Bestseller der Buchhandlungen RHEINPFALZ Plus Artikel Hoher Anspruch und hoher Absatz

Das Känguru rebelliert wieder: Marc-Uwe Kling im vergangenen Jahr bei einer Lesung im Mannheimer Rosengarten.
Das Känguru rebelliert wieder: Marc-Uwe Kling im vergangenen Jahr bei einer Lesung im Mannheimer Rosengarten.

Marc-Uwe Klings „Känguru-Rebellion“ hat einen raketenartigen Start hingelegt. Knapp dahinter lag im März auf der regionalen Bestsellerliste Freida McFadden.

Zwei Autoren, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, haben sich im März zu ihrem Schreiben und zu ihrer Existenz als Schriftsteller geäußert: Deutschlands Bestseller-König Sebastian Fitzek und der britisch-indische Salman Rushdie. Der eine hat den Verkauf seiner Bücher im Blick, der andere die Kunst.

Der mit seinen Psychothrillern seit 20 Jahren die Listen stürmende Fitzek gestand der „Deutschen Presse-Agentur“ in einem Interview, dass er ständig Angst habe. Der Autor, der seinen Lesern wohlige Schauder des Grauens einjagt, hat also selbst Angst. Wovor denn? Etwa davor, Opfer eines psychopathischen, sadistischen Serienmörders zu werden?

Angst zu scheitern

Keineswegs. Zweifel an sich selbst machen ihm das Leben schwer. Als Beispiel nannte Fitzek in dem Interview seinen Thriller „Passagier 23“ aus dem Jahr 2014, der von verschwundenen Reisenden auf einem Kreuzfahrtschiff handelt. „Ich ging fest davon aus, dass er ein Flop wird“, sagte Fitzek. „Du hast ein Buch über ein Traumschiff geschrieben. Traumschiffleser wollen keine Psychothriller und die Psychothriller-Fans wollen nichts über ein Traumschiff lesen. Du hast dich völlig zwischen die Stühle gesetzt.“ Das war eine Fehleinschätzung, denn das Buch hat dann drei Monate auf Platz eins der „Spiegel“-Bestseller-Liste gestanden. Es sei sein erster Nummer-Eins-Hardcover-Erfolg gewesen, sagte Fitzek. Doch dieser Roman sei nur ein Beispiel von vielen, denn er zweifle „permanent komplett immer“.

Wovor also hat Fitzek Angst? Er hat Angst davor zu scheitern. Er ängstigt sich davor, keinen Erfolg zu haben, was für ihn dasselbe bedeutet wie versagen. Und der Erfolg bemisst sich für ihn an den Verkaufszahlen seiner Bücher. Damit ist Sebastian Fitzek im Buchgeschäft genau richtig, von dem er sich freilich abhängig macht. Nach seinem Geständnis ist davon auszugehen, dass er seine Bücher am Publikumsgeschmack ausrichtet, was auch seine Orientierung an der Fernsehserie „Das Traumschiff“ verrät. Aber Fitzek hat sich keineswegs zwischen alle Stühle gesetzt und ist zum schwarzen Schaf der Unterhaltungsindustrie geworden. Die Schnittmenge zwischen den herzigen Happy-End-Geschichten der Fernsehserie „Das Traumschiff“ mit ihren Millionen Zuschauern und den Lesern seiner oft Grausamkeiten genüsslich auskostenden Psychothriller ist offenbar größer, als er annimmt.

Dagegen hat Salman Rushdie, der seit fast 40 Jahren von den intoleranten Religionsführern des Iran mit dem Tod bedroht wird und vor vier Jahren fast von einem fanatischen Attentäter in den USA umgebracht worden wäre, in einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ eine völlig andere Einstellung an den Tag gelegt. Er schreibe nur, wenn er etwas zu sagen habe. „Man schreibt die Bücher, die zu einem kommen und bei denen man sagt: Du musst diese Geschichte erzählen.“ Solche Bücher oder auch Bilder hätten dann die Kraft, das Weltbild eines Menschen zu ändern: „Keine politische Revolution, aber eine Revolution im Individuum.“ So sei es ihm selbst bei der Begegnung mit Picassos „Guernica“ ergangen. „Wenn ich an Krieg denke, denke ich an dieses Gemälde“, sagte er. Kunst enthülle eben im Gegensatz zu Ideologie die Wahrheit. Politiker würden Sprache benutzen, um zu verbergen, was wirklich vor sich gehe, Künstler, um zu zeigen, was wirklich vor sich gehe.

