Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Geschwister-Scholl-Gymnasium: Schüler im Dialog mit Vorbildern

Prominenter Gast: Ministerin Dörte Schall hat am GSG ihr Abi gemacht und war bei dem neuen Format gerne dabei.
Prominenter Gast: Ministerin Dörte Schall hat am GSG ihr Abi gemacht und war bei dem neuen Format gerne dabei.

Welcher Beruf ist nach der Schule der richtige? Vielen Jugendlichen fehlt die Orientierung. Ein Ludwigshafener Gymnasium geht neue Wege.

Es ist kurz vor 18 Uhr am Freitagabend, und am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Süd (GSG) sind noch alle Fenster hell erleuchtet. Denn die Schule feiert zu ungewohnter Stunde eine Premiere: „Talk’n’Walk“ heißt das neue Format, mit dem die Schüler bei der Berufswahl unterstützt werden sollen. Viele Ehemalige, sogenannte Alumni, sind deshalb der Einladung an ihr Gymnasium gefolgt, um mit den Jugendlichen, die in den nächsten Jahren ihr Abitur machen, über berufliche Möglichkeiten zu sprechen. In der Aula kommen zunächst alle Gäste und viele interessierte Schüler zu einem fröhlichen „Hallo“ zusammen. Dann verteilen sich die mehr als 50 Referenten auf die Klassenzimmer, um in kleinen Gesprächsrunden über ihre Berufe zu berichten und die Fragen der Schüler zu beantworten.

Lehrer Markus Kreß erklärt das neue Format: „Das GSG geht neue Wege.“ Menschen, die selbst auf das Scholl gegangen sind und hier ihren Abschluss gemacht haben, die viele unterschiedliche Laufbahnen eingeschlagen haben, berichten Kreß zufolge Jahrgängen der Oberstufe und der zehnten Klassen von ihren Lebenswegen. Aber nicht in irgendwelchen Vorträgen. Bei „Talk’n’Walk“ gehe es vielmehr darum, entspannt ins Gespräch zu kommen: sich unterhalten, Fragen stellen, Ideen entwickeln, sich austauschen. Die Schüler sollen dabei von den Informationen und Erfahrungen der Ehemaligen profitieren und Kontakte knüpfen.

„Idee ist super“

Mit von der Partie ist auch Dörte Schall, ehemalige Scholl-Schülerin und zurzeit SPD-Ministerin für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz. „Die Idee ist super“, sagt die 48-Jährige, die 1997 ihr Abi in Ludwigshafen gemacht hat, begeistert. „Das hätte ich mir in der Oberstufe auch gewünscht, dass mir jemand etwas über Berufe und das Arbeitsleben erzählt.“

Lange Listen: Rund 50 Gesprächspartner standen für die Schüler in den Klassensälen zur Auswahl.
Lange Listen: Rund 50 Gesprächspartner standen für die Schüler in den Klassensälen zur Auswahl.

Schall hat zunächst Jura studiert, bevor sie dann für eine Gewerkschaft gearbeitet hat und in Mönchen-Gladbach Stadtdirektorin wurde. Dann führte ihr Weg sie wieder zurück nach Rheinland-Pfalz ins Mainzer Ministerium. „Es ist schön, wieder zu Hause zu sein“, sagt Schall, die im Rhein-Pfalz-Kreis lebt.

Orientierung hat gefehlt

Ihre Arbeit als Ministerin mache ihr viel Spaß, erklärt Schall. Was sie tue, habe Auswirkungen auf das Leben von Menschen. Sie mag es sehr, Dinge gestalten zu können. Und deshalb kann sie den Schülerinnen, die sich an ihrem Platz versammelt haben, diesen beruflichen Weg auch empfehlen.

Das gilt auch für Valerie Schweppe. Die ehemalige GSGlerin arbeitet nach ihrem Jurastudium als Staatsanwältin in Mannheim. Ihr Abi hat die 41-Jährige 2003 bestanden. Auch Schweppe kann sich noch gut daran erinnern, dass ihr nach der Prüfung zunächst die berufliche Orientierung gefehlt hat. Sie habe nicht so recht gewusst, was sie studieren soll und zunächst mit Psychologie geliebäugelt. Im Rückblick sagt sie heute: Jura bietet sehr viele Möglichkeiten. Ihre Arbeit im Strafrecht findet Schweppe sehr abwechslungsreich.

Spezialisten am Start

Die Schüler vergeben für die erste Auflage von „Talk’n’Walk“ gute Noten: Adrian und Christian haben zwar noch ein bisschen Zeit bis zum Abi im Jahr 2028. Aber die beiden 16-Jährigen finden es interessant, dass sie sich an diesem Abend informieren können. Hier sind Zahnärzte, Grundschullehrerinnen, Informatiker, ein Soldat, ein Politikwissenschaftler, ein Wirtschaftspädagoge und viele andere Spezialisten am Start. Die beiden jungen Männer haben schon recht konkrete Vorstellungen: Adrian denkt darüber nach, Luft- und Raumfahrtinformatik zu studieren. Christian hat ein Praktikum bei einem Steuerberater gut gefallen.

Gute Resonanz: Die Schüler befragten die Gäste nach ihren interessanten Lebenswegen.
Gute Resonanz: Die Schüler befragten die Gäste nach ihren interessanten Lebenswegen.

Auch Lea, Mia und Jonathan finden das Konzept klasse. „Talk’n’Walk“ an ihrer Schule gefällt den 17-Jährigen besser als die Mannheimer Jobbörse, die sie am Vormittag besucht haben. „Denn hier an der Schule kommt man viel besser ins Gespräch.“

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