Ludwigshafen IGS Gartenstadt: Spende von MLP ermöglicht kostenlose Lernförderung

Die Stufenleiterin der 5. und 6. Klassen der IGS Gartenstadt, Csilla Eicher (links) und die didaktische Koordinatorin der Schule
Die Stufenleiterin der 5. und 6. Klassen der IGS Gartenstadt, Csilla Eicher (links) und die didaktische Koordinatorin der Schule, Beate Drumm.

Bildungsbenachteiligte Kinder mit einem kostenlosen Lernförderkonzept unterstützen: An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Gartenstadt ist das dank einer Spende des Finanzdienstleisters MLP derzeit möglich. Die große Frage ist allerdings: Kann das wichtige Programm auch künftig noch kostenlos angeboten werden?

Freiwillig und laut ihrer Lehrkräfte hochmotiviert, bleiben rund 40 Kinder an zwei Nachmittagen pro Woche in der Schule, um sich beim Lernen gegenseitig zu unterstützen. Den Rahmen dafür bietet das gemeinnützige und bundesweit aktive „Chancenwerk“ mit einem ganz besonderen Angebot: Schüler der höheren Jahrgänge erhalten kostenlose Nachhilfe durch Studierende, als Gegenleistung helfen sie dafür jüngeren Mitschülern bei deren schulischen Aufgaben. „Lernkaskade“ nennt sich dieses Konzept, das nach dem Prinzip Geben & Nehmen funktioniert und über das die Verantwortlichen der IGS nur Gutes berichten.

„Unsere Schülerinnen und Schüler erleben diese Art von Lernförderung so positiv, dass die Älteren sogar ohne überhaupt selbst Nachhilfe in Anspruch zu nehmen, die Jüngeren unterstützen“, erzählt Beate Drumm, didaktische Koordinatorin der IGS. Das Besondere am Angebot von „Chancenwerk“ sei, dass es sich nicht um eine klassische Hausaufgabenbetreuung handele – sondern um ein Förderprogramm, das auch explizit Defizite abbauen will und dafür mit Lernstandsanalysen arbeitet.

„Die Kinder werden wirklich genau dort abgeholt, wo sie stehen – das ist toll“, sagt Drumm. Wer Schwierigkeiten mit dem Bruchrechnen habe, bekomme nach dem Erledigen der Hausaufgaben einen Intensivkurs in Bruchrechnen, bei wem es eher bezüglich der Englisch-Grammatik hapere, erhalte an dieser konkreten Stelle Hilfe. „Genutzt werden kann von den Schülerinnen und Schülern dabei eine digitale Lernplattform, die seitens des ,Chancenwerks’ mit Online-Kursen und Erklärvideos ausgestattet ist“, sagt Drumm.

Etliche Eltern leben am Existenzminimum

Schon seit 2017 engagiere sich das „Chancenwerk“ an der IGS Gartenstadt. Die ersten Kinder, die von der Lernförderung profitieren durften, seien heute in der 12. Klasse. „Damals mussten die Eltern pro Schüler noch 20 Euro im Monat bezahlen, seit dem Jahr 2021 ist das Angebot kostenlos“, erzählt Csilla Eicher. Sie ist Stufenleiterin der 5. und 6. Klassen und sagt: „In unserem Einzugsgebiet sind wir darauf angewiesen, dass dieses Angebot kostenfrei ist.“ Es gebe etliche Eltern in der Schulgemeinschaft, die am Existenzminimum leben – die aber auch niemals zugeben würden, dass sie zu wenig Geld haben, um ihren Kindern ein Lernförderprogramm zu finanzieren. „Erst seit das Angebot von ,Chancenwerk’ kostenfrei ist, erreichen wir damit die Richtigen“, formuliert es Eicher. Nur auf diesem Weg profitierten wirklich diejenigen, bei denen der Bedarf am größten ist.

Ob es den Verantwortlichen der IGS gelingt, diesen Status quo auch in Zukunft zu halten, ist derzeit allerdings ungewiss. Während der Corona-Pandemie war die Lernförderung an der IGS Gartenstadt von der BASF, MLP und der DPG (Deutsche Elektro Prüfgesellschaft) unter dem Stichwort „Lernbox“ gegenfinanziert worden, „allerdings ist dieses gemeinsame Engagement ausgelaufen“, bedauert Beate Drumm. Die erneute 10.000-Euro-Spende des Finanzdienstleisters MLP zur Deckung von in erster Linie anfallenden Personalkosten sei insofern genau zur richtigen Zeit gekommen. „So können wir das Lernförderprogramm von ,Chancenwerk’ auch bis zum Ende des Schuljahres weiterhin kostenlos anbieten“. Für das kommende Schuljahr hingegen gebe es diesbezüglich noch ein großes Fragezeichen.

Möglicherweise könnte eine Weiterfinanzierung über das neue Startchancenprogramm des Landes Rheinland-Pfalz gesichert werden. „Die IGS Gartenstadt wird als Schule in herausfordernder Lage von diesem Landesprogramm profitieren“, erzählt Drumm. Zur Zeit sei allerdings noch unklar, ob die darüber gewährte Förderung ausreichen wird, um die bisherigen Spendengelder zu ersetzen.

An der IGS Gartenstadt bietet das „Chancenwerk“ Lernförderung an.
An der IGS Gartenstadt bietet das »Chancenwerk« Lernförderung an.

„Wir sind auf das kostenlose Angebot von ,Chancenwerk’ angewiesen!“, betont Csilla Eicher. „Nur so können wir als Halbtagsschule jene Kinder gezielt fördern, die bildungsbenachteiligt sind – und auch ihre Eltern in das Schulleben einbinden, die sich nicht selten am Rande der Gesellschaft befinden.“

„Die Kinder gewinnen viel Selbstbewusstsein“

Konkret in Noten messen, lasse sich die Teilnahme am Förderprogramm nicht. „Aber ,Chancenwerk-Kinder’ gewinnen sehr viel Selbstbewusstsein und ihre Sicherheit im Unterricht wird deutlich größer“, sagt Eicher. „Die Kinder nutzen das Lernförderangebot sehr gerne und fühlen sich in der dort gebotenen Gemeinschaft sehr aufgehoben“, ist auch Beate Drumms Erfahrung. Die Oberstufenschüler fänden einen guten Zugang zu den Fünft- und Sechstklässlern, denen es bei dieser Art „Unterricht auf Augenhöhe“ auch leichter falle, Fehler zuzugeben oder um Hilfe zu bitten. „Wir wollen deshalb alles dafür tun, um dieses Programm auch künftig kostenlos anbieten können“, sagt Csilla Eicher.

Neben der IGS Gartenstadt hat in Ludwigshafen auch die Albert-Einstein-Grund- und Realschule plus in Friesenheim von einer 10.000-Euro-Spende des Finanzdienstleisters MLP an das „Chancenwerk“ profitiert. Dort bietet die gemeinnützige Organisation seit Dezember 2021 ihre auf dem Prinzip Geben & Nehmen basierende Lernförderung an und setzt sich so dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern und ihrer soziokulturellen Herkunft eine faire Chance auf Bildung und somit auf gesellschaftliche Teilhabe bekommen.

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