Handball
Gerade nochmal gut gegangen: VTV besiegt Worms mit 30:29
Ein Tor von Simon Schleidweiler 23 Sekunden vor dem Ende und eine Parade von Torhüter Nico Klein vier Sekunden vor Schluss gegen Lukas Hochgesand verwandelten die Sporthalle im Schulzentrum in ein Tollhaus, stürzten allerdings auch beide Trainer in ein Wirrwarr der Gefühle. „Ich bin stinksauer auf die Mannschaft“, sagte der eine. „Ich kann auf die Jungs nur stolz sein“, sagte der andere. Dabei war es Steffen Schneider, Trainer der VTV, dem nach dem Schlusspfiff die Zornesadern auf der Stirn standen, während sich Marco Tremmel auf der anderen Seite für die HSG zwar ein anderes Ergebnis gewünscht hätte, aber mit den 60 Minuten insgesamt zufrieden sein konnte.
Großes Manko: Chancenverwertung
Denn das Spiel hatten über weite Strecken die Gäste bestimmt. Nur beim 6:5 (13.) und 11:10 (27.) lagen die Gastgeber kurz in Führung. Das größtes Manko dabei: einmal mehr die Chancenverwertung. „Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Vorrunde“, schimpfte Schneider, dem nicht nur die verworfenen Großchancen missfielen. „Es geht auch darum, wie wir diese Bälle verworfen haben.“
Die beiden Außen Thoren Pönisch und Marco Binnes? Kein Faktor im ersten Abschnitt. Kreisläufer Aaron Schleidweiler kam auf eine Quote von zwei Treffern bei vier Versuchen, vergeben hatte er aber unter anderem einen Gegenstoß. Und so zog sich das durch die gesamte Mundenheimer Mannschaft. „Insgesamt hatten wir das gesamte Spiel über keine Disziplin. Jeder einzelne hat sich Situationen herausgenommen, die so nicht abgesprochen waren“, schimpfte Schneider. Der Rückstand von nur einem Tor zur Pause war schmeichelhaft für die VTV und nur möglich, weil der Tabellenführer immer wieder Phasen zündete, in denen er sein tatsächliches Potenzial abrief.
Fünf Minuten vor der Pause zum Beispiel: Da drehten Pönisch, Max Schneider (2) und Torhüter Janik Kunz mit einem Treffer ins leere Gehäuse innerhalb von 164 Sekunden den 7:10-Rückstand (24.) in eine 11:10-Führung (27.). Oder auch in Abschnitt zwei. Da zündete Marco Binnes den Turbo eine Viertelstunde vor dem Ende. Mit fünf Toren in 233 Sekunden drehte er praktisch im Alleingang ein 19:21 (44.) in ein 24:22 (48.) und zeigte dabei genau den Willen und die Entschlossenheit, die Schneider von seiner Mannschaft das ganze Spiel über vergeblich eingefordert hatte. Grund genug für die schlechte Laune des Trainers.
Marco Tremmel hat’s geahnt
„Aber ich kann gar nicht sauer sein, weil wir am Ende noch einmal so brutal viel Herz gezeigt haben“, verriet er nach drei tiefen Atemzügen. In den Schlussminuten rissen die Gastgeber das Ruder mit Toren von Aaron Schleidweiler, Binnes, Max Schneider (2) und Aaron Schleidweiler noch herum, stemmten sich mit Überzeugung gegen die drohende Niederlage.
Marco Tremmel hatte es geahnt: „In fünf Minuten kann viel in Mun-denheim passieren.“ Immerhin hatte er selbst sieben Jahre lang als Spieler und Trainer bei den VTV Verantwortung getragen und versuchte, seine Spieler in der letzten Auszeit auf genau diese Situation vorzubereiten. Letztlich vergebens. So bildete sich nach dem letzten Wurf eine Jubeltraube um Nico Klein, und es feierten doch wieder die Mundenheimer.
So spielten sie
VTV Mundenheim: Klein, Kunz (1) - Schmieder, Tom Schneider (1), Simon Schleidweiler (2) - Pönisch (2), Binnes (6) - Aaron Schleidweiler (4) - Hannes, Naas (1), Wilbrandt (2), Deege, Max Schneider (11/6)
Spielfilm: 6:7 (15.), 7:10 (24.), 11:12 (Halbzeit), 17:19 (42.), 24:22 (48.), 25:27 (55.), 30:29 (Ende) - Zeitstrafen: 4:5 - Rote Karte: Pönisch (52. Dritte Zeitstrafe) - Siebenmeter: 6/6 - 4/4 - Beste Spieler: Binnes, Klein - Seyfried, Volk - Zuschauer: 120 - Schiedsrichterinnen: Jelicic/Zintel (St. Ingbert).