Ludwigshafen Gipfelsturm und Freiheitskampf

Das Programm für das Jubiläumskonzert war anspruchsvoll, doch das große Orchester der Blaskapelle meisterte die Herausforderung.
Das Programm für das Jubiläumskonzert war anspruchsvoll, doch das große Orchester der Blaskapelle meisterte die Herausforderung.

«Mutterstadt.» Originalkompositionen sinfonischer Blasmusik, zünftige Marschmusik und moderne Musicalklänge – all das hatte das Orchester der Blaskapelle Mutterstadt für ihr Jubiläumskonzert im Repertoire. Der 90. „Geburtstag“ des Musikvereins ist am Sonntag im Mutterstadter Palatinum gefeiert worden. Unter der Leitung von Thomas Zelt zeigten die Musiker ihre musikalische Bandbreite.

Die Harfe auf der Bühne war ein echter Hingucker, und doch nur ein Aspekt der glanzvollen Kulisse im Mutterstadter Palatinum. Und so fragte der Vereinsvorsitzende Peter Reinartz zu Beginn rein rhetorisch: „Wo wären wir, wenn wir nicht diesen Konzertsaal hätten?“ Seit 20 Jahren spielt die Blaskapelle dort ihr Jahreskonzert. Und die tolle Bühne, die Akustik, die Beleuchtung, das ganze Ambiente ließ erfassen, was die Spielstätte für das Kulturleben im Ort und in der Region bedeutet. Dirigent und Musiker des Blasorchesters wussten es zu schätzen und spielten schon im ersten Teil des Jubiläumskonzerts die Bandbreite der Instrumente aus. Mit dem „Concert Fanfare“ von Kees Vlak stellten sie ihr Orchester und seine Instrumente in kontrastreichen Klangfarben vor. In „Mont Blanc“, einem Werk aus der Feder des Österreichers Otto M. Schwarz, wird die hochalpine Naturkulisse des höchsten europäischen Gipfels vertont – ebenso modern wie originell. Da pfiffen Windböen um den Fels, peitschte Regen durch die Landschaft, zuckten Blitze und hallten Donnerschläge. Vogelgezwitscher und zartes Holzbläserspiel ließ das Wetter musikalisch wieder aufklaren und die Gipfelstürmer zum letzten Anlauf auf ihr Ziel aufbrechen. Stefanie Bieri-Wolf moderierte charmant durch den Abend und erläuterte dem Publikum die doch gelegentlich verwirrenden Klangwelten. Nach dem alpinen Gipfelsturm ging es musikalisch in den Tiroler Freiheitskampf. Auch hier nahm die Moderatorin das Publikum mit – mitten in das Schlachtengetümmel am Bergisel. Sepp Tanzers Komposition „Tirol 1809“ führte die Trompeten, das Flügelhorn und alle anderen Blechbläser zu ihren Ursprüngen zurück. Das militärische Signal, die Posaunen von Jericho, die Militärkapelle – all das zeigte, wie durchdringend, kämpferisch und auftrumpfend die Blasinstrumente sein können. Die Holzbläser sorgten für die feinen Zwischentöne, die fünf Schlagwerker im Hintergrund ließen die Kanonen donnern und den Marschschritt dröhnen. Dirigent Thomas Zelt hat mit diesem ersten Programmblock seine Musikanten gehörig gefordert. Die vielen Probenabende, ein Probewochenende und dann noch drei Proben im Palatinum haben sich gelohnt. Das Orchester hat die Herausforderung mit Bravur gemeistert. Auftakt im zweiten Teil des Konzerts war der Traditionsmarsch „Alte Kameraden“. Dabei brillierte ein Trompetensextett, begleitet vom Orchester mit „Bugler’s Holiday“, einem Glanzstück von Leroy Anderson. Eindrucksvoll war dann eine Melodienfolge aus dem Musical „Das Phantom der Oper“. Dabei hatte Harfenistin Amélie Schwarz ihre Premiere beim Blasorchester. Sie hatten ihren Solo-Einsatz bei den lyrischen Passagen. Äußert lustig wurde dann das Werk „Grand Filou“ von Xaver Lechler mit widerstreitenden Musikern und einem kalt gestellten Dirigenten vorgetragen. Danach forderte das begeisterte Publikum einige Zugaben. Der unmissverständliche Schlusspunkt war das Stück „Guten Abend, gute Nacht“, das sich in ein jazziges Big-Band-Stück wandelte und munter dem Gute-Nacht-Kuss entgegen groovte.

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