Handball
Fototeam beim Spitzenspiel: Auf der Suche nach dem perfektem Moment
Sport ist Emotion. Die Aufgabe von Sportfotografen ist es, diese Emotion bestmöglich in einem Bild zu erfassen. Gar nicht so einfach, wissen sowohl professionelle wie auch ambitionierte Hobby-Bildermacher. Denn dieser ganz besondere Moment kann vieles sein: eine vulkanhafte Eruption auf der Trainerbank, wie jüngst bei FCK-Trainer Thorsten Lieberknecht erlebt. Grenzenloser Jubel auf den Zuschauerrängen wie auf einem Meisterfoto der Adler Mannheim nach einem Sieg in der Verlängerung. Der konzentrierte Blick vor einem entscheidenden Torabschluss wie bei Andreas Brehme vor seinem Elfmeter 1990, der fast schon ikonische Lauf von Franz Beckenbauer nach dem Abpfiff des WM-Endspiels in eben diesem Jahr, oder auch die grenzenlose Enttäuschung wie bei „Titan“ Oliver Kahn, der 2002 versunken am Torpfosten lehnte oder Usain Bolt, der enttäuscht seine goldenen Schuhe von sich warf, wie von RHEINPFALZ-Fotograf Bernhard Kunz im Jahr 2011 während der Leichtathletik-WM festgehalten.
„Aber das ist gar nicht so einfach. Wir haben in der Regel immer nur einen Teilaspekt des Spiels im Blick“, erklärte Lutz Rüffer. Immerhin: „Man kennt sich in der Regel untereinander“, pflege den Austausch auf unterschiedlichen Internetplattformen. So entstand eine Idee: Gemeinsam mit Tim Schlindwein, Thorsten Metz, Kathrin Bach und Lukas Trunk hatte er sich vorgenommen, ein komplettes Handballspiel in den Fokus zu nehmen. Hatte Vereine, Mannschaften, Schiedsrichter und Verband über das Vorhaben informiert. „Ein 360 Grad Blick auf ein Spiel“, so die Vorgabe, die sich das fotografische Quintett zum Ziel gesetzt hatte. „Jeder Fotograf erhält seinen eigenen Bereich.“
Über 8000 Fotos
Kleiner Spoiler vorab: Ganz hat diese Vorgabe nicht funktioniert. Das war allerdings absehbar. „Ursprünglich wollten wir heute hier zu acht auflaufen“, erklärte Rüffer. Jeweils ein Kollege für die Zuschauer, ein Blick auf die Unparteiischen, zwei Objektive für die beiden Spielerbänke und natürlich jeweils Kamera-Kameraden für Offensive und Defensive auf beiden Seiten – macht zusammen deutlich mehr als die anwesenden fünf Akteure. Die gaben trotzdem ihr Bestes und waren im Anschluss entsprechend erledigt. „Ich habe mindestens so viel geschwitzt wie die Spielerinnen“, so Schlindwein.
Überhaupt gab es zum Abschluss des bislang einmaligen Fotoprojektes eine Menge strahlende Gesichter. Bei den Friesenheimerinnen sowieso. Die hatten das Spiel schließlich gewonnen. Aber auch die Kurpfalz Bären aus Ketsch durften sich freuen. „Die beiden Mannschaften haben von uns schon die ersten Bilder für ihre Instagram-Auftritte erhalten“, erklärte Metz. Aber die eigentliche Arbeit beginne erst nach der Partie. „Wir haben zusammen bei diesem Spiel insgesamt rund 8000 Bilder gemacht.“ Eine Menge zu sichten, zu begutachten und auszuwählen also, um am Ende die besten und emotionalsten Ergebnisse für den eigenen Auftritt auszuwählen. „Natürlich wollen wir uns dann ebenfalls eine Plattform auswählen, wo wir uns präsentieren“, versprach das Quintett. Wo, wann und unter welchem Namen war unmittelbar nach dem Schlusspfiff allerdings noch unklar. Nur so viel war den Fotografen aus der Pfalz und Baden klar: „So etwas machen wir wieder.“ Die gemeinsame Suche nach dem perfekten emotionalen Moment bei einem Sportereignis.