Ludwigshafen Ideal auch zum Babys Wiegen

Kinder und Enkel wurden in Heidi Fialas Waage gewogen.
Kinder und Enkel wurden in Heidi Fialas Waage gewogen.

Die Waage der Firma Stube war ein Geschenk der Schwiegermutter, erzählt Heidi Krebs aus Böhl-Iggelheim. Aber sie wurde ihr nicht geschenkt, damit sie künftig besser Mehl und Zucker abwiegen kann. Sie bekam das gute Stück 1968 zur Geburt ihres ersten Sohns. „Früher wurden auf solch einer Waage die Babys vor und nach dem Stillen gewogen“, erzählt sie. „Die Waage ist vermutlich ein Nachkriegsmodell“, vermutet Heidi Krebs. Mittlerweile benutzt die 73-Jährige eine digitale Waage. Für „Marktplatz regional“ hat sie sie noch einmal hervorgeholt: „Sie misst immer noch grammgenau“, sagt sie. Auch die Waage von Hildegard Conrad ist nicht mehr in Gebrauch, „nur ab und zu wird ein Apfel darin aufbewahrt“, erzählt die Dannstadterin. Sie hat sie von ihrer Nachbarin, die das „Erbstück“ ihrer Mutter schon entsorgen wollte. Das konnte Hildegard Conrad nicht zulassen, denn sie mag alte Dinge. Und so dekorieren auch noch zwei weitere Waagen ihre Wohnung, die eine hat einen Teller, die andere zwei Teller als Wiegefläche. Am liebsten sammelt Hildegard Conrad aber alte Gugelhupf-Formen. Zu ihrer Hochzeit hat Heidi Fiala aus Neuhofen ihre Waage geschenkt bekommen, das war 1963. Die ist heute immer noch in Gebrauch, erzählt die Seniorin. „Jedes Mal, wenn ich sie benutze, denke ich daran, dass alle meine drei Kinder und die Enkelkinder mit einem speziellen Aufsatz als Babys darin gewogen worden sind“. Bis 1971 wurde auch im Hause Reber der Nachwuchs in der Küchenwaage gewogen, erzählt Hans Reber aus Limburgerhof. Sie stammt aus seinem Elternhaus, wurde 1924 angeschafft und überlegt etliche Umzüge. Susanne Mathes hat ebenfalls ihre Tochter als Baby mit der Küchenwaage gewogen, so stabil war und ist das nun 50 Jahre alte Küchengerät. „Babywiegen ist heute nicht mehr angesagt, aber beim Kochen der Erdbeermarmelade tut sie immer noch gute Dienste“, sagt die Mutterstadterin. Tim Hauck (44) aus Mutterstadt, wurde ebenfalls als Baby auf einer solchen Küchenwaage gewogen. Sie gehört seiner Oma Amalie Fichtenmeier. Die heute 96-jährige hat sich den Küchenhelfer nach dem Krieg bitter zusammengespart, schreibt er. Auch darum hält sie das Stück in Ehren und benutzt sie noch heute, besonders für die Weihnachtsbäckerei. Wiltrud Haueisen aus Limburgerhof und ihr Bruder wurden auch als Babys in der Küchenwaage der Marke Mikro gewogen – in einer weich ausgepolsterten Schale, erzählt sie. Darum hält sie an dem Erbstück ihrer Mutter so fest. Später wurde sie dann fürs Abwiegen von Backzutaten oder von Obst im Herbst in der Einweck-Zeit verwendet. Für diesen Zweck benutzt auch Thea Hirsch ihre alte Küchenwaage. Sie wiegt darauf das Obst, das zu Marmelade eingekocht wird. Die Maxdorferin hat die Waage zur Hochzeit 1958 von ihrer Patentante geschenkt bekommen. Nicht nur Lebensmittel und Babys lassen sich mit einer solch praktischen Waage wiegen. „Auch das Gewicht von kleinen Haustieren kann exakt ermittelt werden“, erklärt Hans-Eberhard Strübel aus Otterstadt. Fürs Foto hat er Familienkater Mischka in die Schale seines Erbstücks gesetzt. Monika Agne nutzt ihre alte Küchenwaage auch zum Wiegen ihrer Wäsche. „Dann wird der Wäschekorb auf die Waage gehoben, pro Waschgang kommen