Pop
„Ich bin bei ihm auf dem Radar“: Das sagt Gringo Mayer zu einer Kooperation mit Apache
Die Sonne bricht zwischen den Wolken durch, das freundliche Frühlingswetter mitten im März passt zu Gringo Mayers guter Laune. „Ich bin sehr zufrieden, wir sind total happy“, sagt der Mann, der Indie-Pop in pfälzischer Mundart im ganzen Land salonfähig gemacht hat, zur aktuellen Stimmungslage bei ihm und seiner Kegelband. Die Cowboystiefel und den Anzug, den fast schon ikonischen Gringo-Dresscode bei seinen Auftritten, hat der 37-Jährige beim Treffen in einem italienischen Restaurant in der Mannheimer Neckarstadt zu Hause gelassen. Ganz in Zivil, er trägt Sonnenbrille und Sneakers, gibt Mayer bei einer Tasse Kaffee ausgiebig Auskunft zum Stand der Dinge.
Richtig weg war Gringo natürlich nie, dennoch markiert die neue EP „Peng Peng“ den Aufbruch in eine neue Etappe einer erstaunlichen Selfmade-Karriere. Seit seinem fulminanten Debüt „Nimmi normal“ 2021 hat sich der Ludwigshafener in der Region als feste Institution etabliert, als eine Art singender Volksheld, auf den sich irgendwie alle verständigen können. Vom Teenager bis zum 60-Jährigen, auf seinen atmosphärisch dichten Konzerten feiern sie alle gemeinsam zu den Gassenhauern „Oh Jesses“, „Ahjoo“ oder „Gibt’s do net“.
Ein Jahr nach seiner hervorragenden dritten Platte „Laav“ hat Gringo eine EP mit drei neuen Songs herausgebracht – eine Rückkehr mit Knalleffekt. Der Titelsong „Peng Peng in de Palz“ zündet sofort, und zitiert im Text die eigene Lebensgeschichte. „Ich bin geboren in der Gartenstadt, Ernst-Reuter-Siedlung. Es waren die wilden 80er. Von unten haben sie getreten. Von oben haben sie gelacht. Ich hab’ sie alle fertiggemacht“, heißt es dort. „Eigentlich ist es mein bisher biografischster Song“, sagt Mayer. „Jede Strophe erzählt den Weg von ganz früher, meiner Kindheit in Ludwigshafen, bis heute. Mein Leben, wie ich es von der Gartenstadt aus wahrgenommen habe. Die Unklarheiten, die Träume und was man eigentlich zu erwarten hat als Ludwigshafener. Wie das alles miteinander kollidiert. Viel mehr Lokalkolorit geht nicht.“
„Ganove“ wird im Radio gespielt
„Peng Peng“ bewegt sich bei den sechsstelligen Streamingaufrufen schon jetzt, nur einen Monat nach Erscheinen, fast auf dem Niveau der zugkräftigsten Gringo-Nummern der Vergangenheit. Und „Ganove“, der Bruce-Springsteen-Vibes versprühende zweite Song der neuen EP, hat es ins Musik-Programm von SWR1 und RPR geschafft. Ein großer Erfolg für einen immer noch vergleichsweise kleinen Künstler. „Alle wollen ins Radio, es wird aber immer schwieriger. Es ist immer noch ein großer Vorteil, dort gespielt zu werden“, sagt Mayer.
Es läuft alles in die richtige Richtung. Gringos Reichweite steigt, seine Konzerte sind in unseren Breiten immer ausverkauft. Organisches Wachstum. Und dann ist da noch die Geschichte mit Apache 207, dem neuen deutschen Pop-Titan, wie Mayer in der Ludwigshafener Gartenstadt aufgewachsen. Am Ende einer Apache-Show in der SAP Arena lief jüngst plötzlich Gringos Klassiker „Ahjoo“ vom Band. Deutet sich da etwa eine Zusammenarbeit an? „Das Krasseste war, dass er mir bei Social Media gefolgt ist. Da stand dann: ,Apache folgt Dir jetzt’. Da habe ich gemerkt, dass ich bei ihm auf dem Radar bin. Wir haben auch schon kurz geschrieben. Das war für mich schon ein Wow-Moment“, sagt Mayer. Eine Kooperation scheint nach den jüngsten Annäherungen zumindest denkbar. „Es ist nichts Konkretes in Planung, aber irgendwann muss das kommen.“
Olaf Opal produziert die neue Platte
Erst einmal steht aber die weitere Arbeit am vierten Album an, für das mit „Peng Peng“ schon eine vielversprechende Grundlage geschaffen ist. Für die Platte, die gegen Ende des Jahres erscheinen soll, hat sich Gringo erstmals externe Unterstützung ins Haus geholt. Und zwar sehr namhafte. Olaf Opal, der unter anderem The Notwists Meisterwerk „Neon Golden“, die Beatsteaks, Juli oder Liquidos Welthit „Narcotic“ produziert hat, steht bei Gringo Nummer 4 hinter den Reglern.
„Beim letzten Album habe ich gemerkt, dass ich an Grenzen stoße, wenn ich fast alles alleine mache. Danach war ich das erste Mal bereit, etwas abzugeben. Ich habe gemerkt, ich brauche neuen Input. Das ist für mich auch eine Entwicklung. Dann hat mein Manager Lukas Olaf Opal ins Spiel gebracht. Er hat sich total gefreut, obwohl er mich gar nicht kannte. Wir waren schon ein paar Mal im Studio, das war toll und auf Augenhöhe“, sagt Mayer.
Das Ziel auf dem neuen Album sei, „internationaler zu klingen“, den eigenen Sound zu verfeinern, auch mehr kreativen Input aus den Reihen der Kegelband zuzulassen, ohne den klassischen Gringo-Stil zwischen Indie-Blues, Pop und Alternative Rock zu verwässern. Bisher lässt sich die Zusammenarbeit offenbar sehr verheißungsvoll an. „Ich glaube, das wird die beste Platte, die ich je gemacht habe“, sagt der Ludwigshafener.
Aber bevor es mit dem neuen Material auf große Deutschland-Tour geht – im Februar und März 2027 kommt Gringo unter anderem auch wieder nach Kaiserslautern, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim –, stehen im Sommer erst einmal Festival-Auftritte an. Eine besondere Beziehung hat der 37-Jährige zum „Limburg Sommer“ in der stimmungsvollen Klosterruine über den Dächern Bad Dürkheims aufgebaut. „Das Ambiente dort ist einfach toll“, sagt Mayer. Auch seine Fans lieben die Location, die Konzerte am 9. und 11. Juli waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. „Wir hätten wahrscheinlich auch die ganze Woche dort spielen können“, meint Gringo mit einem Lachen. Beim Thema Festivals denkt der Wahl-Mannheimer aber groß, selbstverständlich mit einem Augenzwinkern: „Ich sehe uns irgendwann natürlich als Headliner bei Rock am Ring.“