Ludwigshafen Größter Batzen für Kindertagesstätten

Bei einer Enthaltung hat der Jugendhilfeausschuss gestern die Ansätze für den Jugendbereich im städtischen Doppelhaushalt 2017/18 gebilligt. Auf über 90 Millionen Euro belaufen sich die Ausgaben für das Jugendamt, die Kindertagesstätten sowie Jugendförderung und Erziehungsberatungsstelle. Hinzu kommen 7,2 Millionen Euro Aufwand für das Ludwigshafener Zentrum für individuelle Erziehungshilfen (Luzie).
Der mit Abstand größte Batzen, 48,6 Millionen Euro, fließt in die Kindertagesstätten. Das entspricht 54 Prozent des Jugendbudgets. Es folgen mit 33,5 Millionen Euro das Jugendamt und die Jugendförderung und Erziehungsberatung mit 8,6 Millionen Euro. Das Jugendamt muss sich nach Angaben von Amtsleiter Jürgen May ab 2017 auf deutlich höhere Kosten im Bereich Unterhaltsvorschuss einstellen. Wegen einer Reform des entsprechenden Gesetzes geht May von einer Verdoppelung der Fallzahlen und zusätzlichen Personalkosten für sechs neue Stellen aus. Denn der Unterhaltsvorschuss soll künftig zeitlich entfristet und bis zur Volljährigkeit gezahlt werden. Weitere Kostensteigerungen sind May zufolge vor allem im Bereich stationäre Hilfen zu erwarten. Denn das Jugendamt habe rund 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen müssen. Für die SPD begrüßte Anke Simon, dass Ludwigshafen trotz hoher Schulden keine Jugendeinrichtungen schließe. Wilhelma Metzler (CDU) stellte fest, dass der Ausbau der Kindertagesstätten der Stadt am Rhein lieb und teuer ist. 135 Millionen Euro werde Ludwigshafen insgesamt in das Projekt investieren, 110 Millionen müsse die Stadt stemmen, kritisierte Metzler mit Blick auf das magere Engagement von Bund und Land. Zweites großes Thema im Jugendhilfeausschuss war der Kindertagesstättenbericht 2015/16. Am Stichtag 1. März 2016 gab es in Ludwigshafen 6354 Plätze in Kindertagesstätten, 1181 davon für Zweijährige. Weil Erzieherstellen nicht besetzt werden konnten und wegen laufender Umbauten, konnten nur 6021 Plätze belegt werden. 45 Prozent, also 2829, sind Ganztagsplätze. Zudem gibt es 273 Tagespflege- und 959 Hortplätze für Schulkinder. Die Bilanz des Berichts lautet: In Ludwigshafen fehlen Kita- und Krippenplätze. Das soll sich durch das im Jahr 2015 vom Stadtrat beschlossene dritte Ausbaupakt ändern, bei dem 1200 weitere Kitaplätze entstehen sollen. Die Christdemokratin Metzler mahnte an, dass Verwaltung und Politik nicht nur die Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten im Blick haben müssten, sondern auch für Kinder im Grundschulalter ein gutes Betreuungsangebot gebraucht werde. Die Mundenheimerin sprach sich daher für die Einrichtung weiterer Ganztagsschulen aus. Das hörte David Schneider (SPD) gern und schloss sich dem Wunsch nach zusätzlichen Ganztagsschulen für Ludwigshafen an. Zumal das Land die Kosten für schulische Angebote trage, während Horte und Betreuungsangebote an Grundschulen von der Stadt finanziert werden müssten. Mit Blick auf den Fachkräftemangel im Erzieherbereich – im Schnitt sind stadtweit 30 Stellen unbesetzt – sprach sich Schneider dafür aus, dass die Verwaltung weiterhin engagiert um geeignetes Personal werben möge. Für die FDP plädierte Jörg Matzat dafür, die Ursachen für den Fachkräftemangel zu analysieren und bei der Einrichtung von Ganztagsschulen ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Ibrahim Yetkin (Die Grünen) schloss sich ebenfalls dem Plädoyer für mehr Ganztagsschulen an und regte an, über eine bessere Bezahlung für Erzieher nachzudenken, um den Beruf attraktiver zu machen. Über das parteiübergreifende Votum für mehr Ganztagsschulen freute sich Cornelia Reifenberg (CDU). Sie habe immer ein großes Interesse am Ausbau der Ganztagsangebote gehabt, so die Dezernentin. Aber die Entscheidung darüber liege bei den Schulen. |evo