nicht mehr als vier Kilo in die Trommel“, erzählt die Schifferstadterin. Ihre Waage war ein Geschenk zur Hochzeit im Jahr 1964. Sie kann bis zu 20,5 Kilo wiegen. Ein Hochzeitsgeschenk war auch die Küchenwaage von Helga Meininger aus Fußgönheim. Am 21. Mai 1959 heiratete sie ihren Mann Werner. Und wie die Ehe so hält auch die Küchenwaage bis heute, die ihr „Tante Elise“ damals schenkte. Bis heute wird das Küchengerät der Marke Krups Victoria fast jeden Tag verwendet: zum Abwiegen von Nudeln oder Reis, aber hauptsächlich von Backzutaten. Die 82-jährige Helga Meininger ist eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin, besonders lecker sei ihr Bienenstich, schwärmt ihr Mann. Als Ablage für allerlei wird die Waage von Rebekka Ramischs Eltern benutzt – und das, seit sie denken kann. Ihre Eltern Karolina und Mario Hoffmann leben in Rüdesheim bei Bad Kreuznach, wo auch noch die Waage steht. Sie wurde Anfang der 1990er auf einem Flohmarkt gekauft, weil Rebekkas Uroma eine solche hatte. Als Kind hat die Schauernheimerin oft ganz fasziniert mit der Waage gespielt: „Ich probierte mich beim Abwiegen von Gegenstände aus wie Besteck, Tassen, Schlüssel oder auch mal meine Puppe“, erzählt sie. Großen Spaß beim Wiegen mit der alten Küchenwaage hatte auch Markus Hutter in seinen Kindertagen Anfang der 1960er-Jahre. Der Hochdorf-Assenheimer durfte seiner Oma und Mutter beim Backen helfen und die Zutaten wiegen – „die wichtigste Aufgabe überhaupt“, sagt er. Stolz platzierte er an der Original Mikro-Döft Laufgewichtswaage die Gewichte und maß grammgenau Mehl, Zucker und anderes ab. Und obwohl das alte Stück schon etwas Flugrost angesetzt hat, funktioniert sie noch exakt. Auch Stefanie Bengert aus Schifferstadt hatte als Kind immer viel Spaß mit der Waage ihrer Mutter, die aus den späten 1950er-Jahren stammt. „Sie kam vor allem bei der Weihnachtsbäckerei zum Einsatz“, erzählt sie. Als Apothekerin, die 56-Jährige ist seit zehn Jahren Inhaberin der Apotheke am Schillerplatz, habe sie eine Affinität zu Waagen und besitzt einige ältere Stücke. Die Waage ihrer Mutter nutzt sie meist als Dekoration. „Früher wurden in der Apotheke solche Waagen zum Wiegen von größeren Mengen eingesetzt.“ Auch Ruth Müller aus Schifferstadt nutzt ihre Küchenwaage nur noch als Deko-Objekt, wie auf dem Foto zu sehen ist. Sie hat das antike Utensil von ihrer Mutter bekommen, die es meist zum Backen benutzte. Aber auch bei der Hausschlachtung war das gute Stück unabdingbar fürs Abwiegen der Gewürze oder die Fleischportionen, die dann eingefroren wurden. Und nach der Ernte im Garten wurden eimerweise Bohnen abgewogen. Sabine Gausepohl (75) wiegt auf ihrer Waage, die sie seit 1971 besitzt, manchmal sogar Pakete. Aber auch das Gewicht ihre Kinder wurde geprüft. Heute hat die Mutterstadterin eine digitale Waage. Wenn aber bei der die Batterie streikt, „dann nehme ich meine treue Krupps zur Hilfe, die funktioniert immer“, sagt sie. Den Vorteil, vom Strom unabhängig zu sein, schätzt auch Hedwig Hoffmann. Die 91-Jährige aus Hochdorf-Assenheim besitzt ihre Waage seit 1950, es war ein Hochzeitgeschenk. Bis heute ist sie in Gebrauch. Ein Geschenk zum Einzug ins neue Haus war die Waage von Ralf Reske aus Altrip. Seine Mutter hat den Küchenhelfer 1938 von ihrem Mann bekommen und er war das Schmuckstück auf dem Küchenbüfett. „1945 mussten wir innerhalb von zwei Stunden unser Haus räumen. Die Waage blieb zurück. 