Ludwigshafen Indianerspiel mit Bischofsstab
«Mutterstadt.» Oliver Späh hat sich große Ziele gesteckt: Der 13-jährige Mutterstadter möchte eines Tages in der Lacrosse-Nationalmannschaft spielen oder am besten gleich in den USA Profi werden. Dafür nimmt er weite Wege in Kauf und trainiert zweimal pro Woche in Stuttgart und ist beim Aufbau einer Jugendmannschaft in Mannheim mit dabei.
Lacrosse ist in Deutschland eine weitgehend unbekannte Sportart mit nur 4000 aktiven Spielern. Dabei ist es, wie Oliver erklärt, eine der ältesten Sportarten der Welt und die schnellste auf zwei Beinen. Es geht zurück auf ein Spiel, das die Indianer gespielt haben. Den Namen gaben ihm aber französische Siedler, die den Schläger mit einem Bischofsstab, französisch „la crosse“, verglichen. „Es ist ein bisschen wie Eishockey auf einem Fußballfeld“, erklärt Oliver die Sportart. Und doch wieder anders. Gespielt wird mit einem Hartgummiball auf 1,83 mal 1,83 Meter große Tore, die im Feld, nicht am Rand stehen. Der Ball wird mit einem Schläger, an dessen Ende sich ein Netz befindet, aufgenommen oder gefangen, getragen oder gepasst oder, wenn er auf dem Boden liegt, auch mal gekickt. Der Gegner darf mit seinem Schläger auf den Schläger oder die Hände des Ballbesitzers schlagen. „Man versucht, Abwehrspieler umzurennen oder mit den Schultern wegzuchecken. Es ist ein sehr körperbetontes Spiel, das gefällt mir“, sagt Oliver. Nichts für Weicheier also, blaue Flecken sind vorprogrammiert. In Olivers Alter stehen pro Mannschaft ein Torwart und je zwei Stürmer, Mittelfeld- und Abwehrspieler auf dem Feld. Gespielt wird über vier mal zehn Minuten auf einem halben Fußballfeld aus Kunstrasen. Bei den älteren Mannschaften sind es mehr Spieler, eine längere Spielzeit und ein größeres Feld. Oliver hat den Sport in den USA kennengelernt, wo er geboren wurde. Seine Mutter ist Amerikanerin, der Vater Deutscher. „Mein älterer Bruder Calvin hat Lacrosse gespielt und ich habe es mit einem Freund in einem Trainingslager ausprobiert“, erzählt er. Danach hat er ein Jahr bei „The Generals“ in Greensboro, North Carolina, gespielt. Dann zog die Familie nach Deutschland und Oliver musste eine Zwangspause einlegen, weil er hier keine Mannschaft fand. Schließlich hat sich die Möglichkeit ergeben, beim ABV Stuttgart zu trainieren. „Ein, zweimal pro Woche fahre ich mit dem Zug dorthin und trainiere“, erzählt er. Gespielt wird in Deutschland in zwei Ligen: Nord und Süd. Die beiden besten jeder Liga qualifizieren sich für die Deutsche Meisterschaft. Seit Anfang des Jahres trainiert Oliver zudem bei Mannheim Lacrosse. In Olivers Mannschaft spielen Kinder und Jugendliche von zehn bis 15 Jahren. An den trainingsfeien Tagen übt er zu Hause im Garten. Es ist ihm ernst mit dem Sport. Später möchte er zurück in die USA, das College hat er sich schon ausgesucht: die University of North Carolina. Denn dort gibt es eine berühmte Lacrosse-Mannschaft. Wenn das nicht klappt, soll es wenigstens die deutsche Nationalmannschaft sein. An zwei Trainingslagern hat Oliver bereits teilgenommen. im Netz www.mannheim-lacrosse.de