Anfänge dieses Projekts.
Reiner und ich produzierten damals Musik für einen Film aus Sri Lanka: 20 Sekunden hier, 30 Sekunden da. Eigentlich war das aber ganz gutes Material. Dann dachten wir: Warum nicht längere Versionen daraus machen? Plötzlich hatten wir schon fast die Hälfte eines Albums. Ich habe die Musik dann an das damalige Trance-Groove-Label (ein Vorgängerprojekt der Nighthawks) geschickt. Sie brachten schließlich „Citizen Wayne“ heraus.

Ende der 90er war Nu-Jazz noch ein relativ neues Feld. Was hat Sie an diesem Genre besonders gereizt?
Gar nichts. Das Genre gab es noch gar nicht. Wir wurden einfach dort einsortiert.

Drei Ihrer Alben („Metro Bar“, „As the Sun Sets“, „4“) wurden mit dem German Jazz Award in Gold ausgezeichnet. Was bedeuten Ihnen diese Erfolge rückblickend?
Das zeigte uns, dass wir offenbar einen eigenen Stil entwickelt hatten und ein Stück weit herausragten. Der Jazz Award hängt ja ausschließlich von hohen Verkaufszahlen ab. Für uns war das ein Schub – in Sachen Bekanntheit, aber auch in Bezug auf die Motivation.

Das neue Album trägt den Titel „Paris Dakar“ und weckt Assoziationen an Reisen, Geschwindigkeit und Abenteuer.
Wir wählen keinen Titel ohne Bezug zu uns. Natürlich haben wir beide schon in Paris gespielt, Reiner auch in Dakar für das Goethe-Institut. Ich selbst war vor vielen Jahren mehrere beeindruckende Wochen dort, wieder einmal für ein Filmprojekt. Das ist der Bezug – und so kam die Idee für den Titel, auch in Verbindung mit dem Coverbild.

Auf dem Cover ist ein Pferd zu sehen. Wie kam es dazu?
Das Foto habe ich vor ein paar Jahren an der Straße von Gibraltar aufgenommen. Ich stand in Europa, im Hintergrund war Afrika – Paris/Europa, Dakar/Afrika. Das Pferd stand einfach nur da; für uns wurde es zum Symbol von Ruhe und Langsamkeit. Passend, denn wir haben fast fünf Jahre an diesem Album gearbeitet – eine Rallye mit einer Pferdestärke.

Wie sind die Stücke von „Paris Dakar“ entstanden, und worin unterscheidet sich das Album von früheren Arbeiten?
Wir hatten schon 2020 die ersten Demos. Dann hat uns die Covid-Pandemie allerdings erst einmal aus der Bahn geworfen. Jeder saß zu Hause und hat Files hin- und hergeschickt, das direkte Reagieren aufeinander war nicht mehr möglich. Das hat viel Zeit gekostet, und einiges ist dabei auch in der Tonne gelandet. Aber manches hat überlebt, zum Beispiel das Marianne-Faithfull-Stück „Sleep“. Ein reines Pandemie-Stück – komplett über Bande gespielt. Erst Anfang 2023 konnte es dann wieder wie gewohnt weitergehen.

Gibt es konkrete Orte oder Begegnungen, die in die Musik eingeflossen sind?
Ja. Titel wie „Tarifa Calling“ oder „Manu Dibango“ beziehen sich direkt auf diesen Europa-Afrika-Kontext. Andere Stücke sind eher unterschwellig oder unbewusst damit verbunden.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Reiner Winterschladen heute – haben Sie feste Rollen oder ist es ein ständiger Austausch?
Wir ergänzen uns wie eh und je sehr gut. Ich spreche allerdings lieber von „Zusammenspiel“ statt von „Zusammenarbeit“ – das klingt weniger nach Arbeit und mehr nach Spaß.

Die Musik der Nighthawks lebt stark von der Verbindung elektronischer und akustischer Elemente. Wie finden Sie die Balance zwischen Improvisation und Produktion?
Ich würde das eher „Instant Composing“ nennen. Improvisationen passieren vor allem live, im Moment. Das gilt grundsätzlich auch für die Arbeit im Studio. Bei Aufnahmen achten wir allerdings stärker auf Wiederholbarkeit und eine gewisse Struktur, damit die Musik auch außerhalb des unmittelbaren ersten Hörens funktioniert.

Unterscheide sich die Reaktionen Ihres Publikums im In- und Ausland?
Nein, eigentlich nicht. Der wichtigste Unterschied ist, ob die Leute im Saal sitzen oder stehen.

Was wünschen Sie sich, dass die Hörerinnen und Hörer aus „Paris Dakar“ mitnehmen?
Einfach ein gutes Gefühl – irgendwo zwischen Entspannung und Wachheit, zum Beispiel beim Autofahren oder wenn man im Zug aus dem Fenster schaut – und dann vielleicht Lust auf mehr von unserer Musik.

Wohin geht die Reise der Nighthawks?
Geradeaus weiter. Es macht großen Spaß, unsere Konzerte zu spielen. Wir haben ein wunderbares Publikum – die Nighthawks-Welt ist für uns im Moment völlig in Ordnung.

Zur Person

Die beiden Kernmitglieder Dal Martino und Reiner Winterschladen lernen sich beim Gründungskonzert der Formation Trance Groove kennen und bestritten fortan einige Konzerte und Aufnahmen. 1998 gründete der Musiker und Produzent Volker Vaessen, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dal Martino, gemeinsam mit dem Trompeter Reiner Winterschladen das Duo Nighthawks. Die Musik von den Nighthawks besteht aus Elementen des Jazz, Dancefloor und Chill-out. Der Musikstil kann auch unter dem Begriff Nu Jazz zusammengefasst werden.

Termine

23. April: Mannheim, Jazzclub Ella & Louis, und 20. November, Ludwigshafen, BASF Gesellschaftshaus

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