21 russische Soldaten quartierten sich ein. Nach einem halben Jahr durften wir zurück. Sämtliches Mobiliar und Inventar einschließlich der Waage lag zertrümmert im Garten“, erzählt er. Ralf Reske selbst flüchtete später aus der DDR und musste mit seiner Frau einen neuen Hausstand gründen. „Auf einem Trödelmarkt entdeckten wir eine Waage der Marke Original-Mikro-Döft wie die meiner Mutter, für 15 Mark wurde sie gekauft“, erinnert er sich. Ironie des Schicksals: Kurz danach bekamen sie die gleiche Waage geschenkt. Eine besonders schöne Waage hat Gertraud Schmitt aus Rödersheim. Schon ihre Urgroßmutter hat damit gewogen, erzählt die 67-Jährige. Und bis 1968 verwendete ihre Mutter sie in der Küche. „Danach wurde sie ausgemustert und wanderte zum Spielen in den Sandkasten für die Enkelkinder“, erzählt sie. Dafür war das gute Stück aber dann doch zu schade. Nun steht sie gesäubert auf ihrem alten Bauernschrank als Dekoration. Die Rödersheimerin, die aus der Oberpfalz stammt, schätzt, dass die Waage um 1900 hergestellt wurde. Den Namen der Marke kennt sie nicht, nur eine Schlange mit einem Pfeil durch die Mitte deutet auf den Hersteller hin. Neben einer Laufgewichtswaage von Söhnle hat Ruth Baumann aus Böhl-Iggelheim auch noch eine alte Eierwaage. Ihr Schwiegervater hielt sich vor vielen Jahren Hühner. Um die Eier nach Größe verkaufen zu können, wurden diese mit einer speziellen Waage gewogen. „Die funktioniert heute noch“, erzählt sie. Weitere Zusendungen Überwältigend war die Zahl der Einsendungen nach dem Aufruf für die Serie „Gibt es das noch“. Leider können nicht alle Beiträge veröffentlicht werden. Mitgemacht haben auch Renate Overberg aus Otterstadt, Klaus Kuhn aus Dannstadt-Schauernheim, Johanna Graff aus Limburgerhof, Volker Fickler aus Maxdorf, Marianne Reisner und Elfriede Magin aus Mutterstadt. Wir bedanken uns ganz herzlich .

Stefanie Bengerts Waage dekoriert ihre Apotheke.
Stefanie Bengerts Waage dekoriert ihre Apotheke.
Ruth Müllers Waage leistete gute Dienste bei den jährlichen Hausschlachtungen, dann wurden Gewürze und Fleisch abgemessen.
Ruth Müllers Waage leistete gute Dienste bei den jährlichen Hausschlachtungen, dann wurden Gewürze und Fleisch abgemessen.
Wiltrud Haueisen mit dem Erbstück von ihrer Mutter.
Wiltrud Haueisen mit dem Erbstück von ihrer Mutter.
Sabine Gausepohl wiegt auch Pakete auf ihrer Waage.
Sabine Gausepohl wiegt auch Pakete auf ihrer Waage.
Gertraud Schmitts Waage ist heute nur noch Deko.
Gertraud Schmitts Waage ist heute nur noch Deko.
Thea Hirsch mit dem Geschenk ihrer Patentante.
Thea Hirsch mit dem Geschenk ihrer Patentante.
Amalie Fichtenmeiers Waage ist ein Nachkriegsmodell.
Amalie Fichtenmeiers Waage ist ein Nachkriegsmodell.
Hans-Eberhard Strübels Kater in der alten Waage.
Hans-Eberhard Strübels Kater in der alten Waage.
Die Waage der 91-jährigen Hedwig Hoffmann war ein Hochzeitsgeschenk.
Die Waage der 91-jährigen Hedwig Hoffmann war ein Hochzeitsgeschenk.
Susanne Mathes hat ihre Tochter mit der Küchenwaage gewogen und es fürs Album festgehalten.
Susanne Mathes hat ihre Tochter mit der Küchenwaage gewogen und es fürs Album festgehalten.
Ruth Baumann hat eine alte Eierwaage.
Ruth Baumann hat eine alte Eierwaage.
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