So stehen sich mit Fitzek und Rushdie exemplarisch zwei Autorentypen gegenüber, die schon der Philosoph Arthur Schopenhauer in der Mitte des 19. Jahrhunderts diagnostiziert hatte, als er schrieb: „Zuvörderst gibt es zweierlei Schriftsteller: solche , die der Sache wegen, und solche, die des Schreibens wegen schreiben. Jene haben Gedanken gehabt, oder Erfahrungen gemacht, die ihnen mittheilenswert scheinen; Diese brauchen Geld, und deshalb schreiben sie, für Geld.“ Sonntagskinder der Literatur sind Schriftsteller wie Thomas Mann, bei denen beides zusammenkommt: hoher Absatz und hoher Anspruch.

Die Geister der Verstorbenen

Seine Todesangst hat Salman Rushdie mit dem vor zwei Jahren erschienenen Buch „Knife“ („Messer“) bewältigt. „Die elfte Stunde“, sein jüngstes Buch, beschäftigt sich in fünf Erzählungen mit dem Tod. In einer sucht ein Geist nach postumer Gerechtigkeit. Sebastian Fitzek steht derzeit mit „REM“, das er gemeinsam mit Annika Strauss geschrieben hat, auf den Bestsellerlisten. Es wird als Steigerung seiner Psychothriller zum Horror-Genre beworben. Außerdem hat sich im März Fitzeks Thriller „Die Therapie“ aus dem Jahr 2006 bei Thalia in der Rheingalerie erneuter Beliebtheit erfreut.

Den Geist tragen Siri Hustvedts „Ghost Stories“ schon im Titel (bei Bücher Bender Platz eins, auf der „Spiegel“-Liste Belletristik Platz zwei). Für die amerikanische Schriftstellerin ist ihr verstorbener Mann, der Schriftsteller Paul Auster („Die New York Trilogie“, „Baumgartner“), zum Geist geworden, der sie in ihren Erinnerungen nicht loslässt. Mit ihr und ihrem Verhältnis zu Auster beschäftigt sich auch der Dokumentarfilm „Siri Hustvedt – Dance Around the Self“, der kürzlich auf der Berlinale Premiere gefeiert hat.

Um Gerechtigkeit geht es auch dem Känguru, das Marc-Uwe Kling in der sechsten Folge seit 2009 gegen die Zustände in der Welt rebellieren lässt (Spiegel Taschenbuch Platz zwei). Unter anderem geht das Beuteltier mit Boxhandschuhen gegen den millionenfachen Tod weltweit infolge von Luftverschmutzung an. Das Känguru dürfte auch in Zukunft genügend Anlässe zur Rebellion finden.

Lesetipp

Martin Suter: Können Sie mich sehen?

Ursula Malchau vom Buchladen Gartenstadt empfiehlt von Martin Suter „Können Sie mich sehen?“ Ihre Methoden sind agil, sie handeln proaktiv, präsentieren nachhaltige und skalierbare Lösungen – Topmanager leben in anderen Sphären, heißt es im Klappentext. Da, wo die Luft dünn ist und ein einziger Fauxpas den Fall ins Bodenlose bedeuten kann. Doch nun halten Frauen Einzug ins Habitat der Krawattenträger, und das bei den Angestellten so beliebte Homeoffice lässt die Führungsriege mit abgesägten Hosen dastehen. Die Herausforderungen werden diverser. Wem kann man noch trauen? Den Topkadern entgleitet die Kontrolle. „Ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen“, findet Ursula Malchau. „Martin Suter nimmt wieder einmal die Welt der Manager pointiert und feinsinnig aufs Korn.“

Bestsellerlisten

Buchladen Gartenstadt

1. Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenerbe
2. Uwe Ittensohn: Weinfluch
3. Pierre Martin: Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
4. Pauline Voss und Julian Reichelt (Hrsg.): Links-Deutsch Deutsch-Links
5. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion

Leseecke Oppau

1. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
2. Andreas Winkelmann: Moorland – Die Zwillinge
3. Clara Lösel: Wehe du gibst auf
4. Julie Caplin: Ein Zuhause im Frühling
5. Penny Juniper: Fall For Fangs

Thalia in der Rheingalerie

1. Arno Strobel: Ungelöst – Die erste Zeugin
2. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
3. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
4. Annika Strauss und Sebastian Fitzek: REM
5. Sebastian Fitzek: Die Therapie

Thalia Frankenthal

1. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
2. Gina Greifenstein: Grumbeersupp
3. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
4. Ferdinand von Schirach: Alexander
5. Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben

Frank und Hugendubel

1. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
2. Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben
3. Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
4. Ferdinand von Schirach: Alexander
5. Ildiko von Kürthy: Alt genug

Bücher Bender, Mannheim

1. Siri Hustvedt: Ghost Stories
2. Navid Kermani: Sommer 24
3. Ferdinand von Schirach: Alexander
4. Pfälzer Restaurantführer 2026/2027
5. Svenja Leiber: Nelka

Thalia auf den Planken

1. Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion
2. Annika Strauss und Sebastian Fitzek: REM
3. Ferdinand von Schirach: Alexander
4. Freida McFadden: Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
5. Mel Robbins: Die Let them Theorie

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