Festival des deutschen Films RHEINPFALZ Plus Artikel Fußballstimmung im Kinozelt: Tatort „Mike und Nisha“ wird auf Parkinsel gefeiert

Lisa Bitter (links) kann auch singen und tanzen, wie sie live auf der Ludwigshafener Parkinsel vor Publikum bewies. Und Ulrike F
Lisa Bitter (links) kann auch singen und tanzen, wie sie live auf der Ludwigshafener Parkinsel vor Publikum bewies. Und Ulrike Folkerts wähnte sich offenbar in einem Stadion.

La Ola im Publikum und ein Geburtstagsständchen – als Vorgeplänkel vor einem Krimi?! Das kann es nur beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen geben.

In Ludwigshafen endet die „Tatort“-Sommerpause früher als andernorts. Gleich sechs neue Sonntagskrimis präsentiert das Festival des deutschen Films, darunter den neuesten mit „unseren“ Kommissarinnen Lena Odenthal und Johanna Stern. Es herrscht beste Stimmung beim „Tatort“ Ludwigshafen in Ludwigshafen. Samt einem Geburtstagsständchen für die Hauptdarstellerin, und damit ist diesmal nicht Ulrike Folkerts gemeint.

Das Kinozelt verwandelt sich in ein Festzelt, sobald die Schauspielerinnen Ulrike Folkerts und Lisa Bitter eintreten. An ihrer Seite gleich sechs Kolleginnen und Kollegen, „die bisherige Spitzenleistung“, wie Festivaldirektor Michael Kötz errechnet. Als er sie nach Regisseur Didi Danquart, Autorin Annette Lober und weiteren Teammitgliedern nacheinander auf die Bühne holt, wird jede und jeder einzelne anhaltend beklatscht und lautstark bejubelt. Wenn hier schon eine Atmosphäre wie im Fußballstadion herrscht, mag Ulrike Folkerts sich wohl denken, als sie zuerst in der Hocke und dann mit wedelnden Händen zum Himmel eine La Ola einfordert. „Ich glaube, die haben schon vier bis sechs Weinschorle hinter sich“, meint Festivalleiter Michael Kötz angesichts dieser ausgelassenen Vorgänge. „Eine echte Pfälzer Premiere!“ findet er und bemüht sich, die um Monate vorangegangene Uraufführung beim SWR-Sommerfestival zur Vorpremiere herunterzuspielen.

Als offenbar wird, dass die Episodenhauptdarstellerin Amina Merai, die Nisha im „Tatort: Mike & Nisha“, just heute ihren 30. Geburtstag feiert, ertönt, stimmlich angeführt von Johannes Scheidweiler, Kriminalassistent Nico Langenkamp, ein einhelliges Ständchen für sie. Schließlich noch singt und tanzt vor der Leinwand und dem Filmstart Lisa Bitter die „Tatort“-Melodie. Jenes ikonische Musikstück, das beim Festival des deutschen Films seltener zu hören ist, als es ihm eigentlich gebührt, weil regelmäßig der Vorspann fehlt. Den gibt es nur zu Hause.

Dann, im „Tatort“ nicht mehr vor, sondern auf der Leinwand, erscheinen die Kommissarinnen zunächst nur einen Moment lang, bevor sie über längere Zeit wieder verschwinden. Diesmal nämlich folgen wir weniger ihnen, als den Titelhelden Nisha und Mike (Jeremias Mayer), die damit eine erfreulich große Portion Abwechslung (und Verjüngung) in die bereits 1989 gestarteten Ludwigshafener Ermittlungen einbringen.

In Frankenthal, nicht Ludwigshafen, offenbaren sich dabei tödlich toxische Nachbarschafts- und Familienverhältnisse. Nisha und Mike sind hier zu Besuch bei den Eltern. Der Schäferhund des einen Nachbarn schnappt sich die Katze, während die andere Nachbarin das Geschehen beobachtet und schließlich der Polizei meldet. Zwei eindringlich gestaltete Typen wie aus einem Stephen-King-Roman, dargestellt von Wolf Bachofner und Anna Stieblich, die bei der Vorstellung im Publikum sitzen und jeden Beifall verdienen, den sie erhalten.

Ebenso Merai und Mayer als Nisha und Mike, die zu Mördern werden, bevor die Ermittlerinnen ungewohnt spät auf der Bildfläche erscheinen. „So ein schönes Paar, so unschuldig und so nervös“, stellt Kommissarin Odenthal aber gleich nach der ersten Begegnung fest. Später zitiert sie wie Assistent Langenkamp englische Blankverse. „Was für’n Trip!“ meint dagegen Nisha, deren Flucht an Mikes Seite durch die Ludwigshafener Innenstadt und zuletzt, in einem schönen, authentischen Bild, auf die abgebrochene Brücke und die Baustelle der Hochstraße Süd führt.

„Sie haben echt an den richtigen Stellen gelacht, und es war mucksmäuschenstill, wenn’s arg wurde“, lobt nach der Vorstellung die Ludwigshafener Hauptkommissarin alias Ulrike Folkerts das Ludwigshafener Publikum. „Ich bin immer noch geplättet.“

Termin

„Mike und Nisha – Tatort“, Samstag, 30. August, 21 Uhr, Zeltkino C und Freitag, 5. September, 17.30 Uhr, Zeltkino A. Altersempfehlung ab 12 Jahren. Es gibt noch Karten über https://tickets.fflu.de

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