Ludwigshafen Flucht aus dem Bürgerkrieg
Von einer Flucht aus Afrika erzählt „Papa Lumière“ („So long Africa“) der Französin Ada Loueilh. Der Film ist im Wettbewerb des Filmfestivals Mannheim-Heidelberg zu sehen. Die Autorin und Regisseurin ist selbst in der Elfenbeinküste aufgewachsen und lebt heute in Paris.
Es ist das Jahr 2011. Der 62-jährige Jacques Tabard (Niels Arestrup) und seine 14-jährige Tochter Safi (Julia Coma) landen mit dem Flugzeug in Paris. Die beiden sind vor dem Bürgerkrieg im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste geflohen. Der sonnengebräunte Franzose im weißen Anzug war Hotelbesitzer in Abidjan. Von Safis Mutter hat er sich bereits getrennt, als das Kind sechs Jahre alt war. Nun ist das Hotel ebenso verloren gegangen wie der Kontakt zur Mutter, die in den Kriegswirren verschollen ist. Safi macht sich Sorgen und versucht immer wieder, sie zu erreichen. „Ich glaube, dass meine Mutter lebt, aber ich träume, dass sie tot ist“, sagt sie einem Medizinmann, den sie in Frankreich aufsucht. Jacques dagegen meint: „Deine Mutter war eine Hure.“ Vater und Tochter wissen kaum etwas voneinander und müssen doch in einem fremden Land, in einer sehr schwierigen Situation miteinander klarkommen. Sie selbst ist auf Korsika geboren, berichtet Ada Loueilh in Mannheim, aber bereits mit zwei Jahren in die Elfenbeinküste gekommen. Dort ist sie aufgewachsen, bis sie vor etwa 20 Jahren mit ihren Eltern wieder nach Frankreich zog. In die Heimat ihrer Kindheit ist sie seitdem nur dreimal zurückgekehrt, zuletzt, um einige Sequenzen für „Papa Lumière“ vor Ort zu drehen. „Die Verkehrsstaus und die Luftverschmutzung in Abidjan haben sehr zugenommen“, stellt sie fest. „Das Land hat ökonomische Fortschritte gemacht, aber die Gesellschaft ist gespalten.“ Es sei relativ friedlich dort, andererseits schwele die politische Krise nach dem blutigen Machtkampf der einander nachfolgenden Staatspräsidenten Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara weiterhin. Am kommenden Sonntag, am Tag nach dem Ende des Internationalen Filmfestivals, sind Präsidentschaftswahlen in der Elfenbeinküste, die Ouattara fraglos gewinnen werde. Gbagbo dagegen muss sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Demnächst wird Ada Loueilh sich erneut selbst ein Bild von der Situation in der Elfenbeinküste machen können: Die Pariserin reist mit ihrem leise und präzise beobachtenden Debütfilm im Auftrag des Instituts Français nach Abidjan.