Kleinniedesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Grafische Arbeiten des 20. und 21. Jahrhunderts im Schloss

Gottlieb Teufel starb 1925 mit nur 38 Jahren. Bei seiner Skizze „Sensenmann“ mäht der Protagonist mit der Sense alles ab.
Gottlieb Teufel starb 1925 mit nur 38 Jahren. Bei seiner Skizze »Sensenmann« mäht der Protagonist mit der Sense alles ab.

Seit Sonntag wartet das Kleinniedesheimer Schloss wieder mit einer Kunstausstellung auf. Diesmal sind es grafische Arbeiten des 20. und 21. Jahrhunderts.

Fast könne man das Kleinniedesheimer Schloss als Bildungsstätte bezeichnen. Denn eine vom Leiter des Kulturbüros des Kreises, Paul Platz, und Kurator Oliver Bentz 2013 initiierte Reihe bringt dem Laien wie dem Kunstinteressierten das breite Spektrum der Bildenden Kunst, aber auch die Kunstschaffenden näher – vorwiegend des 20. Jahrhunderts.

Unter dem Titel „Kunst der Zeichnung“ sind es heuer 21 Kohle-, Kreide-, Tusche- oder Bleistiftzeichnungen von 14 Künstlern. Eine kleine Entdeckungshilfe gab bei der Vernissage am Sonntag Thomas Duttenhoefer, über drei Jahrzehnte Hochschullehrer für Zeichnung in Trier und Mannheim. Von Duttenhoefer stammt auch das Motto der sehenswerten, ja spannenden Ausstellung: „Den falschen Ton hören viele. Die falsche Linie sehen wenige“.

Alles beginnt mit einer Linie

Zeichnen beginne mit einer Linie oder, wie es Paul Klee formuliert habe, mit einem „Punkt, der auf Reisen geht“. Zeichnen und damit das Sehen lernen gehöre zur Ausbildung der Studenten. Welchen Stellenwert große Maler dem Zeichnen zustanden, zeigen Duttenhoefers Zitate des Griechen Apelles „Kein Tag ohne Linie“ und Michelangelos „Antonio, zeichne, zeichne und höre nicht mehr auf“. Dennoch war die Zeichnung trotz großer historischer Vorbilder wie Albrecht Dürer zeitweise in den Hintergrund gerückt, fand mehr als Skizze und Entwurf Beachtung. Das habe sich, so Duttenhoefer seit einigen Jahrzehnten wieder geändert.

Für Studierende sei das Aktzeichnen wichtig, um die Proportionen der menschlichen Figur kennenzulernen. Vielleicht deshalb ist der Akt ein Schwerpunkt der Ausstellung. Von Karl Kunz, der sich in späten Jahren zum Surrealisten entwickelte, stammen abstrahierte, freie Akte aus den 60er-Jahren. Bei Otto Gleichmann überwiegt mehr das Porträt der ansonsten gesichtslosen Modelle. Humorvoll kommt Kurt Moldovans „Einhorn und Sphinx“ rüber. Der Österreicher illustrierte auch Bücher und zeichnete Karikaturen. Als solche wirkt die mit wenigen schnellen Strichen entstandene Szene wie Einhorn die Sphinx bespringt.

Zeichnung mit dreidimensionaler Wirkung

Alo Altripp gilt als Maler der neuen Sachlichkeit. Seine abstrakte, in Schwarz- und Grautönen mit dominierendem Weiß gehaltene Arbeit könnte man in die Gattung Stillleben einordnen. Die Zeichnung besticht durch ihre dreidimensionale Wirkung, in Teilen lässt Altripp die Formen überlappen, verdecken oder transparent durchscheinen. Tatsächlich Leichtigkeit versprüht „Leicht – sommerlich“ von Bernhard Schultze. Es ist ein fein gezeichnetes Sammelsurium, in dem man Baumstumpf, Spinnennetze, Blumen, allerlei Getier, Gräser, Faune und Kobolde entdecken kann. Fast ein Rätselbild, das Spaß macht, es zu ergründen.

Auf Tod und Terror bezieht sich wohl Herwig Zens’ Tuschezeichnung „Der Herr von Budapest“. Mittig ein Männerkopf, die ausgestreckte Hand skelettiert. Um ihn herum Wahrzeichen der Stadt. Vielleicht eine Andeutung an die blutig niedergeschlagene Ungarische Revolution 1956? Gottlieb Teufel starb 1925 mit 38 Jahren. Entstanden sind Skizze und Radierung zu seinem Sensenmann vielleicht unter dem Einfluss des Ersten Weltkriegs? Sein Protagonist schreitet auf vorgegebenem Weg aus und mäht mit der Sense alles ab.

Zweideutig ist die Tuschearbeit von Alfred Kremer: Mittig eine Strichmännchenfigur, unter deren langen Armen sich gesichtslose Figuren verbergen. Unwillkürlich fällt einem die Schutzmantelmadonna ein, aber der quadratische Kopf könnte auch auf eine alles beherrschende Maschine deuten.

Auch aktive Künstler vertreten

Mit Johanna Krimmel und Thomas Duttenhoefer sind noch lebende, aktive Künstler vertreten. Die geschmeidig, ruhig-tastenden Bewegungen der Sumo-Ringer gibt Johanna Krimmel, geboren 1974, in ihrer Tuschezeichnung wieder. Thomas Duttenhoefer, Jahrgang 1950, präsentiert eine in diesem Jahr entstandene Kohlearbeit aus seinem Zyklus „Schwarze Zeichnungen“. Sie zeigt menschliche Figuren mit Menschen-, Hunde- oder Stierköpfen. Man fühlt sich an mythische Figuren der Antike erinnert, aber auch im Christentum sind Mischwesen nicht fremd. So stellt die Orthodoxe Kirche noch heute den Heiligen Christophorus als Hundsköpfigen dar.

Termin

„Die Kunst der Zeichnung“ ist bis 10. Mai im Schloss Kleinniedesheim zu sehen, jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr.

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