Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fleetwood-Mac-Tribute im Rosengarten: Den Test der Zeit bestanden

Die Britin Vivienne Chi gab die Stevie Nicks.
Die Britin Vivienne Chi gab die Stevie Nicks.

Die Musik der britisch-amerikanischen Band Fleetwood Mac füllt auch heute noch die Hallen. So wie am Freitag im Mannheimer Rosengarten.

Es sind immer wieder die üblichen Verdächtigen, deren Band-Logos da auf T-Shirts prangen, die in Modehaus-Ketten neben irgendwelchen Marvel-Textilien feilgeboten werden. Nirvana. Metallica. AC/DC. Die Ramones. Die Rolling Stones. Guns N’ Roses. Gerade junge Leute schmücken sich gern mit deren Merch-Artikeln, und manchmal fragt man sich, ob der 14-Jährige da mit dem Ramones-Shirt und dem Influencer-Lockenkopf auch nur ein Lied der US-amerikanischen Rockband kennt, die schon Punk war, als die Bezeichnung für das Musikgenre noch gar nicht erfunden war.

Auch Fleetwood-Mac-T-Shirts hängen mittlerweile in diesen Konsumtempeln. Anders als bei den Ramones ist die Wahrscheinlichkeit, dass das junge Gemüse mit der Band tatsächlich etwas anfangen kann, aber ungleich höher. In den vergangenen fünf, sechs Jahren ist die Band, allen voran Stevie Nicks, von der jungen Generation wiederentdeckt worden. TikTok war schuld, ein Longboarder hat eines seiner Filmchen mit dem Fleetwood-Mac-Song „Dreams“ unterlegt, damit einen viralen Hit gelandet - und die Band hat darauf clever reagiert. Nicks selbst hat als Stilikone in den 2010ern und 2020er Jahren eine Renaissance erfahren, die Musikerin wird von jungen Frauen ob ihres hexenhaften Kleidungsstils gefeiert, sie gilt als prägend für den sogenannten #WitchTok-Style.

Seit dem Tod von Christine McVie scheint das Original offiziell Geschichte

Und so wundert es einen nicht, dass im Publikum im Mannheimer Rosengarten bei der Fleetwood-Mac-Tribute-Show „Rumours of Fleetwood Mac“ also auch durchaus jüngere Semester zu finden sind, die nicht den Eindruck machen, als seien sie von Mama und Papa zwangsverpflichtet worden, der Show beizuwohnen. Der Großteil des Publikums, das ist aber auch klar, stammt natürlich aus Zeiten, in denen man mit TikTok keine Social-Media-Plattform, sondern das Geräusch einer tickenden Uhr verband.

Ihnen allen dürfte das Herz höher geschlagen haben bei dem Gedanken, die Musik dieser in London gegründeten, multinationalen Band noch einmal live erleben zu können. Auch wenn natürlich da oben eine Tribute-Band auf der Bühne steht und nicht die echten Fleetwood Mac. Mit dem Tod von Christine McVie im Jahr 2022 scheint die Band offiziell Geschichte zu sein (wobei man das schon oft geglaubt hat). Ein Original-Mitglied sieht man dann aber doch: Drummer Mick Fleetwood, das einzige Fleetwood-Mac-Mitglied, das die gesamte Lebensdauer der Gruppe mitgemacht hat. Fleetwood richtet sich in einer Video-Botschaft ans Auditorium, gibt der Produktion seinen Segen, feiert „Rumours of Fleetwood Mac“ als Möglichkeit, die Musik der Band, ihr Vermächtnis, irgendwie weiterzuführen. Ein Ritterschlag für Allan Cosgrove (Drums), James Harrison (Gitarre/Gesang), Vivienne Chi (Gesang), Sara Leanne (Keyboard/Gesang), Etienne Girard (Bass), Alex Dee (Keyboard/Gesang) und Mikey Gay (Gitarre/Gesang), die da seit 1999 (da gab es die Band noch gut 20 Jahre lang) den Geist von Fleetwood Mac wiederauferstehen lassen, rund 125 mal im Jahr, in Europa und den USA.

Zwei Banger eröffnen das Konzert

Die Stimmung ist in Mannheim von Beginn an ausgezeichnet. Zumal die Band gleich in die Vollen geht und mit den beiden Bangern „Gypsy“ und „You Make Loving Fun“ das Konzert eröffnet. Da deutet sich schon an, warum Mick Fleetwood da die Werbetrommel für seine Epigonen rührt. Die Musiker versprühen von Beginn an Spielfreude und Energie, haben merklich Lust, durchaus keine Selbstverständlichkeit, wenn man Abend für Abend routiniert durch die selbe Setlist pflügt. Aber das zu präsentierende Material macht natürlich auch Spaß.

Das erste Set - nach einer knappen Stunde gibt es eine 20-minütige Pause - ist vor allem durch die ganz großen Hits geprägt, die Band fokussiert sich hier auf die Nicks/Buckingham-Ära. Grandios, wie auf das sanfte „Songbird“ gleich „The Chain“ folgt, das live viel wuchtiger kommt, als man es so von der Platte kennt. Ans Ende des ersten Teils packt die Kapelle „Rhiannon“, hier reißt es das Publikum zum ersten Mal aus den Sitzen. Für den Hexen-Song gibt es Standing Ovations.

In der Hochphase gleich drei grenzgeniale Songwriter in der Band

Der zweite Teil beginnt dann erst einmal mit einem Schlaglicht auf die (späte) Peter-Green-Ära, die Zeit also, bevor Nicks und Buckingham zur Band stießen und der ganz große kommerzielle Durchbruch gelang. „The Green Manalishi (With the Two-Prong Crown)“, „Oh Well“; „Man of the World“, das Instrumental „Albatross“ führen noch einmal vor Augen, was für Perlen auch in dieser Phase entstanden sind.

Danach geht es weiter mit den großen Hits, die Achtziger - „Little Lies“, „Everywhere“ - sind da natürlich auch noch abgedeckt. Gemessen an den Reaktionen des Publikums eine Zeit, in der viele ihre Liebe zu Fleetwood Mac entdeckten. Etwas mehr als zwei Stunden dauert das Konzert schließlich, und es ist durchaus beeindruckend, noch einmal daran erinnert zu werden, was für eine immense Hitdichte diese Band doch hatte, in deren Hochphase es gleich drei grenzgeniale Songwriter in der Band gab.

x