Ludwigshafen Geschichtenerzähler mit langem Atem

Geboren und aufgewachsen ist er in Schweden, seit 1990 lebt er in New York, wo er ebenso einen Jazzclub besitzt wie in Istanbul. Der schwedisch-türkische Saxophonist Ilhan Ersahin ist eine schillernde Figur in der Jazzszene. Beim Auftritt mit seiner Formation Wonderland innerhalb des Festivals Enjoy Jazz in der Alten Feuerwache in Mannheim stand der Unterhaltungswert im Vordergrund.

2002 hat Ersahin seine Band Wonderland gegründet, deren Markenzeichen die Verschmelzung von Melodien aus der traditionellen türkischen Musik, Elementen der elektronischen Musik und Einflüssen des modernen Jazz ist. Es ist eine Musik, die den exotischen Reiz orientalischer Rhythmik und Melodien mit Dance-Beats kombiniert und deshalb sehr gefällig ist. Das geht im Falle von Wonderland mit einer Reduzierung der Komplexität einher. Beim Mannheimer Auftritt kam die Musik von Wonderland fast ohne Harmoniewechsel aus. Ersahin, der neben dem Tenorsaxophon auch E-Piano spielt, und der Klarinettist Hüsnü Senlendirici durften sich bei ihren Improvisation mit den Tönen einer einzigen Skala austoben, was ihnen sichtlich Spaß machte. Das alles wirkte locker und unverkrampft, hatte dabei aber mitunter den Charakter einer Jamsession. Für den durchgehenden, tanzbaren Groove sorgten Alp Ersonmez (Bass), Izzet Kizil (Percussion) und Volkan Oktem (Schlagzeug), die einen dichten Rhythmusteppich woben und sich auch selbst solistisch in den Vordergrund spielen durften. Die Musik von Wonderland faszinierte vor allem dann, wenn etwa ein schleppender Reggae-Rhythmus unter die oszillierenden Klänge gelegt wurde, die Senlendirici auf seiner elektronisch verfremdeten Klarinette intonierte. Mit Ersahin führte er immer wieder spannungsgeladene Zwiegespräche, überzeugte in seinen Soli als Geschichtenerzähler mit langem Atem. Da wollte Ersahin nicht nachstehen. Auch seine Improvisationen hatten etwas Erzählerisches, Poetisches; der Bandleader verstand sich aber auch auf das Intonieren effektvoller und prägnanter Funk-Riffs und Phrasen. Die Interaktion, in der Band aufeinander zu hören und zu reagieren, das ist eine der Stärken von Wonderland. Faszinierend war es, mit welcher Spielfreude sich Ersonmez, Kizil und Oktem dabei gegenseitig die Bälle zuspielten. Das ließ auch Platz für kleine Spielchen, wie die Percussion-Einlage Kizils auf Ersonmez’ elektrischem Bass. Es war sicher keine Sternstunde des Festivals, aber ein Abend, der den Musikern Spaß machte – und den Zuhörern auch.

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