Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Filmfestival: Strikte Kontrollen gefordert

 Aktueller Blick auf die Festivalwiese. Forstwissenschaftler Ziesling wurde von Anwohnern um eine Expertise gebeten und beklagte
Aktueller Blick auf die Festivalwiese. Forstwissenschaftler Ziesling wurde von Anwohnern um eine Expertise gebeten und beklagte eine zunehmende Bodenverdichtung sowie hochriskante Schäden im Baumbestand.

Soll das Filmfestival verlegt werden oder auf der Parkinsel bleiben? Die Kritik von Diplom-Forstwirt Volker Ziesling wegen der Naturschäden hat eine Debatte über die Standortfrage ausgelöst. Die meisten Fraktionen im Stadtrat knüpfen den Verbleib vor Ort an Bedingungen wie strikte Kontrollen. Kurios ist der Vorschlag der Linkspartei.

SPD: Klare Auflagen und ein Plan B

Für SPD-Sprecher David Guthier ist das Festival „ein tolles Aushängeschild und wichtiger Imagefaktor“ für Ludwigshafen. „Es lebt von der einzigartigen Atmosphäre und dem Flair auf der Parkinsel.“ Entscheidend seien für die SPD zwei Dinge: Das Festivalgelände dürfe nicht weiter wachsen. Erstens: Die Größe aus dem letzten Vor-Corona-Jahr 2019 müsse in Zukunft das Limit sein. „Zweitens erwarte ich, dass das Grünflächenamt klare Auflagen zu Auf- und Abbau erlässt und diese auch kontrolliert und durchsetzt. Dies betrifft insbesondere die verwendeten Fahrzeuge, Zufahrten und die knappe Begrenzung der Zeitdauer für Auf- und Abbau“, betont Guthier. Im Vorjahr sei mit dem Hochwasser kurz vor Beginn des Aufbaus ein Aspekt dazugekommen, „der im Fußball zur Unbespielbarkeit des Platzes geführt hätte“, so Guthier. „Das Abpumpen des stehenden Wassers und der Aufbau auf derart durchnässtem Grund hätte so nicht genehmigt werden dürfen. Für diese Ausnahmefälle braucht es einen Plan B“, fordert er.

CDU: Standort-DNA und Dialog

Das Besondere am Filmfestival sei neben dem guten Programm eindeutig der besondere Standort, sagt auch CDU-Sprecher Peter Uebel. „Die Lage am Fluss gehört zur DNA des Festivals. Daran darf nicht gerüttelt werden.“ Das Festival sei eines der wichtigsten Kulturereignisse der Stadt mit einer enormen Ausstrahlung und einer wichtigen sozialen Funktion nach innen. „Die enge fachgerechte Begleitung der Auf- und Abbauarbeiten ist dabei weiter intensiv nötig, ebenso der Dialog zwischen Anwohnern, Naturschützern, Verwaltung und Festivalmachern“, so Uebel. „Bei einer Verlegung in den Ebertpark, den Herr Ziesling als Alternativstandort ins Spiel brachte, wäre dieses Flair sehr schnell verschwunden – begleitet von vielen Anwohnerprotesten in der Ebertsiedlung“, bilanziert der Christdemokrat.

AfD: Schäden umgehend beheben

„Das Festival lebt von seinem einzigartigen Setting und der Atmosphäre des Orts“, sagt Johannes Thiedig von der AfD. An der Parkinsel als Austragungsort sollte daher festgehalten werden. „Die entstandenen Probleme 2021 waren dem damaligen Hochwasser geschuldet, da die Aufbauzeit kürzer ausfiel als zuvor. Aufbau, Ablauf und Abbau müssen in Zukunft stärker als bisher ökologisch begleitet werden. Dabei sind auch Dokumentation und Kontrolle unerlässlich“, meint Thiedig und fordert: „Schäden sollten umgehend behoben werden.“

Grüne im Rat: Nur unter Aufsicht

„Das Festival wird durch die Lage am Rhein sowie von Zelten und Bierbänken unter den Platanen geprägt. Deshalb sind alternative Standortvorschläge für das Festival unserer Meinung nach nicht realistisch“, sagt Hans-Uwe Daumann (Grüne im Rat). Leider zeige sich die Festivalleitung wenig einsichtig, die gravierenden Eingriffe in die Natur auf der Parkinsel zu beschränken. „Wer die Platanen schädigt und die Natur im Flachwasser gefährdet, sägt am Ast, auf dem das Festival sitzt. Wir kritisieren seit Jahren die starke Expansion des Geländes. Dem Naturschutz helfen nur deutliche Auflagen, engmaschigere Kontrollen der Stadt und im Falle von Verstößen saftige Strafen“, ist er überzeugt.

