Ludwigshafen „Ich bin der Heynckes der Kreisliga“
«Mannheim.» Timo Zahnleiter hat bei 1860 München in der Bundesliga gespielt und Eintracht Frankfurt trainiert. Außerdem war er Spieler und Trainer in Griechenland. Jetzt coacht er mit 69 Jahren den Kreisligisten Mannheimer FC Phönix.
Das Schlimmste hat Timo Zahnleiter schon überstanden. Zumindest, wenn es um die Temperaturen geht, bei denen der Trainer-Veteran seiner Aufgabe nachgeht. Am vergangenen Sonntag stand Zahnleiter zwar mit einer dicken Jacke am Spielfeldrand, aber weil sich das Wetter in Mannheim innerhalb von 48 Stunden von winterlich zu frühlingshaft verändert hatte und das Thermometer zehn Grad und mehr anzeigte, fror der Coach des Mannheimer FC Phönix nicht. Das war gut, denn es gab nicht viele Gründe, um sich an dem zu erwärmen, was seine Mannschaft zeigte. „Das war eine ganz schöne Kickerei“, gab Zahnleiter zu. Immerhin, nach dem 0:0 gegen die TSG Lützelsachsen ist der MFC unter dem neuen Trainer nach zwei Spielen noch ungeschlagen. Die Mission des 69-Jährigen, den Klub vor dem Abstieg aus der Kreisliga zu bewahren, ist auf einem guten Weg. Ein Anruf eines befreundeten ehemaligen Spielers sorgte dafür, dass Hans-Dieter Zahnleiter, den alle nur Timo nennen, zu Beginn des Jahres auf den Fußballplatz zurückkehrte. Weil der Trainer erkrankt war, brauchte Phönix einen neuen Übungsleiter, und Zahnleiter erklärte sich bereit, den Job zu übernehmen. Neun Jahre zuvor hatte er sich in den Ruhestand verabschiedet, ehe er sich als eine Art „Freundschaftsdienst“ zum Job beim MFC überreden ließ. „Jetzt bin ich so etwas wie der Jupp Heynckes der Kreisliga“, witzelt Zahnleiter mit Blick auf die Rückkehr des Bayern-Trainers. Ein Stück Wahrheit liegt in diesem Vergleich, aber es gibt auch große Unterschiede. Während der Bayern-Jupp Weltstars betreut und mit seiner Mannschaft Titel gewinnen wird, muss sich der Phönix-Timo damit abfinden, dass er viel Fehlerbehaftetes sieht. „In dieser Liga braucht man viel Gelassenheit“, sagt Zahnleiter: „Mit übertriebenem Ehrgeiz bekommt man ja die Krise.“ Zahnleiter strahlt viel Ruhe aus. Deshalb verfolgte er das Treiben auf dem unebenen Rasen entspannt, als sich seine Spieler gegen das Team aus Lützelsachsen abmühten. Mit ihn sahen sich das Mittelfeldduell der Mannheimer Kreisliga etwa 50 Menschen an. Zum Glück waren die Temperaturen deutlich angestiegen, sonst wären es noch weniger gewesen. Vielleicht hat sich Zahnleiter ein paar Mal daran zurückerinnert, wie es früher war. Nach seiner Zeit als aktiver Fußballer, in der er unter anderem für den TSV 1860 München und AEK Athen in Griechenland spielte, hatte Zahnleiter eine formidable Karriere als Trainer. Bei Eintracht Frankfurt war er in der Saison 1986/87 Cheftrainer in der Bundesliga – und dort traf er auch einmal auf Jupp Heynckes. Am 4. April schlugen die Frankfurter mit Zahnleiter Borussia Mönchengladbach mit Heynckes auf der Bank mit 4:0. Damals waren zigtausende Zuschauer Zeuge seiner Arbeit. Für Zahnleiter folgten Stationen als Co-Trainer bei der Eintracht und als „Chef“ bei PAS Iannina, Ethnikos Piräus, Ethnikos Asteras und Anagennisi Karditsa in Griechenland. Anfang des Jahrtausends kehrte er nach Deutschland zurück, coachte ein paar Vereine im Rhein-Neckar-Raum und zog sich 2009 aufs Altenteil zurück – bis vor ein paar Wochen. Zu alt fühlt er sich nicht für seine Aufgabe. „Die Frage ist, wie jung man im Geiste ist“, sagt der Fußballlehrer: „Ich habe keine Probleme im Umgang mit den jungen Leuten.“ Und die offenbar auch nicht mit ihm, denn sie folgen den Anweisungen des 69-Jährigen. Gegen Lützelsachsen schafft es der MFC Phönix zum ersten Mal in der laufenden Saison, ohne Gegentor zu bleiben. Zahnleiter weiß, dass er sich mit kleinen Fortschritten zufriedengeben muss. Einen Sieg und ein Unentschieden gab es in den zwei Partien unter seiner Regie – der Start ist geglückt. Im Gegensatz zum Jupp im fernen München will sich Zahnleiter noch nicht festlegen, was nach dem 30. Juni geschieht. „Ich habe keine Ahnung, was dann passieren wird.“ Wenn die Vereinsführung des MFC mit ihm weiterarbeiten möchte, wäre eine Fortsetzung denkbar. „Ich bin dem Fußball ja immer verbunden geblieben“, sagt der Trainer-Rentner ohne Ruhestand. Er bereitet sich bereits intensiv auf den kommenden Sonntag vor – dann gastiert er mit seiner Mannschaft beim Tabellenzweiten FK Srbija Mannheim. „Das wird ein Härtetest für uns“, sagt Zahnleiter.