Ludwigshafen Gerätetest mit Gurkensalat

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„Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ – mit diesem denkwürdigen Satz begann ein neues technisches Zeitalter. Johann Philipp Reis sprach diese Worte im Oktober 1861 in einen Apparat, den er den Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt vorführte. Es war ein Fernsprecher – einer der Vorläufer unseres heutigen Telefons. In Deutschland gab es nach den Laborexperimenten von Reis zunächst keine weiteren größeren Bemühungen, ein Telefon für den Alltag zu entwickeln. Wahrscheinlich interessierten sich die Zeitgenossen eher für Gurkensalat. In Amerika wurde eifriger an dieser Zukunftstechnologie gebastelt. Die US-Apparate kamen schließlich auch in Europa in Mode. In Deutschland wurden ab Herbst 1877 täglich 200 Telefone produziert. Der Siegeszug der Geräte begann, ein landesweites Telefonnetz wurde aufgebaut. Irgendwann wurde die Handvermittlung durch die Wählscheibe und diese dann durch Tasten ersetzt. Nun, im 21. Jahrhundert, verändert die digitale Revolution erneut die Welt der Kommunikation. Und das spüren wir alle: Seit einigen Tagen haben wir in der Lokalredaktion neue Telefone. Das Gerät ist doppelt so breit wie sein Vorgänger und könnte von der Größe her (21 mal 28 Zentimeter) durchaus mit den Fernsprechapparaten aus dem 19. Jahrhundert konkurrieren. Der schwarze Block verfügt neben einem Ziffernfeld über einen Bildschirm (mit einer Diagonale von neun Zentimetern) sowie über 16 Speichertasten und eine runde Mulitifunktionstaste. Einen Hörer hat das Teil auch noch. Die Betriebsanleitung, die im Internet hinterlegt ist, umfasst schlappe 80 Seiten. Um eine reibungslose Einführung zu gewährleisten, benannten wir auf Wunsch unserer Technik zwei „Poweruser“ – das sind zwei Kollegen, die im Umgang mit dem Apparat geschult werden und dann ihr Wissen weitergeben sollten. Doch die Grippewelle hat unsere beiden „Poweruser“ am Schulungstermin entkräftet für einige Zeit ins Bett sinken lassen. Und so fanden wir die beeindruckenden Apparate eines Morgens ohne Erläuterung auf unseren Schreibtischen vor. Mit den neuen Geräten telefonieren wir jetzt übers Internet. Das führt dazu, dass unsere Computerprogramme länger beim Hochladen brauchen, weil alles miteinander vernetzt ist. Neulich hat ein E-Mail an einen Kollegen im zweiten Stock über eine Stunde gebraucht – ich habe als Ursache den „schwarzen Riesen“ in Verdacht . Das Telefon funktioniert aber einwandfrei und ist äußerst unterhaltsam. Primitive Dinge wie eine Wahlwiederholungstaste gibt es nicht mehr. Stattdessen werden gespeicherte Anruflisten durchgeblättert, um bei einem Gesprächspartner noch einmal durchzuklingeln. Man kann einen Kopfhörer anschließen und noch ganz viele andere tolle Sachen machen. Darauf lassen Begriffe wie der „Aufmerksamkeitsruf“ oder der „HipPath“-Modus im Benutzermenü schließen. Beeindruckend ist die grün oder rot leuchtende Signallampe, die dieses Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst krönt. Bisher habe ich Telefonate souverän gemeistert, auch wenn es mit dem Verbinden noch ein bisschen hapert. Meine Frau, die beste Ehefrau von allen, lobt die Sprachqualität. Sie erreicht mich bestens über das grenzenlose Netz, um mich zu fragen, wann ich denn endlich zum Abendessen nach Hause komme. Das bringt mich auf eine Idee: Vielleicht gibt’s ja auch eine Funktion, um mit dem neuen Apparat Gurkensalat zu machen. Die Kolumne Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

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