Forum: Arbeiten beschleunigen

„Wir halten am Standort auf der Parkinsel fest“, sagt Raik Dreher (Grünes Forum und Piraten). Der Reiz des Festivals mache die besondere Lage am Rhein aus. „Wir legen aber Wert darauf, dass die Auf- und Abbauarbeiten beschleunigt werden, um die Anwohner nicht über Gebühr zu belasten. Außerdem möchten wir, dass die Schäden an der Bepflanzung, wenn sie denn entstehen, schnell unter Aufsicht des Grünflächenamts beseitigt werden. Wir werden da genau hinschauen“, kündigt Dreher an.

Die Linke: Festival mal hier, mal dort

„Die Bedenken des Forstwissenschaftlers sollten ernst genommen werden“, sagt Linken-Sprecher Liborio Ciccarello. Seine Fraktion könnte sich mit der Idee eines rollierenden Filmfestivals sehr gut anfreunden: „Mal könnte es an der Parkinsel stattfinden, mal im Ebertpark. Warum nicht? Das würde zur Aufwertung weiterer Stadtteile führen.“ Auf- und Abbau des Festivals sollten laut Ciccarello im Sinne der Anwohner, aber auch der Parkinsel-Besucher zügig vonstatten gehen. Dagegen spräche nichts, zumal dies ohne zusätzliche Kosten verbunden sein dürfte, so Ciccarello.

FDP: Keine belastbaren Aussagen

Die Liberalen plädieren laut ihrem Sprecher Thomas Schell dafür, am bisherigen Standort festzuhalten. „Uns liegen keine belastbaren Aussagen vor, dass die Austragung die Belange des Naturschutzes verletzt.“ Bis nicht das Gegenteil nachgewiesen sei, sollte am Standort Parkinsel nicht gerüttelt werden. Auf- und Abbau sollten unter fachkundiger Aufsicht der Stadt erfolgen. Für eventuell entstehende Schäden oder Renaturierungen sei der Veranstalter verantwortlich.

FWG: Zufahrt einschränken

Für den Standort Parkinsel spricht sich auch die FWG aus. „Die Atmosphäre des Parks macht sehr viel vom Charme des Festivals aus“, sagt Fraktionssprecher Rainer Metz. Der Standort habe Tradition. Der Ebertpark ist für ihn keine Alternative. Neben dem Auf- und Abbau des Festivals sollten Aspekte der Nachhaltigkeit viel stärker in den Fokus des Parkbetriebs rücken. „Die Einfahrt in den Park sollte nur für Elektroantriebe genehmigt, die Zufahrt zur Parkinsel für Gäste stark eingeschränkt werden“, fordert Metz. Testweise sollten dafür vorhandene Schrankenanlagen eingesetzt werden.

Bürger für LU: Runder Tisch

Für die Fraktion „Bürger für Ludwigshafen“ ist die Parkinsel ein entscheidender Faktor für den Festivalerfolg. „Wir sprechen uns deshalb für den Erhalt der Parkinsel als Standort aus. Wir würden es sehr begrüßen, wenn sich Forstwirt Ziesling mit dem Veranstalter und der Unteren Naturschutzbehörde an einen Tisch setzt und ein gemeinsames Lösungskonzept erarbeitet“, sagt Sprecher Hans-Joachim Spieß. „Die in der Sondernutzungsvereinbarung und der naturschutzfachlichen Genehmigung verankerten Vorgaben könnten hier nochmals unter die Lupe genommen und gegebenenfalls ergänzt werden. Fachbereichsleiterin Gabriele Bindert sollte die Initiative ergreifen und die Federführung für diesen runden Tisch übernehmen“, schlägt Spieß vor.

Zur Sache: Das Interview und die Debatte

Ein RHEINPFALZ-Interview am 14. Februar mit dem Forstwissenschaftler und Grünen-Mitglied Volker Ziesling hat eine Debatte über den Standort des Filmfestivals ausgelöst. Er forderte eine Verlegung, etwa in den Ebertpark, weil ansonsten die Natur auf der 34 Hektar großen Parkinsel weiter zerstört werde. Anwohner hatten den 63-jährigen Speyerer um eine Expertise gebeten. Der Platanenbetsand extrem gefährdet, der Boden verdichtet, sagt er. Die Stadt lehnt einen Standortwechsel ab. Für den Aufbau des 18. Filmfestivals (24. August bis 11. September) kündigte Grünbereichsleiterin Gabriele Bindert eine ökologische Baubegleitung an, zu der auch Ziesling geraten hatte. Am Standort Parkinsel will die Stadt festhalten. Das nach der Berlinale in Sachen Resonanz bundesweit zweitgrößte Festival werde seit seiner Premiere 2005 eng begleitet, betonte Bindert. 120.000 Besucher füllten im Rekordjahr 2019 die Kinozelte am Rheinufer. 2021 kamen – pandemiebedingt – nur halb so viele Gäste.

Lesermeinungen zum Thema finden Sie hier.

Forstwissenschaftler Volker Ziesling (63, Speyer) vor der Festivalwiese.
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Den Platanenbestand sieht der Experte gefährdet.
Den Platanenbestand sieht der Experte gefährdet.
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