Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Im Pfalzbau: Hommage an Michael Jackson

Sascha Pazdera im Jackson-Kostüm.
Sascha Pazdera im Jackson-Kostüm.

Die Michael Jackson Tribute Live Experience rief am Donnerstagabend im Pfalzbau Erinnerungen an den King of Pop wach.

Von Benjamin Fiege

Manchmal brauchte es für Michael Jackson gar nicht so viel, um ein ganzes Stadion zum Kochen zu bringen. Manchmal musste er einfach nur so da stehen. So wie bei der Halbzeitshow des Super Bowls im Jahr 1993. Mehr als eine Minute lang bewegte sich der Mann nicht, bis eine ruckartige Kopfdrehung und das bloße Absetzen seiner Sonnenbrille die Fans in absolute Ekstase versetzten. Maximale Aura-Punktzahl, würde die Generation Z heute dazu sagen.

Die Inszenierung des eigenen Superstar-Status, des eigenen Ikonen-Daseins, gehörte bei Michael Jackson irgendwann dazu. Ebenso wie die außergewöhnlichen Tanzschritte und die Musik selbst. Und es sind gerade diese Aura-Momente, die es so unheimlich schwer für einen Tribute-Artist machen, die Illusion einer Michael-Jackson-Show herbeizaubern zu wollen. Natürlich wirkt es albern, wenn man versucht, diesen magischen Stillstand-Moment vor zehntausenden von Zuschauern im Stadion auf einer kleinen Theaterbühne zu reproduzieren. Vor allem wenn man über das vergleichsweise kleine Auditorium eben nicht diese volle Kontrolle hat wie der King of Pop über die Massen.

Es ehrt Sascha Pazdera, das er es trotzdem versucht. Der Kölner schlüpft seit Ende der 1980er Jahre in die Jackson-Rolle, das Scheitern an derlei Superstar-Momenten wird er mittlerweile eingepreist haben. Für ihn, das merkt man deutlich, ist die Beschäftigung mit dem King of Pop eine Leidenschaft. Er sei mal sein Double in Paris gewesen, verriet er in Interviews. Auf der Bühne in Ludwigshafen weist er mehrfach darauf hin, dass er und seine Truppe sogar von Michael Jacksons Choreograf La Velle Smith Jr unterstützt würden. An der Synchronität konnte man offenbar noch nicht gemeinsam arbeiten.

Der Auftritt in Ludwigshafen ist der Tour-Auftakt für Pazdera und seine Truppe. Den ganzen März wird das Ensemble auf Reisen sein. Noch ist etwas Sand im Getriebe. Auf der Bühne im Pfalzbau geht es beengt zu, der Michael-Jackson-Tribute-Artist teilt sie sich mit einer vierköpfigen Band, zwei Sängerinnen und mehreren Tänzerinnen. Viel Trubel, der Pazdera selbst oft zum Nebendarsteller werden lässt. Mal überlässt er den beiden Sängerinnen das Feld, denen leider die nötige Stimmgewalt und der nötige Soul fehlt, um wirklich überzeugen zu können. Auch Pazdera selbst ist kein Stimmwunder (was sich gerade bei „Earth Song“ oder „Heal the World“ kaum kaschieren lässt), es gibt Momente, in denen er mal sehr deutlich an Jacko erinnert, aber sie sind flüchtig.

Hinter seinen Tänzern zu verschwinden, wäre Jackson wohl eher auch nicht passiert. Pazdera wirkt an diesem Abend in Ludwigshafen nicht ganz fit, wahnsinnig viele spektakuläre Moves legt er an diesem Donnerstagabend nicht aufs Parkett. Am überzeugendsten ist das Ensemble bei „Thriller“, wo tatsächlich mal ein bisschen Jacko-Feeling aufflackert und auch die Kostümierung im Zusammenspiel mit der Beleuchtung etwas wirkt.

15 Mal hat Pazdera Jackson live erleben dürfen, zuerst 1988 in Hannover bei der „BAD“-Tour, zuletzt 1998 in München. Dass man Jackson nicht kopieren kann, sei ihm da schon klar geworden, schreibt er auf seiner Webseite. Dass er eigentlich auch gar nicht als Imitator verstanden werden will. Und so ist die Show am Ende auch weder Fisch noch Fleisch. Nicht professionell genug umgesetzt, um eine Illusion schaffen zu können. Und musikalisch wie gesanglich nicht stark genug, um als einfache Hommage zu funktionieren. Dass es am Ende aber dennoch Standing Ovations für die Darbietung gab und auch noch jede Menge Selfies mit „Jacko“ geschossen wurden, zeigt aber, dass das Publikum trotz allem seinen Spaß hatte.

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