Ludwigshafen
Hackerangriff? IT-Ausfall legt Ludwigshafens Verwaltung lahm
Was ist passiert?
Am Donnerstagmorgen gab es gegen 9 Uhr Alarmmeldungen von Überwachungssystemen des städtischen IT-Netzes. „Registriert wurden ernstzunehmende Auffälligkeiten im System“, sagte Ralph Bauerschmidt vom städtischen IT-Bereich am Freitag bei einer Pressekonferenz, ohne ins Detail gehen zu wollen. Die Internetgeschwindigkeit habe sich immer mehr verlangsamt. „Wir gingen zunächst von einer technischen Störung aus, aber dann hatten wir den Verdacht, dass etwas nicht stimmt“, sagte der Fachmann. Daraufhin sei ein Notfallplan aktiviert worden. „Wir haben vorsorglich den Stecker gezogen“, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos). Dies erfolgte, um Schäden abzuwenden und die Lage klären zu können. Ob die Ursache für die technischen Störungen ein Hackerangriff war, werde noch ermittelt. Dazu lasse sich noch keine verlässliche Aussage treffen, alles andere sei Spekulation. Eine externe Spezialfirma für Internetforensik wurde von der Stadt eingeschaltet. Im Laufe der Nacht zum Freitag teilte die Firma mit, dass ein Cyberangriff zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden könne.
Welche Folgen hat die Störung?
Weder die Webseiten der Stadtverwaltung noch die Online-Dienstleistungen können genutzt werden. Damit ist die Verwaltung auch per Telefon oder E-Mail nicht erreichbar. Auch die Schulen in Ludwigshafen, die am städtischen IT-Netz hängen, sind nicht erreichbar. Das gesamte IT-System der Stadt, zu dem 3700 Rechner gehören, wurde vom Netz genommen. Experten werden nun das System unter die Lupe nehmen, um zu sehen, ob Unbefugte eingedrungen sind. Systembereiche, die „sauber“ sind, sollen nach und nach wieder in Betrieb genommen werden. Wie lange diese Kontrolle dauert, konnten die Verantwortlichen nicht sagen. Genauere Prognosen seien frühestens Anfang kommender Woche möglich.
Was bedeutet das für die Bürger in Ludwigshafen?
Vor dem IT-Ausfall gebuchte Termine bei Behörden bleiben nach Angaben der Verwaltung weiter gültig. Ansonsten müssen Bürger für neue Anträge, etwa für einen Personalausweis oder eine Kfz-Anmeldung, persönlich bei der Behörde vorstellig werden. Dort sollen die Anträge handschriftlich auf Papierformularen ausgefüllt und von Mitarbeitern der Stadt entgegengenommen werden. Da ein digitales Arbeiten nicht möglich ist, werden die Anträge im Nachgang bearbeitet. „Die Abarbeitung wird länger dauern“, warb die OB um Verständnis. Alle Bereiche der Stadtverwaltung bleiben für den Publikumsverkehr geöffnet. Bei Straßenreinigung und Müllabfuhr gibt es keine Einschränkungen. Auch die Feuerwehr sei nicht beeinträchtigt. „Es gibt keine Einschränkungen bei der Sicherheit der Bürger in Ludwigshafen“, betonte die OB.
Wurden Daten von Bürgern gestohlen?
Dazu gibt es bisher keine Erkenntnisse. „Bisher haben wir keine Hinweise auf einen Datenabfluss“, sagte IT-Experte Bauerschmidt. Die Stadtverwaltung hat trotzdem vorsorglich den Landesdatenschutzbeauftragten informiert. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Landeskriminalamt wurden über den Vorfall unterrichtet.
Hat der mutmaßliche Cyberangriff einen kriminellen Hintergrund?
Die Verantwortlichen bei der Stadt betonen, dass es bisher keine Hinweise dafür gibt, dass es Hackern gelungen sein könnte, das IT-System der Stadt mit Schadsoftware zu infiltrieren. Die Daten auf den städtischen Servern seien nicht verschlüsselt worden und weiterhin für die städtischen IT-Experten zugänglich. Bei einer Hackerattacke auf die Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises waren im Oktober 2022 deren IT-System geknackt und eine Menge an Daten verschlüsselt worden, bevor der Stecker gezogen wurde. Die Kreisverwaltung wurde erpresst, die Hacker drohten, die Daten im Darknet zu veröffentlichen. Die Kreisverwaltung ließ sich nicht darauf ein. 15.000 Datensätze wurden daraufhin veröffentlicht. Die Folge: Die Behörde blieb monatelang offline. Es dauerte ein gutes Jahr, bis die Kreisverwaltung wieder voll funktionsfähig war.
Wie häufig kommt so etwas vor?
Es gibt ständig Angriffe auf die IT-Infrastruktur von Kommunen. Nach eigenen Angaben registrierte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr 150 Millionen Vorfälle. Rund 100 ernstzunehmende Attacken wurden abgewehrt. Vor allem rund um die Europa- und Kommunalwahlen im vergangenen Jahr sowie in diesem Jahr im Zusammenhang mit der OB-Wahl habe es verstärkt Attacken gegeben, sagten Bauerschmidt und Steinruck.
Wie geht’s jetzt weiter?
Experten der Verwaltung und einer externen Firma arbeiten über das Wochenende durch, um die Ursache für die „Anomalien“ ausfindig zu machen. Die Verwaltung hat einen Krisenstab unter Führung der OB gebildet, der „offen und transparent“ über die weitere Entwicklung informieren will. Auf der Homepage ludwigshafen.de soll fortlaufend ein PDF-Dokument mit den neusten Informationen aktualisiert werden.