Mannheim Grusel und „Farvel“: US-Künstlerin Kaari Upson in der Kunsthalle
Johan Holtens Finale ist ein leicht gruseliger Horrortrip zwischen Forensik, Sigmund Freud, Alfred Hitchcock und David Lynch: Abgüsse versiffter Matratzen an der Wand, verkohlte Leichen, die sich als zergliederte Puppen herausstellen, ein riesiges Puppenhaus, eine Grotte, in der – man weiß es nicht so recht – jugendgefährdende Videos laufen. Und „ungutfarbene“ Äste mit Knien hängen wie Frischfleisch im Schlachthaus.
„Mother’s Legs“, wie der Titel von Kaari Upsons Skulpturengruppe lautet, empfängt die Besucher normalerweise am Eingang der Kunsthalle. Johan Holten hat sie 2020 in seiner Auftaktschau „Umbruch“ gezeigt – und gleich für die Sammlung angekauft. Jetzt ist sie im letzten Raum zu sehen.
„Stalking“ als Kunst
Die Künstlerin Kaari Upson, Tochter einer deutschen Einwandererin, wurde 1970 in San Bernardino geboren – einer übel beleumundeten Stadt in Kalifornien, die man nicht unbedingt in seiner Vita stehen haben möchte. Sie dagegen erhebt ihre Herkunft zum Zentrum ihrer Kunst.
Bekannt wurde sie mit ihrem „Larry Project“, das obsessiv bis zur Überidentifikation einen Nachbarn umkreist: ein Typ mit Ferrari und „Playboy“-Attitüde. Sie hat ihn nie persönlich kennengelernt, doch – wenn man es so ausdrücken will – „stalkte“ sie ihn zehn Jahre lang mit einer künstlerischen Spurensuche. Mit 51 Jahren starb sie. Kurz zuvor, 2019, erlebte Kaari Upson ihren Durchbruch bei der Venedig-Biennale. Im selben Jahr waren ihre Werke im Kunstverein Hannover zu sehen. „Dollhouse“ aber, die Retrospektive, ist ihre erste Einzelschau in einem großen deutschen Museum – und ein sehr würdiges „Farvel“ für den vifen, wirbelnden Ausstellungsmacher.
Die Ausstellung
Bis 31. Mai in der Kunsthalle Mannheim. www.kuma.art